1. wa.de
  2. Hamm

Rubin Lind zähmt die Löwen: 700.000 Euro für Start-up aus Hamm

Erstellt:

Von: Cedric Sporkert

Kommentare

null
Rubin Lind überzeugte die "Löwen" mit seiner App. © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Hamm – Rubin Lind aus Hamm ist nicht nur ein gefragter Jungunternehmer. Der 20-Jährige gibt auch einen passablen Raubtierdompteur ab – zumindest im übertragenen Sinne. Er überzeugte am Dienstagabend fünf Unternehmergrößen in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ auf Vox von seiner Lern-App „Skills4School“.

So sicherte er sich 700.000 Euro als Investitionssumme für sein im Hamtec ansässiges Unternehmen. Dabei kam es zu einem denkwürdigen Moment in der TV-Show, die von mehreren Millionen Zuschauern verfolgt wurde.

Lind trat in der Show, deren sechste Staffel gestern startete, ganz am Ende der Episode auf und beeindruckte mit einer souveränen Vorstellung. An einem überdimensionalen Smartphone präsentierte er seine App und testete gleich mal das Anatomie-Wissen der „Löwen“.

Thelen löchert Lind mit "bösen Fragen"

Nach der Erklärung seiner App vor der „Löwen“-Jury waren erst einmal alle fünf interessiert. Besonders Tech-Investor Frank Thelen hatte sich während des Vortrages fleißig Notizen gemacht. Er forderte Lind dann auch – wie er selbst es nannte – mit „echt bösen Fragen im Technik-Bereich“ heraus. Der 20-Jährige blieb trotz Kritik an seinem veralteten Server-System (Thelen: „Fast aus den 1980er Jahren“) gelassen.

„Hammer, hammer, hammer Auftritt“, lobte Handels-Unternehmer Ralf Dümmel. „Du bist ein geiler Typ.“ Trotzdem verabschiedete er sich schon vor dem finalen Poker um die Firmenbeteiligung, weil er nicht mit der passenden Expertise für die Weiterentwicklung von „Skills4School“ aufwarten konnte. Genauso wie Unternehmer Nils Glagau.

null
Noch in der Schulzeit startete Rubin Lind das App-Projekt. © Rother

Blieben also noch Thelen, der Medieninvestor Georg Kofler und Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer. „Wir suchen die Stecknadel im Heuhaufen und ich habe lange Zeit das Gefühl gehabt, du könntest das sein. Für einen 19-Jährigen so weit zu sein, habe ich in Deutschland noch bei keinen Gründer erlebt.“, sagte der 60-Jährige.

Poker um Unternehmensanteile

Trotz des überschwänglichen Lobes wollte im entscheidenden Moment aber keiner der „Löwen“ anbeißen. Die veraltete Technik und die eigene Bewertung der Firma weckten Zweifel. Im Moment macht zudem Lind noch rund 17 000 Euro Verlust im Monat. Er war dazu nur bereit, 14 Prozent der Unternehmensanteile abzutreten. Zu wenig für die erfahrenen Geschäftsleute. Die wollten – Maschmeyer und Kofler hatten sich inzwischen zu einem Tandem zusammengeschlossen – 30 Prozent haben.

Für 700.000 Euro: Hammer wagt sich in die "Höhle der Löwen"

Der Hammer stellte dann immerhin 25 Prozent in Aussicht, auf 28 – das letzte Angebot – wollte er nicht erhöhen. „Wegen der drei Prozent willst du jetzt absagen?“, fragte Maschmeyer ungläubig. „Sensationell.“ Lind blieb hart, lehnte den „Deal“ ab, verabschiedete sich und verließ das Studio.

Lind beeindruckt - Novum bei "Die Höhle der Löwen"

Das imponierte so sehr, dass sich die „Löwen“ schließlich doch dazu hinreißen ließen, ihre Meinung zu revidieren. „Das gab es auch noch nicht, dass die Löwen einem Gründer hinterherlaufen und sagen: ,Komm noch einmal wieder‘“, sagte Maschmeyer. Am Ende einigten sich die beiden Investoren und Lind auf 25,01 Prozent. Die „Löwen“ waren gezähmt.

Nach dem Dreh setzten sich Lind und seine neuen Partner sofort zusammen. Nachverhandelt wurde nicht. Nur die Zahlen, die der Hammer in der Show genannt hatte, wurden überprüft. „Das zieht sich alles. Wir sind noch in der Abstimmung. Die Investoren sichern sich ja – verständlicherweise – bis auf den Tod ab“, sagt Lind.

Wachstum im Fokus

Noch im September rechnet er nun aber mit dem Geld. Um weiter durchstarten zu können. „Wir wollen skalieren, uns geht es um Wachstum“, sagt der 20-Jährige. Er will nun mehr Personal einstellen. Entwickler und Produktmanager. Aber auch Marketingkräfte. Die dürften nach dem Auftritt gestern Abend wohl Schlange stehen – denn Lind überzeugte vermutlich nicht nur die „Löwen“ von seinen Ideen.

Auch interessant

Kommentare