Landgericht Hagen

Scheinhinrichtung, massive Körperverletzung: Prozess gegen Hammer zieht sich, Opfer noch in Klinik

Ein Angeklagter aus Hamm (42) und sein Mitangeklagter aus Lünen (33) müssen sich im Landgericht Hagen wegen eines „erpresserischen Menschenraubes“ und Körperverletzung verantworten.
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Ein Angeklagter aus Hamm (42) und sein Mitangeklagter aus Lünen (33) müssen sich im Landgericht Hagen wegen eines „erpresserischen Menschenraubes“ und Körperverletzung verantworten.

Der Prozess gegen zwei Angeklagte aus Hamm und Lünen, denen ein „erpresserischer Menschenraub“ und Körperverletzung vorgeworfen wird, kommt nur mühsam voran. Der Hauptbelastungszeuge befindet sich nach seinem Zusammenbruch am ersten Verhandlungstag noch im Krankenhaus. Seine Vernehmung musste deshalb schon mehrere Male verschoben werden.

Hamm/Hagen – Die Behandlung des 43-Jährigen ist offenbar langwierig – ihre Dauer wurde zwischenzeitlich auf acht Wochen geschätzt. Möglicherweise befindet er sich mittlerweile in einer psychiatrischen Klinik. Der Vorsitzende Richter zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass der Iraner aus Hagen im Rahmen der vorgeschriebenen Fristen vernommen werden kann. Dafür wurde ein Termin Anfang Juni ins Auge gefasst.

Übel zugerichtetes Opfer: Wer hat die Fotos bekommen?

Die Verzögerung bei der Vernehmung des Hauptbelastungszeugen hat das Beweisprogramm des Prozesses durcheinandergewirbelt. Bei jedem Zeugen, der Aussagen des 43-Jährigen wiedergibt, widersprechen die Anwälte der Verwertung der gemachten Angaben. Die Richter gehen jedoch davon aus, dass sie letztlich über die Reihenfolge der Zeugenvernehmungen zu entscheiden haben.

Probleme bereitet jedoch nicht nur die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen: Die Angeklagten sollen nach ihren Übergriffen an mehrere Personen Handyfotos des verprügelten Tatopfers geschickt haben, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Dabei soll es Zielpersonen in Deutschland, aber auch in Teheran gegeben haben. Wegen der Bedeutung der Aussage hatten sich die Richter um eine Ausreisegenehmigung für den Bruder des Opfers im Iran bemüht.

Iraner erscheint nicht zum Prozesstermin

Die Kammer habe Kontakt zur deutschen Botschaft in Teheran aufgenommen, damit diese dem Zeugen vor dem Flug nach Deutschland ein Visum ausstellt, erklärte der Vorsitzende Richter. Zum Termin erschien der Zeuge aus unbekannten Gründen aber nicht.

Mittlerweile wurde ein weiterer Bruder des Opfers in Teheran ausfindig gemacht, der zur Tatzeit ebenfalls Bilder seines schwer getroffenen Bruders aus Deutschland bekommen haben soll. Die Richter bemühen sich nun um eine Ausreisegenehmigung und Visa für beide Teheraner Zeugen.

Scheinhinrichtung nach geplatztem Wassermelonen-Deal

Ein Angeklagter aus Hamm (42) und sein Mitangeklagter aus Lünen (33) müssen sich im Landgericht Hagen wegen eines „erpresserischen Menschenraubes“ und Körperverletzung verantworten. Sie sollen im Juli 2020 einen 43-jährigen Mann aus Hagen entführt haben, um ihn dann durch massiven Gewalteinsatz zur Zahlung von 25.000 Euro zu veranlassen.

Dabei sollen sie auch eine Scheinhinrichtung inszeniert haben. Hintergrund soll ein von dem 43-Jährigen vermitteltes Wassermelonengeschäft gewesen sein, in dessen Verlauf zwei Lastwagen aus Griechenland nicht wie vereinbart in Nordeuropa angekommen sein sollen.

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