Schauspieler Dogan Padar: Rolle für Rolle zum Erfolg

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Keine Lust auf „Klein-Ganove“: Dogan Padar beklagt die stereotypen Rollen für Schauspieler mit Migrationshintergrund.

HAMM - Rolle für Rolle zum Erfolg: Der Hammer Schauspieler Dogan Padar hat mit Annette Frier unter anderem für ihre Fernseserie  „Danni Lowinski“ gedreht. Doch wer ist der begabte Darsteller überhaupt? Und wo war er noch zu sehen? Wir haben uns mal umgehört...

Von Peter Körtling

HAMM - „Wenn ein Schauspieler sich voll mit einer Rolle identifiziert, dann wird aus der Scheinwelt des Films oder des Theaters die Wirklichkeit“, sagte Heinz Rühmann. Auf diesen Spuren will auch ein junger Mann aus Hamm wandeln: Erste Erfahrungen als Schauspieler und Produzent hat der 25-jährige Dogan Erdogan Padar schon.

„Ich wollte vieles werden“, sagt Padar, und das gehe eben nur als Schauspieler. In diesem Jahr hat er in der Serie „Danni Lowinski“, in dem TV-Film „Die Liebesfalle“ und in dem Kurzfilm „Malermeister Engel“ mitgespielt. Dabei war sein Weg vor die Kamera keineswegs vorgezeichnet. Nachdem er an der Sophie-Scholl-Gesamtschule seine Fachhochschulreife gemacht hatte, surfte er durch das Internet und stieß auf die Film Acting School Cologne, eine private Schauspielschule mit dem Schwerpunkt Film und Fernsehen. Er meldete sich, und erhielt bereits nach einem Tag die Einladung zu einem Bewerbungs-Casting. Nach fünf Stunden Casting bekam er die Zusage der Ausbilder.

Vor allem sich selbst lernte er während der anschließenden Ausbildung gut kennen. Diese starken Erfahrungen mache man in wohl keinem anderen Beruf, erklärt Padar. Besonders das Fach Öffnungsarbeit habe ihn geprägt. Um seine Gefühle absolut herauslassen und darstellen zu können, zerreiße man sich ständig selbst, und baue sich dann wieder neu auf.

Während dieser Zeit habe er großen Rückhalt durch seine Familie erfahren. Dieser Zusammenhalt habe auch die Ausbilder beeindruckt, doch konnte er die Schauspielschule nicht abschließen: Die private Schule kostet jeden Monat mehrere hundert Euro. Dazu kamen die Reisekosten, die durch das ständige Pendeln nach Köln entstanden. So musste Padar die Ausbildung nach 15 Monaten abbrechen.

„Das war nicht einfach für mich“, erinnert er sich. Zunächst hatte er, nach dem frustrierenden Ende, den Spaß an der Schauspielerei verloren. So arbeitete er mit seinem Vater in einem Betrieb, der Därme für die Lebensmittelbranche verarbeitete. Nach einiger Zeit kam der Spaß an der darstellenden Kunst aber wieder auf, und er knüpfte über das Internet Kontakte. Der Austausch hatte Erfolg, und so spielte er 2011 in dem Kurzfilm „Koma“ mit, den er auch auf seiner Homepage eingestellt hat.

Direkt zurück vor die Kamera ging es dann aber nicht. Neu motiviert eine kreative Tätigkeit durchzuführen, arbeitete er dann für ein Jahr bei einem Projekt des Multi-kulturellen Forums in Hamm. Hier führte er Bewerbungstrainings mit den Jugendlichen durch und setzte ein Filmprojekt erfolgreich um: Beim Jugendwettbewerb der Bundesregierung „Heimat Almanya – Zeig uns Dein Deutschland“ produzierte er ein Video, das bei 200 Beiträgen auf den zehnten Platz gewählt wurde. Er hatte viel Freude an dieser Tätigkeit und bekam durchweg gute Rückmeldungen, erinnert sich Padar. Doch leider sei das Projekt nach einem Jahr nicht verlängert worden. Seit er eine Künstleragentur gefunden hat, geht es mit der Schauspielerei bergauf.

Seinen Migrationshintergrund sieht er im Bezug auf seine Arbeit sehr differenziert. Einerseits gebe es zwar immer wieder Rollenangebote, doch werden da oft halbstarke, in Richtung Kriminalität gehende Charaktere gesucht. „Man muss echt aufpassen, um als jüngerer Schauspieler nicht allein auf dieser Schiene festgelegt zu werden“, sagt Padar. Um sich verschiedene Rollen offen zu halten, müsse man da auch mal ein Angebot ablehnen.

Das sei gar nicht so leicht, denn als Schauspieler stehe man die meiste Zeit in Kontakt zu Hartz IV. Eine interessante Erfahrung war zuletzt auch ein mehrwöchiger Aufenthalt in Istanbul: „Dort werden ständig rund 500 TV-Serien produziert“, berichtet Padar. Der Markt sei, im Vergleich zu Deutschland, wirklich riesig. Dort habe er auch mehrere türkische Kollegen getroffen, die ihm geraten haben, sein Glück in der Heimat seiner Eltern zu versuchen. So reizvoll das auch sein mag, zunächst möchte er hier weiter ins Geschäft kommen. Denn wenn man nicht gebucht sei, sei das Leben hier wie dort bedrückend.

„Wer mal die Gagenhöhe von prominenten Kollegen hört, der meint, Schauspieler schwimmen im Geld“, schildert der Nachwuchs-Darsteller ernst. Doch selbst wenn sich die Tagesgage enorm anhöre, so wisse man nicht, ob man in sechs Monaten nur fünf Tage gebucht werde. Darüber hinaus sei man darauf angewiesen, selbst für seine Kranken- und Rentenversicherung zu sorgen.

Wenn er nicht dreht, widmet er sich Drehbüchern und seiner alten Liebe: der Musik. Momentan arbeitet Padar, der früher sowohl alleine als auch mit einer Clique Hip-Hop und Rap-Musik gemacht hat, seinem zweiten Album. Die Texte schreibt er selbst und produziert auch seine und die Musik anderer Kollegen.

Den größten Eindruck bei der gemeinsamen Arbeit habe bislang Annette Frier auf ihn gemacht: Die preisgekrönte Schauspielerin sei immer hundertprozentig konzentriert und freundlich.

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