Zusammenhang mit Corona-Lockerungen?

Immer öfter Blaulicht in Hamm wegen nächtlicher Ruhestörung

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Zu einem Großeinsatz der Polizei wegen Ruhestörung kam es im Juni an der Oranienburger Straße.

Seit für Nordrhein-Westfalen die Lockerung gilt, dass sich in der Öffentlichkeit wieder Gruppen von bis zu zehn Personen treffen dürfen, nehmen die polizeilichen Einsätze in Sachen nächtlicher Ruhestörung in Hamm zu – und zwar ganz erheblich.

Hamm – Ein ursächlicher Zusammenhang kann zwar nicht belegt werden. Er liegt aber nahe: Die Hammer genießen offenbar die neu gewonnene Freiheit, etwa um Partys im Garten zu feiern, in vollen Zügen – und schlagen dabei, was den Lautstärkepegel betrifft, schon mal über die Stränge.

Auf WA-Anfrage hat die Polizei in Hamm eine Statistik vorgelegt, aus der die Einsatzzahlen in Zusammenhang mit einer Ruhestörung in Hamm für die Jahre 2017 bis 2019 sowie für das erste Halbjahr des laufenden Kalenderjahres hervorgehen. Nicht ungewöhnlich ist es demnach, dass die Polizei zur Jahresmitte (kurz vor den Sommerferien) deutlich intensiver damit beschäftigt ist, Menschen auf das Einhalten einer maßvollen Lautstärke hinzuweisen, als das in der kalten Jahreszeit erforderlich ist.

Im Zahlenwerk für das vergangene Jahr sind die beiden höchsten Werte den Kalenderwochen 25 und 26 zugeordnet, also dem Zeitraum Ende Juni: mit 120 beziehungsweise 115 Einsätzen.

Insofern ist es kaum überraschend, dass im selben Zeitraum nun auch für 2020 ein Anstieg festgestellt wurde. Erstaunlich ist aber das Ausmaß dieser Steigerung. 133 Einsätze gab es in diesem Jahr in Kalenderwoche 24 (Fronleichnamswoche), 130 waren es eine Woche später und gar 157 in der vergangenen Woche.

Im Vergleich zu jenen drei Juni-Wochen des Vorjahres (ebenfalls ab der Fronleichnamswoche) bedeutet das einen Anstieg der polizeilichen Einsätze bei nächtlichen Störenfrieden um 36 Prozent, im Vergleich zu den drei Wochen vor der Kontaktlockerung, die am 30. Mai in Kraft trat, gar eine Steigerung um 150 Prozent.

Einsatzzahl steigt um bis zu 150 Prozent

„Im Sommer gibt es generell mehr Ruhestörungen als in anderen Monaten, das ist unter anderem auf private Gartenpartys zurückzuführen. Auch Alkohol spielt dabei eine Rolle“, heißt es aus der Pressestelle der Polizei in Hamm. Die steigenden Temperaturen könne man insofern sicherlich als einen der Hauptgründe für die Entwicklung anführen. Auffällig sei aber in der Tat, dass die hohen Einsatzzahlen erstmals genau eine Woche seit der letzten Kontaktlockerung festzustellen und seither auf dem hohen Niveau geblieben seien. Über die vergangenen drei Wochen gab es demnach jeweils deutlich mehr Einsätze als in der einsatzintensivsten Woche des Vorjahres, erklärt die Polizei.

Zum Vergleich: Bis auf die Woche um Karfreitag (an jenem stillen Feiertag gehen traditionell viele Beschwerden bei der Polizei ein, diesmal waren es 108) lag die Zahl der Einsätze 2020 in der Vor-Corona-Zeit und während des strengen Lockdowns – also von Januar bis Mai – bei wöchentlich zwischen 22 und 71.

Auch ohne Corona hatte die Polizei 2018 und 2019 schon deutlich mehr Einsätze wegen Ruhestörungen als noch im Jahr 2017: Von 2 286 stieg die Zahl der Einsätze in den beiden Folgejahren auf 2696 beziehungsweise 2 623. Für die ersten sechs Monate 2020 liegt die Gesamtzahl der Einsätze mit 1 535 schon vergleichsweise hoch.

Ruhestörungen am Tag nicht nennenswert

Im Regelfall sind in dieser Statistik nächtliche Einsätze erfasst. Hintergrund: Grundsätzlich tritt der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) für die Verfolgung und Ahndung von Ruhestörungen im öffentlichen Raum auf den Plan.

„Die Polizei wird dann tätig, wenn die zuständige Ordnungsbehörde nicht verfügbar ist“, erklärt eine Polizei-Sprecherin. In Hamm sei dies zur Nachtzeit in der Regel so. „Zudem bittet die Ordnungsbehörde die Polizei regelmäßig um Amts- und Vollzugshilfe, wenn es sich um Ruhestörungen von größeren Gruppen, alkoholisierten, aggressiven Menschen oder Ruhestörungen aus Privatwohnungen handelt.“

Bei den Ruhestörungen, die tagsüber auf öffentlichen Plätzen gemeldet werden, die also im Zuständigkeitsbereich des KOD liegen, lasse sich derweil aktuell keine signifikante Veränderung feststellen, wie es aus der Stadtverwaltung heißt. „Da gibt es im Juni zwar immer mehr Fälle als im Winter, aber einen starken Anstieg im Vergleich zum vergangenen Jahr erleben wir nicht“, sagte ein Stadt-Sprecher auf Anfrage.

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