Magnetangeln als gefährlicher Trend: „Schatzsucher“ schädigen Ökosystem Fluss und heben Weltkriegsmunition

Gefährlicher Fang: An Magneten bleiben Gegenstände aus Metall – etwa alte Schrauben, aber auch Weltkriegsmunition – hängen.
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Gefährlicher Fang: An Magneten bleiben Gegenstände aus Metall – etwa alte Schrauben, aber auch Weltkriegsmunition – hängen.

Das Angeln mit Magneten nach Metall, das im Fluss gelandet ist, ist auch in Hamm und dem Kreis Unna ein Trend. Ganz ungefährlich ist das aber nicht.

Hamm/Kreis Unna – Immer mehr Menschen möchten sich für die Umwelt einsetzen und Schrott aus den Flüssen holen – eigentlich eine gute Idee. Einige sind zudem neugierig darauf, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt und gehen auf Schatzsuche. Doch für das Leben unter Wasser kann das in einer Katastrophe enden. Und je nach „Fang“ kann es auch für den Angler selbst lebensgefährlich werden.

„Wenn ein schwerer Magnet von einer Brücke geworfen wird, sieht der Angler nicht, wo er hinfällt. Und wird der Magnet mit anhaftenden Metallteilen einige Meter durch das Flussbett gezogen, wird das Flussbett und alles, was dort liegt, durchpflügt“, warnen die Experten vom Fachbereich Natur und Umwelt beim Kreis Unna. Am Boden lebende Tiere können verletzt oder getötet, schädliche Sedimente aufgewirbelt und Pflanzen zerstört werden.

Magnetangeln mit rechtlichen Fragen

Ein genauer Blick in das Gesetzbuch zeigt außerdem: Werden feste Stoffe wie Fahrräder, Tresore oder Schilder aus dem Gewässer entnommen, muss eine Genehmigung von der Umweltbehörde her. Zudem dürfen viele Bereiche an den Ufern entlang der Flüsse gar nicht oder nur eingeschränkt betreten werden, weil es sich beispielsweise um Naturschutzgebiete handelt.

Werden alte Münzen, Helme oder andere archäologisch interessante Gegenstände gehoben, müssen rechtliche Fragen geklärt werden, es gibt eine Meldepflicht. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Magnetangler auch die ein oder andere Schusswaffe aus dem Fluss ziehen“, warnt der Fachbereich Natur und Umwelt. Wer damit falsch umgeht, riskiert sein Leben. Immer wieder werden rostige Gewehre, Granaten oder Munition aus dem zweiten Weltkrieg in den hiesigen Gewässern gefunden.

In Hamm war das zuletzt im Juli 2019 der Fall, als Menschen, die vorgaben, in der Lippe zu schwimmen und zu schnorcheln, zwei Granaten fanden. Nur Waffenexperten können einschätzen, ob davon noch eine Gefahr ausgeht oder nicht.

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