Vom Malteser-Faust-Theater Hamm zur Schauspielschule

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Sabrina Bönig und Thomas Wehlau wollen Schauspiel-Profis werden. ▪

HAMM ▪ Bei Sabrina Bönig ist es ein Kindheitstraum, den sie verwirklicht, bei Thomas Wehlau ist der Wunsch im Laufe der Jahre gewachsen – und nun wird es für beide „ernst“: Ab Ende August besuchen beide die Schauspielschule.

Damit wollen sie das professionalisieren, was sie bereits seit Jahren im Malteser-Faust-Theater mit bemerkenswertem Einsatz praktizieren. Von Gisbert Sander.

„Wenn man in eine Rolle schlüpft, kann man dem Alltag entfliehen“, sagt die 29-jährige Bönig. Sie ist sich sicher, dass die Chancen als Berufs-Schauspielerin nicht schlecht sind, „wenn die Leidenschaft und der Ehrgeiz vorhanden sind.“ Als Realistin steht sie gerne mit beiden Beinen auf der Erde und hat darum gerade ihren Abschluss als Erzieherin am Elisabeth-Lüders-Kolleg gemacht.

Auch der 24-jährige Thomas Wehlau hat bereits eine Ausbildung – als Tischler – absolviert. Weil er im Faust-Theater mit derart viel Einsatz spielt, dass sein Rollenspiel auffällt, hätten ihn Bekannte immer wieder dazu gedrängt, an einer Schauspielschule vorzusprechen. „Die Idee musste erst reifen“, sagt er. Zum Entschluss beigetragen hat auch sein Engagement hinter der Bühne: Er hat zahlreiche Stücke des Faust-Theaters zusammen mit dessen Leiter Norbert Hagen umgeschrieben, weil es ihm wichtig sei, mit seiner Kunst auch politische Themen auszudrücken. Mit Erfolg: „Es ist schön zu erleben, wenn die Zuschauer anschließend noch lange über das nachdenken, was sie gesehen haben.“

Einen „hohen Anspruch“ attestiert auch Hagen Thomas Wehlau. „Dass wir heute vielleicht am Beginn einer neuen Karriere stehen, haben wir Norbert Hagen zu verdanken“, sagt Sabrina Bönig. Zuerst hatten beide die Schauspielschule Bochum im Visier, doch waren da die Vorsprechtermine schon vorbei. Dass sie nun am 27. August an der staatlich anerkannten Schauspielschule Siegburg anfangen, hat für sie mehrere Vorteile: Zum einen sei es eine kleinere Schule, die aber Wert auf sehr viel Praxis – mit entsprechend vielen Aufführungen – lege, zum anderen wollen beide gemeinsam mit dem Zug pendeln. Dass sie zu zweit sind, „gibt sicher viel Kraft und Halt“, sagt Sabrina Bönig. Thomas Wehlau freut sich schon auf die mindestens vier Produktionen, die in der vierjährigen Ausbildung auf ihn zukommen – und dass alle Sparten inclusive Film dort vermittelt werden. Für Bönig war besonders wichtig, dass in Siegburg auch Gesang und Tanz zum Kursprogramm gehören.

Und die Zukunft? Thomas Wehlaus Ziel ist es, Charakter-Darsteller zu werden – egal, ob auf der Theaterbühne oder im Film. Romy Schneider und Klaus Kinski sind seine Vorbilder. Und er möchte an Drehbüchern mitschreiben. Sabrina Bönig würde sich gerne im Filmbereich etablieren; sie nennt Audrey Hepburn und Meg Ryan als ihre Vorbilder.

Beide wollen auch dem Malteser-Faust-Theater erhalten bleiben – wenn es zeitlich einzurichten ist. Für Norbert Hagen ist aber klar, dass Hauptrollen nun doppelt besetzt werden müssen. Immerhin gebe es einige neue engagierte Darsteller – und sicherlich hätten Sabrina Bönig und Thomas Wehlau auch so etwas wie eine Vorbildfunktion. Allerdings müssten die „Neuen“ proben, proben, proben. „So weit zu kommen, war ein langer Lernprozess“, wissen Bönig und Wehlau.

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