Besondere Schützlinge

Rudolf Kischkel hat ein „Krankenhaus“ für Fledermäuse

Schützling mit Pfleger: Rudolf Kischkel betreut aktuell 13 Fledermäuse in seinem Haus in Hamm Bockum-Hövel
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Schützling mit Pfleger: Rudolf Kischkel betreut aktuell 13 Fledermäuse in seinem Haus.

Seit dem vergangenen Jahr betreibt Rudolf Kischkel vom Naturschutzbund (Nabu) Hamm eine Auffangstation für verletzte und ausgehungerte Fledermäuse in seinem Haus. 46 Pfleglinge versorgte er im vergangenen Jahr, derzeit sind es knapp 20. Bewältigte er die Arbeit im vergangenen Jahr alleine mit Unterstützung von Sabia Simon, so hat er nun mit Stefanie Betgen, Sabrina Schreiter und Nancy Wittekamp weitere Unterstützerinnen gefunden.

Bockum-Hövel – Die Hochzeit der Fledermauspflege sind die Monate Juni und Juli, wenn die Babys kommen. Doch auch im Winter wurden Kischkel schon Tiere gebracht. „Eines wurde vor einer Pizzeria in Werne gefunden. Vermutlich wurde es in seinem Winterquartier aufgeschreckt und hat dann den Weg nach draußen gesucht. Ohne Hilfe hätte es keine Chance zu überleben, schon alleine weil es im Winter keine Insekten als Nahrung gibt“, sagt Kischkel.

In der Pflege hat er aktuell vom Baby, das es fast jede Stunde zu füttern gilt, bis hin zum erwachsenen Tier Exemplare von vier Arten: braunes Langohr, Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus und einen Kleinabendsegler – eine kleine Sensation, wie er sagt. Denn diese Art sei eigentlich Waldbewohner, aber vor einem Fledermausquartier in einem Gebäude gefunden worden.

Hilfe bei einer Fehlgeburt

„Die meisten Tiere, die gebracht werden, sind unterernährt oder dehydriert“, sagt Kischkel. Er untersucht sie zunächst nicht nur auf Verletzungen, sondern auch auf Parasiten. Er hatte auch schon Fälle von Flügelbrüchen, aber auch Tiere, die vermutlich durch Katzen gebissen wurden. Einmal sei sogar eine Rauhautfledermaus mit einer Fehlgeburt dabei gewesen. „Das tote Baby war im Geburtskanal stecken geblieben, und nur ein Flügel schaute heraus“, berichtet Kischkel. Natürlich habe er hier nicht alleine gehandelt, sondern wie bei den meisten verletzten Tieren ärztliche Hilfe gesucht. „Wir konnten die Mutter retten und sie nach einigen Tagen wieder auswildern“, so Kischkel. Insbesondere dankt er der Tierärztin Heike Gümmer für die Unterstützung.

Untergebracht sind die 13 Tiere, die Kischkel derzeit betreut, im Dachgeschoss seines Hauses, die weiteren bei seinen Mitstreiterinnen. Kischkel selbst hat vier Flugzelte aufgestellt. Wenn die Tiere noch sehr klein sind, füttert er sie mit Aufzuchtmilch für Hunde und Katzen. Das sei nicht ganz einfach, denn sie seien diese Nahrung ja nicht gewohnt. „Da muss man sehr viel Geduld haben und auch die nötige Ruhe mitbringen. Sonst funktioniert es nicht“, sagt Kischkel. Diese ganz jungen Tiere fasst er auch mit der bloßen Hand an. „Sie brauchen die Wärme und den Kontakt, den sie sonst, wie alle Babys, von der Mutter bekommen. Mit Handschuhen ist das nicht möglich.“ Ansonsten seien Handschuhe aus hygienischen Gründen aber unbedingt erforderlich.

Acht Minuten Flugzeit sind Minimum

Froh ist er über die Unterstützung seiner Mitstreiterinnen, denn am Anfang müssen die Babys fast stündlich gefüttert werden – auch nachts. Wenn sie größer sind, wird die Nahrung auf Mehlwürmer umgestellt. In den Zelten und einem der Räume können sie dann nach und nach Fliegen lernen. Ausgewildert werden sie, wenn sie sich mindestens acht Minuten durchgängig in der Luft halten können. Das sei ein Erfahrungswert. Spätestens im August müssen alle zurück in der Natur sein, sonst schaffen sie es nicht, alleine zu überleben, und bleiben Gäste in der Auffangstation bis zum nächsten Jahr. Natürlich können Kischkel und sein Fledermausteam nicht alle Tiere retten. „Manchmal sterben auch welche ohne ersichtlichen Grund“, bedauert er.

Gefährdet sind Fledermäuse aus seiner Sicht aus mehreren Gründen. Ein ganz wichtiger ist der Rückgang von fliegenden Insekten um rund 80 Prozent in den vergangenen 30 Jahren. Wer etwas für Fledermäuse – und auch für Vögel – tun wolle, solle daher artenreiche und blühende Wiesen anlegen, um den Insekten eine Nahrungsgrundlage zu geben.

Es gibt immer weniger Quartiere

Gefährdet seien Fledermäuse auch, weil die Gebäude immer dichter gemacht würden, um sie zu isolieren. So gebe es immer weniger Quartiere. Vor allem bei einer thermischen Sanierung müsse man darauf achten, Quartiere nicht einfach zuzumachen. Denn nicht nur die Tiere, sondern auch ihr Unterschlupf sei streng geschützt. Mit speziellen Fassadenbausteinen oder Fledermauskästen könne man die Tiere unterstützen, so Kischkel. Er selbst hat allein sechs Quartiere an seinem Haus und in seinem Garten.

Kontakt: Telefon 0176/47548115, Mail: rudolf.kischkel-fledermaushilfe-hamm@web.de. Rudolf Kischkel wird auch beim Fledermausfest des Nabu am 28. August ab 18 Uhr im Maxipark dabei sein.

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