Einsatz in der Viktoriastraße

Schießerei mit SEK-Kräften in Hamm juristisch folgenlos

Ein Mitglied einer Polizei-Spezialeinheit.
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SEK-Kräfte hatten im Frühsommer 2020 die Wohnung in der Viktoriastraße gestürmt. (Symbolbild)

Die gefährliche Schießerei mit einem Spezial-Einsatzkommando der Polizei hat für einen 43-jährigen Mann aus Hamm keine juristischen Konsequenzen.

Dortmund/Hamm - Der Beschuldigte hatte im Frühsommer 2020 mindestens ein verstörendes Video in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und damit die Polizei in Alarmbereitschaft versetzt. In der Aufnahme kündigte der Mann unter anderem an, dass schon bald Blut fließen werde. Ganz sicher aber nicht seins. Nun sprach das Dortmunder Schwurgericht den Beschuldigten frei und ordnete auch nicht seine Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik an.

Weil zu befürchten war, dass der 43-Jährige eine scharfe Schusswaffe besitzt, hatte sich die Polizei im Juni zur Stürmung der Wohnung an der Viktoriastraße entschlossen. Dabei waren SEK-Beamte früh morgens durch die Fenster in den Schlafraum des Mannes eingedrungen, um diesen zu überwältigen.

Tatsächlich hatte der 43-Jährige jedoch eine Pistole neben sich liegen. Und noch ehe die Beamten sich als Polizisten zu erkennen geben konnten, gab er einen ersten Schuss ab.

Beschuldigter offenbar überrascht

Im Prozess hatte der Beschuldigte jedoch beteuert, er habe keinesfalls gezielt auf die vermeintlichen Angreifer gefeuert. Und außerdem habe er keine Ahnung gehabt, wer da mit großem Karacho in seine Wohnung stürmte. Dass es sich bei den vermummten Männern um SEK-Beamte handelte, habe er erst mitbekommen, als diese ihn ihrerseits mit Schüssen ins Bein kampfunfähig gemacht hatten.

Die Richter gingen in ihrem Urteil davon aus, dass der Mann tatsächlich in Notwehr gehandelt hat und deshalb für die Tat nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ein Video, das den Einsatz des SEK bestens dokumentiert, hatte gezeigt, dass die ersten Rufe „Hier ist die Polizei!“ wirklich erst nach dem Schuss ertönten.

Weil der 43-Jährige also freigesprochen werden musste, war auch die von der Staatsanwaltschaft ursprünglich angestrebte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie unmöglich. Der Beschuldigte gilt als psychisch schwer krank. Die Anklagebehörde hatte erreichen wollen, dass die Richter ihn als Gefahr für die Allgemeinheit einstufen und aus dem Verkehr ziehen.

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