Auch Radbod spielt eine Rolle

Bockum-Höveler will Bergbau auf Musical-Bühne bringen

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Die Geschichte des Bergbaus in NRW, mit Eindrücken der Zeche Radbod, soll auf die Bühne kommen.

Hamm - Unter Tage, auf der Bühne: Der gebürtige Bockum-Höveler Thomas Bonk plant ein Bergbau-Musical für das Ruhrgebiet.

Sie haben eine ganze Nation geprägt und ihr zum Wohlstand verholfen. Doch wenn Ende dieses Jahres die letzten beiden deutschen Steinkohlenzechen schließen, wird die große Zeit von Kohle und Stahl im Ruhrgebiet nur noch in Museen und den Erinnerungen der Bergarbeiter fortbestehen. Der gebürtige Bockum-Höveler Thomas Bonk bedauert dies sehr und hat sich mit seiner Produktionsfirma Chezz Media daher ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Mit einem Musical möchte er die „großartige Geschichte“ des Ruhrgebiets auf die Bühnen der Ruhrmetropole bringen – und das möglichst schon 2020.

Vor rund zwei Jahren reifte in Bonk, der seit 2002 in Hamburg lebt, die Idee für das „Ruhrgebiet Musical“. „Lieder und Texte sind fertig“, so der 50-Jährige, der noch regelmäßig in Hamm weilt. Aktuell sind Bonk und sein Team dabei, nach Unterstützern für das Projekt zu suchen, die

Thomas Bonk

vor allem die Produktionskosten in Höhe von rund 5 Millionen Euro tragen. Auch die Gründung eines Fördervereins sei in Vorbereitung, sagt Bonk. Zudem müsse noch ein passender Standort gefunden werden, an dem das Musical an sieben Tagen in der Woche vor bis zu 1 500 Zuschauern läuft – und das „mindestens drei Jahre lang“. Gespräche mit interessierten Kommunen habe es schon gegeben. „Ideal wäre es, wenn wir vor historischer Kulisse spielen könnten.“

Heinrich Robert hat besonderen Reiz

Und davon gibt es im Ruhrgebiet einige, angefangen von der Jahrhunderthalle in Bochum über die Zeche Zollverein in Essen bis hin zum Creativquartier Heinrich Robert in Hamm. Letzteres hat aus Sicht von Bonk seinen besonderen Reiz: 1901 begannen auf der damaligen Zeche de Wendel die Teufarbeiten. „Um das Jahr 1900 herum“ spielt auch ein Großteil von Bonks Musical – also zu jener Zeit, als Arbeiter aus dem Osten zu tausenden ins Revier strömten und die Menschen vor Ort den größten wirtschaftlichen und sozialen Umbruch ihrer Zeit erlebten. Man könne den Menschen im Ruhrgebiet nun zwar nicht ihre Arbeit zurückgeben, „aber wir können ihre großen Leistungen würdigen und für nachfolgende Generationen erhalten“.

Erinnerungen an Radbod-Katastrophe

Während ihrer Recherchen haben Bonk und sein Team „viele bewegende Momente“ erlebt. So erfuhr der 50-Jährige zum Beispiel, dass sein Urgroßonkel Ferdinand Bonk bei der Radbod-Katastrophe 1908 ums Leben gekommen ist. Eine Szene in seinem Musical sei daher in Anlehnung an dieses Unglück entstanden, erzählt Bonk. Um das Gefühl eines Bergmanns im 19. Jahrhunderts zu erleben, stieg das Team auch in die Grube „Graf Wittekind“ bei Dortmund hinab und erlebte, unter welchen Bedingungen die Menschen 1878 Kohle abgebaut haben. „Die Eindrücke und Emotionen, die ich dort erlebte, fanden unmittelbar Eingang in meine musikalische und künstlerische Arbeit.“

Bewegende Gespräche geführt

Im Stahlwerk Hattingen habe man mehr über die Arbeitsbedingungen an einem Hochofen erfahren. „Tief bewegt“ haben Bonk auch die vielen Gespräche mit den Bergarbeitern. „Unvergessliche Momente, in denen wir immer mehr zu der Überzeugung kamen, dass diese Geschichte für kommende Generationen festgehalten werden muss.“

Der Initiator ist davon überzeugt, dass das Musical eine „für das Ruhrgebiet und weit darüber hinaus große kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung haben wird“. Denn angesichts des Strukturwandels sei es notwendig, die Region kulturell und wirtschaftlich zu stärken und den Tourismus zu fördern.

Durch Musical 80 neue Arbeitsplätze

Sänger und Schauspieler, Orchester, Masken- und Bühnenbildner, Techniker: Thomas Bonk geht davon aus, dass durch das Musical selbst etwa 80 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit dem Projekt möchte er vor allem jungen Talenten eine Chance geben und weniger auf bekannte Musical-Stars setzen. Denn: „Der Star ist das Ruhrgebiet“, sagt Bonk.

Ideal wäre es aus seiner Sicht, wenn er die Rollen mit „Kindern des Ruhrgebiets“ besetzen könnte. „Denn sie können dann quasi ihre eigene Familiengeschichte spielen.“ Und dadurch dürften die Emotionen noch größer sein. Gleichwohl könne er sich vorstellen, Gastrollen mit prominenten Schauspielern aus dem Revier zu besetzen.

Der „sehr sportliche“ Zeitplan sieht vor, die Arbeiten für die Vorproduktion bis Ende 2018 abgeschlossen zu haben und ab 2019 in die konkrete Umsetzung zu gehen – mit möglichst viel Unterstützern. „Helfen Sie uns, auf diesem Wege ein kulturelles Highlight für das gesamte Land NRW und darüber hinaus entstehen zu lassen“, sagt der Initiator und Produzent des Projekts.

www.ruhrgebietmusical.de

Thomas Bonk: Aufgewachsen am Förderturm

Thomas Bonk, geboren 1967, ist im Schatten der Fördertürme der Zeche Radbod aufgewachsen. Der Abiturient des Galilei-Gymnasiums fand schon früh den Weg zur Musik. Mit 19 Jahre brachte er sein erstes Musical „Apocalypse 2002“ auf die Bühnen seiner Heimatstadt, unter anderem im Kurhaus.

Seine Zusammenarbeit mit internationalen Produzenten wie John Fryer (Depeche Mode) ebnete ihm in den 90er Jahren den Weg in viele Studios Deutschlands. Als Produzent, Komponist und Projektleiter folgten bald zahlreiche Produktionen aus Rock und Pop.

2002 verlagerte er seinen Aktionsradius nach Hamburg. Dort arbeitete er in den letzten Jahren überwiegend mit der lokalen Künstlerszene im Bereich von Pop und Jazz. Unter seinem eigenen Label Chezz Music veröffentlichte er zahlreiche internationale Künstler aus unterschiedlichen Genres, darunter die Musicalsängerin Betsy Miller, die mit „United“ 1996 einen weltweiten Hit landete.

Sein neues Werk über Kohle und Stahl ist eine Hommage an die Pioniere einer Epoche, die „uns die Zukunft geebnet haben“.

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