Neue Serie: Was braucht Herringen?

Herringer Radfahrerin: Viele Radwege nicht sicher, einige sogar „Mangelhaft“

Lkw donnern an den Radfahrern vorbei: Eine glatte „5“ hat Bärbel Flamme-Planke dem Radweg in Höhe Jahns gegeben. Das Problem hier ist die viel befahrene Dortmunder Straße.
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Lkw donnern an den Radfahrern vorbei: Eine glatte „5“ hat Bärbel Flamme-Planke dem Radweg in Höhe Jahns gegeben. Das Problem hier ist die viel befahrene Dortmunder Straße.

In Herringen fährt kaum einer Rad - wohl auch, weil viele Wege in einem schlechten Zustand sind. Gibt es Lösungen dafür? Wie kann eine Verkehrswende gelingen? Diskutieren Sie mit (Formular in diesem Artikel)!

Herringen – Bärbel Flamme-Planke ist eine leidenschaftliche Radfahrerin. Jedes Jahr legen sie und ihr Mann Herbert Planke 5000 bis 7000 Kilometer mit dem Fahrrad zurück, etliche davon in ihren Urlaubsorten. Auch in Herringen und Umgebung sind die beiden viel mit dem Rad unterwegs – nach Möglichkeit jeden Tag. Dabei ist das Radfahren in ihrer Heimat nicht immer ein Vergnügen. „Es ist nicht alles schlecht, aber auch sehr viel verbesserungswürdig. Teilweise sind die Radwege auch sehr gefährlich.“

Ihre Wege legen Herringer und Pelkumer zurück mit ...
... am Steuer ihres Autos52 Prozent
... als Mitfahrer im Auto11 Prozent
... zu Fuß17 Prozent
... mit dem Rad10 Prozent
... mit dem Bus7 Prozent
... mit der Bahn3 Prozent (Quelle: Verkehrsbericht der Stadt Hamm)

Radfahrerin verteilt Noten an Radwege: Drei Wege hält sie für „Mangelhaft“

Vor zwei Jahren hatte sich die Rentnerin die Mühe gemacht, 20 Radwege in dem Stadtbezirk in Hamm abzufahren und zu bewerten. Am Ende kam dabei die Gesamtnote 3,2 heraus. Und daran dürfte sich bis heute, so Flamme-Planke, kaum etwas geändert haben. Insgesamt vergab die 69-Jährige einmal eine 1, sechsmal eine 2, viermal eine 3, sechsmal eine 4 und dreimal eine 5. Am besten schnitt der Lippepark ab: „Überall gute Fahrradwege, sehr breit, genug Platz für Fahrräder und Fußgänger. Sehr gut zu fahren mit kleinen Kindern, etwas anspruchsvoll mit Steigungen und Abfahrten“, so lautet ihr Urteil.

Ganz anders die Situation im Ortskern. Der „wohl gefährlichste Fahrradweg in Herringen-Mitte“ befindet sich an der Dortmunder Straße zwischen der Neufchâteaustraße und der Fangstraße. Nur durch eine Linie abgetrennt, müssten Radfahrer, darunter auch viele Schulkinder, neben Pkw und Lkw fahren. Immerhin: Die Stadt hat das Problem erkannt und in den Haushalt 2021 92.500 Euro eingestellt. Mit dem Geld soll der „Radweg“ auf der südlichen Seite saniert beziehungsweise verlängert werden. Für die Nordseite in Höhe Jahns hat die SPD schon vor Jahren vorgeschlagen, den Graben zu verrohren und dort einen Radweg anzulegen.

Radfahrer müssen ohne Schutz auf Seitenstreifen fahren: „Lebensgefahr“

„Lebensgefährlich“ ist aus Sicht von Bärbel Flamme-Planke und anderer Radfahrer wie Silke Berkemeier der weitere Verlauf der Dortmunder Straße bis nach Sandbochum. Ohne Schutz vor den schnellen Pkw und Lkw müssten Radler auf dem Seitenstreifen fahren. Oft werden diese sogar zugestellt, sodass sie auf die Straße ausweichen müssen. „Berufstätige und Kinder begeben sich hier in Lebensgefahr“, sagt Flamme-Planke.

