Ruderclub-Gastronomen leiden unter Corona und Baustelle

Gastronomie des Hammer Ruderclubs
+
Anja und Wolfgang Sommer betreiben die Ruderclub-Gastronomie.

Anja und Wolfgang Sommer sind erfahrene Gastonomen und leiden nun, im zehnten Jahr als Betreiber der „Gastronomie am Ruderclub“, gleich doppelt: Sowohl die Corona-Pandemie als auch die Lippeauen-Baustelle sind Gift für ihr Geschäft. „Wir haben ja viel Erfahrung in der Gastronomie, aber so eine Zeit mussten wir auch noch nicht durchstehen“, sagt Anja Sommer.

Hamm - Das Gastronomen-Paar kennt sich nach Jahrzehnten in der Branche bestens aus: In Sommers Parksauna in Uentrop, den Overberg-Stuben oder dem Anno 03 in Bockum-Hövel waren sie bereits erfolgreich. Als sie dann die Gelegenheit erhielten, die Gastronomie am Ruderclub zu übernehmen, sagten sie gleich zu. „Das Miteinander mit dem Verein war von Beginn an hervorragend und als öffentliche Gaststätte gelang es uns auch bald, einen weiteren Kundenkreis zu erschließen“, so die Pächterin.

„Am Rosenmontag 2019 begannen unsere Sorgen jedoch“, erinnert sich Wolfgang Sommer. Da wurde auf Höhe des Deichs mit den Bauarbeiten zur Lippeauen-Renaturierung begonnen. „An dem Tag hatten wir hier eine Hochzeit und die Bauarbeiter wollten die Gäste erst nicht durchlassen“, erinnert sich der Wirt. So sei er direkt zur Baustelle geeilt und habe die Lage aufgeklärt. „Wir müssen zwar immer wieder mit dem Bauleiter sprechen, aber zumindest passiert dann auch was“, so die Wirtin.

Die Lippeauen-Baustelle macht sich bemerkbar

Die Auswirkungen seien aber trotzdem spürbar: Das Bewegen der Erdmassen ab dem frühen Morgen habe sie nicht nur oft geweckt, die Blockade der Zufahrt durch Baumaschinen ließe sich nie ganz vermeiden und auch wenn die Radfahrer und Spaziergänger durchkämen, beschwerten sie sich oft über dreckige Räder und Hosen. „So ist schon 2019 unser Umsatz um 45 Prozent zurückgegangen“, sagt Anja Sommer. Die ruhige Zeit wollten die Gastronomen und der Verein dann nutzen, um die Gaststätte umfassend zu sanieren.

„Damit waren wir vom 20. Januar bis zum 20. Februar vollauf beschäftigt und hatten das Lokal komplett geschlossen“, so Wolfgang Sommer. Der Erfolg lag auf der Hand: Die Gastronomie lief sofort gut an und die Gäste strömten in das nun helle, freundliche Lokal. Doch mit dem Corona-Lockdown am 16. März stand den Wirtsleuten der nächste Schock bevor. „Grundsätzlich hatten wir bei der Lage ja auch volles Verständnis“, erinnert sich der Gastronom. Der eigentliche Schreck kam dann bei der Berechnung der Hilfen.

November-Hilfe im Februar ausgezahlt

„Die 9000 Euro Soforthilfe kamen gleich“, so die Wirtin. Doch dann trug der Steuerberater die schlechte Nachricht vor: „Die Höhe der Hilfe richtet sich nach dem Umsatz des vergangenen Jahres – und da haben die Renovierung und die Baustellen-Situation voll durchgeschlagen“, sagt Anja Sommer. Die Auszahlung der November- und Dezember-Hilfen habe zusätzlich noch einmal bis Mitte Februar gedauert. „Einige Kollegen warten bis heute auf die abschließende Zahlung“, zitiert die Gastronomin den Deutschen Hotel und Gaststättenverband (DEHOGA).

„Überhaupt hat sich die DEHOGA von Beginn an super engagiert“, lobt Wolfgang Sommer. Eine große Hilfe erfuhren die Gastronomen auch vom Ruderclub selbst: „Ob es um die Pacht, den Besuch zwischen den Lockdowns, oder das Bewerben der Außer-Haus-Speisen samstags und sonntags geht, der Club steht voll hinter uns“, sagt Anja Sommer. Der Speisenverkauf, wie aktuell Leckereien mit Spargel, sorge zumindest für einen Grundumsatz und das Gefühl, etwas zu tun zu haben.

Gleich drei abgesagte Kommunion-Feiern

„Im vergangenen Sommer war die Regierung aber zu optimistisch“, beklagt der Gastronom. Da sei politisch wenig passiert, während sie sich an ihr Hygiene-Konzept hielten: „Meine Hände waren schon kaputt, aber sobald Gäste einen Tisch verlassen haben, bin ich hin, habe den Meldezettel weggenommen und alles desinfiziert“, so die Gastronomin. Passiert sei da niemandem etwas, weder bei ihnen, noch bei den Kollegen. Der zweite Lockdown ab Ende Oktober habe sie dagegen gleich drei abgesagte Kommunion-Feiern gekostet. „Dabei kann bei uns, im kleinen Rahmen und an frischer Luft, eigentlich nichts passieren“, sagt Anja Sommer.

Auch bei der aktuellen Überbrückungshilfe sehen die Gastronomen nur Fragezeichen: „Da sollen wir schätzen, wie viel Umsatz wir machen“, so die Gastronomin. Das liege aber auch am Wetter und an der Baustellensituation. Sollten sie entsprechend ihrer Schätzung aber zu viel Umsatz machen, so müssten sie alles erstatten. Nun hoffen sie, mit ihren Speisen am Wochenende zu punkten – und auf ein Ende von Pandemie und Baustelle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare