Gericht glaubt Angeklagtem nicht

Salzsäure-Angreifer muss in den Knast - Kritik an Hammer Polizei

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Die Prozessbeteiligten kritisierten die Ermittlungsarbeit der Hammer Polizei.

Hamm - Das Landgericht Dortmund hat einen 49 Jahre alten Mann in zweiter Instanz schuldig gesprochen. Die Richter waren überzeugt, dass er einen Hammer mit Salzsäure attackiert hat. In der Kritik steht in diesem Fall auch die Hammer Polizei.

Der Angeklagte hatte das bestritten. Die Richter am Landgericht glaubten ihm nicht. Sie verurteilten den Angeklagten aus dem fränkischen Eisingen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. In die Strafe einbezogen wurden zwei frühere Verurteilungen.

Die Richter halten den gelernten Maler und Lackierer für den Initiator und Mittäter des Angriffs. Weil eine Internetbekanntschaft den Franken zurückgewiesen hatte, drohte er Wochen vor der Tat: „Glaub mir, Schmerzen können furchtbar weh tun.“ Berufungsrichter Ludwig Brockmeier sagt: „Die Tat wurde quasi angekündigt!“

Verletzt hatten er und ein mittlerweile verstorbener Komplize einen Nachbarn der Frau - sie hatten die Hausnummer verwechselt. Sie gossen einem heute 53-Jährigen Säure ins Gesicht, als er die Haustür öffnete. Er erlitt massive Augenverletzungen und hat dreißig Prozent seiner Sehkraft eingebüßt. „Unser Haus gleicht jetzt Fort Knox. Wir haben aufgerüstet, hatten monatelang Angst, abends im Dunkeln die Tür zu öffnen“, erklärten das Opfer und seine Ehefrau als Zeugen vor Gericht.

Prozessbeteiligte kritisierten Ermittlungsarbeit

Die Prozessbeteiligten kritisierten auch die Ermittlungsarbeit der Hammer Polizei. So hätte man nach der Säureattacke schnell klären können, ob sich der Tatverdächtige, wie behauptet, zu Hause in der Nähe von Würzburg befindet. Auch sei der Tatort nicht umfassend fotografiert und das Handy des Tatverdächtigen nicht zeitnah ausgewertet worden.

Als wesentliches Beweismittel fungierte ein Schal, den einer der vermummten Angreifer zurückgelassen hatte. Auf ihm fanden sich DNA-Spuren des verstorbenen Mittäters, der damals im Haus des jetzt verurteilten Mannes wohnte.

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