Die dritte 5 gab sie dem Radweg an der Fangstraße zwischen der Holzstraße und der Kamener Straße. Auch hier gebe es keinen separaten Fahrradweg, lediglich einen Schutzstreifen. Hier herrsche ebenfalls starker Verkehr –und das alles bei Tempo 70. Als erfahrene Radfahrerin hält die Rentnerin auch nicht viel von dem nur durch eine Linie von der Fahrbahn abgetrennten Radfahrer-Schutzstreifen. Er suggeriere den Radlern Sicherheit. „Die gibt es aber nicht“, sagt sie. Auch der ADFC bewertet die Radwege in Hamm nicht mehr so positiv wie früher. Vor wenigen Tagen kam in Hamm ein Radfahrer ums Leben.

Probleme auf vielen Radwegen: Mal fehlt es an Licht, mal ist der Weg uneben

Auch auf vielen anderen Radwegen gibt es Probleme. Mal ist es die fehlende Beleuchtung wie auf der ehemaligen Zechenbahntrasse, mal sind es Unebenheiten durch Baumwurzeln wie an der Hafenstraße zwischen der Metro und der Radbodstraße. Ein Problem an vielen Stellen sind auch Autofahrer, die „zu schnell fahren oder Radfahrern gegenüber rücksichtslos sind“, wie sie sagt. Als Beispiel nennt sie erneut die Neufchâteaustraße.

Aus den genannten Gründen kann Flamme-Planke gut verstehen, dass Berufstätige die „Radwege“ an den Hauptverkehrsstraßen meiden. „Sie können, anders als wir, keine Umwege über wesentlich besser ausgestattete Wege fahren.“ Denn auch die gebe es, beispielsweise im Sundern, an Lippe und Kanal oder im Bereich der Halden. Sie seien alle sehr schön zu fahren und führten teilweise durch ein Naturschutzgebiet. Aber auch Radwege im Ortskern kommen gut weg, beispielsweise an der Dortmunder Straße zwischen Herringer und Radbodstraße: „Beidseitig Fahrradwege. Bewertung: Note 2“ heißt es kurz und knapp.

Weiteres Problem: Viele Radwege sind sehr matschig

Auf einigen ihrer Lieblingsradwege in der Natur hat das bislang nasse Jahr 2021 teilweise ein Problem zu Tage geführt – es ist Flamme-Planke in den beiden letzten weitgehend trockenen Jahren nicht so sehr aufgefallen. „Viele Radwege sind matschig.“ Es habe sich aber auch etwas getan. Im Februar sei die Verbindung von der Funkelandstraße zum Zechenweg neu asphaltiert worden.

Die engagierte Radfahrerin hofft, dass die Ampel-Koalition ihren Worten Taten folgen lässt und das Radwegnetz ausbaut beziehungsweise die vorhandenen Radwege verbessert. Alles andere wäre eine Enttäuschung. Unterstützt wird sie in ihrem Anliegen vor allem von den Grünen und dem ehemaligen Bezirksvertreter Dr. Carsten Grüneberg. Im Wahlkampf hatten sie „ihre Tour“ abgefahren und ebenfalls Mängel aufgedeckt.

Anteil der Radfahrer so niedrig wie in keinem anderen Bezirk

Aufgrund ihrer Erfahrungen wundert es die Rentnerin nicht, dass der Anteil der Radler am Individualverkehr in Herringen und Pelkum so niedrig ist wie sonst in keinem anderen Hammer Stadtbezirk: Er liegt bei gerade einmal zehn Prozent. Manchmal hilft, wie sie findet, ein Blick in die Nachbarschaft, genauer gesagt in die Stadt Unna. Dort seien Straßeneinmündungen, über die Radwege verlaufen, farblich gekennzeichnet worden. Dies seien sinnvolle Maßnahmen für mehr Sicherheit. „Und teuer sind sie auch nicht.“

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