Brot, Gemüse und Gartenabfälle gehören nicht auf Weiden

Schaf verendet: Giftige Gartenabfälle können tödliche Folgen haben

Sie schauen drein, als seien sie Pressetermine gewohnt ... Aus der Schaf- und Ziegenherde von Thomas Büttner in Schmehausen ist kürzlich ein Tier qualvoll verendet. Die Diagnose der Tierarztes: Es ist an Gift gestorben – möglicherweise an Blausäure aus gifthaltigen Gewächsen.
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Sie schauen drein, als seien sie Pressetermine gewohnt ... Aus der Schaf- und Ziegenherde von Thomas Büttner in Schmehausen ist kürzlich ein Tier qualvoll verendet. Die Diagnose der Tierarztes: Es ist an Gift gestorben – möglicherweise an Blausäure aus gifthaltigen Gewächsen.

Thomas Büttner ist sauer. Vor einigen Tagen kam er zur Weide in Schmehausen, auf der seine Schaf- und Ziegenherde weidete. Bereits von weitem sah er: Eins seiner Schafe lag auffällig da.

Uentrop – Er holte direkt den Anhänger heran und half dem zitternden Schaf auf den Hänger. Sein Eindruck: „Wenn mich nicht alles täuscht, ist das Tier vergiftet.“ Der hinzugezogene Tierarzt bestätigte seine Befürchtungen. Trotz der eingeleiteten Behandlung verendete das Schaf, das erst vor drei Monaten gelammt hatte, nach zwei Tagen. „Wenigstens kann das Lamm bereits ohne seine Mutter überleben“, sagt Büttner. Ein schwacher Trost, natürlich.

Doch was war passiert? Jemand, der sich über sein Handeln offenbar keinerlei Gedanken gemacht hatte, hatte seinen Grünabfall hemmungslos in die Natur abgeladen. Eben auf die Weidefläche, auf der Büttners Schafe und Ziegen ihr Futter finden. Solange die Pflanzen stehen, fressen die Tiere sie nicht. Liegen sie aber auf dem Boden und trocknen, sehen die Tiere sie als Futter an. Und wenn das dann zum Beispiel Eibe, Buchsbaum oder Lebensbäume sind, dann wird es gefährlich. Büttner: „Man kann sich merken, dass all diese dauergrünen Gewächse, aber auch die mit glänzenden Blättern wie der beliebte Kirschlorbeer, Blausäure enthalten. Diese hochtoxische Substanz führt zum qualvollen Erstickungstod.“

Vorsicht bei Tierfütterung

Und nicht nur diese illegal entsorgten Gartenabfälle seien gefährlich. Auch wenn gut meinende „Tierfreunde“ Brötchen, Brot und Gemüse unkontrolliert auf die Weide werfen, droht Gefahr. Während Schafe eigentlich wählerisch in der Auswahl ihres Futters seien, würden Ziegen grundsätzlich alles fressen, berichtet Büttner. Und dann genüge bereits ein wenig Schimmel, dessen Bakterien eine Listeriose auslösen können, um die erkrankten Ziegen zu töten.

Die Hirnhaut-Entzündung führt zu einem Krankheitsbild, das dem des BSE bei Rindern ähnelt. Das erkrankte Tier zittert, hält den Kopf schräg, beginnt im Kreis zu laufen, knickt immer wieder weg, bis es rudernd auf der Seite liegt und letztlich einen qualvollen Tod stirbt. Das wissen viele Fütterer nicht. Auch nicht, dass ein Schaf in Erwartung von Futter vor lauter Vorfreude durchaus einen Zaun niederreißen kann. Ein Lebendgewicht von rund 100 Kilogramm dann zu bändigen, gehört nicht zu den einfachsten Aufgaben.

Thomas Büttners Appell: Brot, Gemüse und Gartenabfälle haben auf einer Weide nichts zu suchen – egal, ob es gut gemeint ist oder gedankenlos geschieht.

Leinenpflicht und wenig Verständnis bei Hundehaltern

Den eigenen Hund jederzeit unter Kontrolle zu haben, sei eine weitere Disziplin, die nicht jeder Hundehalter beherrsche. Nicht umsonst seien Hunde anzuleinen, gerade in Schutzgebieten. Diese Leinenpflicht ist im Landesnaturschutzgesetz zur Sicherung der Europäischen Vogelschutzgebiete verankert und gilt vom 1. März bis zum 31. Juli. Der Grund. Durch freilaufende Hunde verlassen die Elterntiere das Gelege und damit auch ihre Jungen fluchtartig und diese werden dann leichte Beute etwa für Krähen, Elstern, Greifvögel, Marder und Füchse. Dabei muss der Hund nicht mal den Wildtieren nachstellen. Schon durch die Witterung zum Hund wird beim Wild der Fluchtinstinkt ausgelöst.

Thomas Büttner stößt nicht immer auf Verständnis, wenn er Spaziergänger auf diesen Umstand hinweist. Eine Dame, die die 70 Lebensjahre überschritten habe, habe kürzlich – so gar nicht ladylike – mit „Halt die Fresse“ geantwortet und Büttner übel beschimpft. Solche Umgangsformen seien mittlerweile durchaus üblich, hat Büttner festgestellt.

Umdenken für Natur- und Tierschutz nötig

Kein Verständnis hat er für solche Hundehalter, die ihre Lieblinge durch Schutzgebiete oder auch über Weiden toben lassen. „Sie verdrecken die Futterweiden und scheuchen Tiere auf, die in ihrem Lebensraum Ruhe und Sicherheit brauchen. Der Hundehalter pfeift seinen Hund herbei, der kehrt daraufhin bestenfalls zurück, hinterlässt allerdings ein Chaos.“

Mit Blick auf den gefährdeten Rotmilan (ein Bodenbrüter), der über uns kreist, warnt Büttner: „Ich bin bestimmt kein Ökofreak, aber ein Umdenken in Sachen Natur- und Tierschutz ist dringend erforderlich!“

Einige Tierfreunde schießen dabei wiederum übers Ziel hinaus. „Wenn ein Schaf humpelt, rufen solche Leute direkt das Veterinär- oder das Ordnungsamt an“. Dabei habe beispielsweise das Humpeln eine einfache Ursache: „Die Schafe treten sich schon mal trockene Erdklumpen zwischen die Klauen, die dann natürlich scheuern und schmerzen.“ Manchmal verlieren sie diese Klumpen von allein, manchmal muss der Schäfer Fußpflege betreiben. Dann werden die Klauen beschnitten und das Problem hat sich erst einmal erledigt. Wer ihn freundlich anspreche, dem erkläre er solche Sachverhalte sehr gerne, versichert Büttner.

Ein Ehepaar aus Rhynern ist davon überzeugt, dass hier ein Tierquäler sein Unwesen treibt. Die eigene Katze wurde schon mehrfach Opfer von den bösen Machenschaften.

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