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Schädlingsbekämpfer im Einsatz: Wenn Hornissen und Wespen vorm Kinderzimmer nisten

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Hornisse
Wussten Sie, dass die Hornisse auch eine Wespe ist? Sie gilt als die größte Vertreterin der Art und als friedfertiger als viele ihrer Verwandten. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Wer diesen Sommer bereits einmal länger draußen gesessen hat, wird es gemerkt haben: Es wimmelt oft nur so von Wespen. Meist ist das nur nervig, doch manchmal werden die Insekten zur Gefahr – wie bei einer Familie in Dinker. Dort haben sich die Tiere im Rollladenkasten eines Kinderzimmers eingenistet.

Hamm – In solchen Fällen muss ein Schädlingsbekämpfer ans Werk, zum Beispiel Ulrich Witzig. Er hat 15 Jahre Berufserfahrung und kümmert sich genau um solche Fälle. In diesem Jahr ist er besonders häufig im Einsatz, denn aufgrund des milden Frühjahrs wuchs die Wespenpopulation stark.

Witzig rät davon ab, ganze Nester selbst zu entfernen. „Zum einen sind Wespen geschützt, das heißt, Sie dürfen die Wespen gar nicht töten, da steht eine hohe Strafedrauf! Zum anderen ist es auch sehr gefährlich, ein Wespennest selber wegzumachen. Dort leben häufig 3.000 bis 5.000 Tiere. Die möchte man nicht verärgern“, sagt Witzig.

Seit 15 Jahren im Einsatz: Schädlingsbekämpfer Ulrich Witzig besprüht Nester, wenn sie entfernt werden müssen.
Seit 15 Jahren im Einsatz: Schädlingsbekämpfer Ulrich Witzig besprüht Nester, wenn sie entfernt werden müssen. © Robert Szkudlarek

Auch Hornissen sind eine Wespenart

Zu den Wespen gehören mehr Arten, als landläufig bekannt ist. Neben den beiden häufigsten Arten – der Gemeinen und der Deutschen Wespe – werden auch Hornissen oder Feldwespen zur Familie der Faltenwespen zugeordnet.

Nicht alle Arten seien gleich geschützt. In manchen Fällen darf der Schädlingsbekämpfer entscheiden, ob eine Gefahr für den Menschen besteht und er Nester entfernen darf. „Das ist häufig der Fall, wenn Kinder im Spiel sind, zum Beispiel auf Spiel- und Sportplätzen oder an Schulen. Aber gefährlich wird es natürlich auch, wenn Allergiker in der Nähe sind, dann muss das Nest natürlich weg.“

Genehmigung benötigt: Manche Wespenarten sind besonders geschützt

Dazu nutzt der Schädlingsbekämpfer ein Silikatpulver, welches mit einem Insektizid versetzt ist. Dieses wird in das Nest gesprüht und sorgt für den Tod der Tiere, dann kann das Nest anschließend beseitigt werden.

Es gebe aber auch Arten, die besonders geschützt sind. Dann braucht Witzig eine Genehmigung des Umweltamtes. Das ist zum Beispiel bei Hummeln, Hornissen und Feldwespen der Fall. Viele Menschen kennen den Unterschied nicht. Dass eine Genehmigung nötig ist, fällt deshalb häufig erst auf, wenn der Schädlingsexperte bereits da ist.

So war es auch bei der Familie in Dinker. Witzig fiel sofort auf: Es handelte sich um ein Hornissennest. Nun wartet er auf die Genehmigung des Amtes, bevor er das Nest vor dem Kinderzimmer entfernen darf.

Hornissennest vor Kinderzimmer: Keine große Gefahr

Allzu große Sorgen um die Gesundheit der Familie macht sicht Witzig aber nicht. Hornissen seien nicht besonders aggressiv. „Diese Tiere haben dennoch feste Flugbahnen, in denen man sie nicht stören sollte“, erklärt er. Störe man die Tiere nicht, seien Stiche selten. Dies gilt übrigens nicht für alle Wespenarten. So sei etwa die Deutsche Wespe aggressiver.

Trotz der Gefahr, die von den Tieren ausgehen kann, sind sie ein wichtiger Teil der hiesigen Ökosysteme. „Ich sehe in den vielen Wespen kein Problem“, sagt Jürgen Hundorf vom Nabu Hamm. „Im Gegenteil: Insektensterben hat schwerwiegende Folgen für unsere Ökosysteme. Wespen fressen andere Insekten, fressen Aas und werden aber auch gefressen.“ Auch Witzig meint, man solle die Tiere am Leben lassen – außer, wenn eine akute Gefahr von ihnen ausgeht.

Wespe im Auto

In manchen Fällen reicht schon eine einzige Wespe, um großen Schaden anzurichten. So verursachte eine Frau in NRW einen Unfall mit 50.000 Euro Sachschaden, weil sie versuchte eine Wespe aus dem Autofenster zu schlagen.

Von Mathis Rahmann

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