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Jeder zehnte Hartz-IV-Bezieher in Hamm erscheint nicht zu Terminen

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Wiemer
Das Job-Center in Bockum-Hövel. ▪

HAMM ▪ Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Hartz-IV-Empfänger hat um 9 Uhr einen Termin mit seinem Sachbearbeiter im Kommunalen Job-Center. Er spricht auf den Anrufbeantworter: „Ich hatte den Termin um neun. So frühe Termine kann ich nicht wahrnehmen. Ich bin arbeitslos. Um solche Zeiten schlafe ich noch.“ Gibt‘s nicht? Gibt‘s doch. Passiert in Hamm.

Um gleich aber all denen vorzubeugen, die jetzt sagen: „Klar, alle Hartz-IV-Leute sind Schmarotzer.“ Das stimmt nicht.

Von den 16 222 Hammer Bürgern, die zurzeit Hartz IV beziehen, sind es gerade mal zehn bis elf Prozent, die nicht zu Terminen erscheinen, zu denen sie in der Regel schriftlich aufgefordert werden. Die Ausreden wiederholen sich in schöner Regelmäßigkeit – wie früher zur Schulzeit, wenn man mal einen Tag „blau“ machen wollte. Das kennt jeder. Nur hier, weil man ja Geld von der Stadt Hamm bezieht, hat regelmäßiges Fernbleiben von vereinbarten Terminen erhebliche Konsequenzen. „Wenn sich Klienten weigern zu kommen, und wenn das öfter passiert, können wir ihnen die Leistungen kürzen“, sagt Stadtsprecher Christian Strasen. Und das werde auch konsequent durchgezogen, denn irgendwelche Sanktionen müsse es schließlich geben.

Gleich bei der Antragstellung würden die Leistungsbezieher darauf hingewiesen, dass sie mitarbeiten, dass Termine unbedingt eingehalten werden müssten. Aber Ausnahmen bestimmen auch hier die Regel.

Die Ausreden, mit denen die Mitarbeiter des Kommunalen Job-Centers konfrontiert werden, sind völlig unterschiedlich. Sie reichen von „Ich war krank“, „Ich habe keine Post bekommen“ bis zu „Ich hab verschlafen“, oder „Hab‘ ich vergessen.“ Aber auch die „Betreuung der Geschwister, weil kein anderer da war“ wird gern als Ausrede genommen. „Ich hab‘ einen Mini-Job und musste arbeiten“ oder „Ich konnte nicht kommen, weil der Bus nicht gefahren ist und ich schließlich kein Auto habe“, sind weitere Highlights der Ausreden-Hitliste, die im Job-Center zwar nicht geführt wird, die aber den Mitarbeitern bekannt sind und die natürlich in der „Hartzburg“ in Bockum-Hövel kursieren. Inzwischen kennen die Sachbearbeiter auch ihre Pappenheimer – und wundern sich über (fast) gar nichts mehr.

Der Arbeitslose, der gern lange schläft und deshalb um 9 Uhr nicht gekommen ist, bildet aber mit seiner Dreistigkeit eine ziemliche Ausnahme.

Eines zur Ehrenrettung aller anderen: Die meisten kommen pünktlich. ▪ ms

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