„Roter Teppich“ für Fahrradfahrer - wie in Münster

Nach Ärger an der Heithofer Allee: Grünen wollen rote Fahrradstraßen

Die Grünen in Hamm wollen rote Fahrradstraßen wie in Münster Auftakt könnte die Heithofer Allee in der Mark sein
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Ein „roter Teppich“ für Radfahrer auf der Heithofer Allee: Ganz so knallig rot wie auf der Fotomontage der Grünen wird die Fahrbahn sicherlich nicht. Aber Reinhard Merschhaus (von links), Petra Grünendahl und Anja Ribbert stellen damit überdeutlich klar, dass sie nach dem Vorbild Münsters eine optimierte Kennzeichnung von Fahrradstraßen in Hamm wollen

Münster hat sie, und wenn es nach den Grünen geht, bekommt Hamm sie auch: die roten Fahrbahnen für Fahrradstraßen. Sie machen den Autofahrern deutlich, dass hier die Radfahrer Vorrang haben. Auftakt könnte auf der Heithofer Allee sein.

Mark – Die Grünen sehen rot. In diesem Fall weniger politisch, auch wenn es zur Ampelkoalition passt, sondern vielmehr verkehrstechnisch. Nach neuerlichen Beschwerden von Anwohnern der Heithofer Allee über die Verkehrssituation auf der Fahrradstraße erkennen sie „dringenden Handlungsbedarf“. Rot sehen sie dabei, weil sie nach Münsteraner Vorbild die Fahrbahn in der Signalfarbe kennzeichnen wollen. So werden Autofahrer permanent auf die Fahrradstraße hingewiesen, auf der die Radfahrer Vorrang haben und allenfalls bis zu Tempo 30 gilt.

Die Reaktionen auf unsere jüngste Berichterstattung über die verzweifelte Lösungssuche und Forderungen von Anwohnern des Hauses Ecke Wittmannstraße ließen nicht lange auf sich warten. Sie mussten sich unter anderem den wenig hilfreichen Vorwurf gefallen lassen, dass die Verkehrssituation doch schon beim Hausbau oder Wohnungskauf ersichtlich gewesen sei.

Viele Gespräche über Heithofer Allee in der Mark

Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch (CDU) hat in den vergangenen Jahren an mehreren Ortsterminen teilgenommen und Gespräche mit Betroffenen geführt. „Was kann man denn noch machen?“, fragte er noch vor wenigen Tagen mangels umsetzbarer Alternativen. Eine Mehrfachbeschilderung ist wegen der als ausreichend geltenden Ausweisung der Fahrradstraße nicht erlaubt, eine Teilsperrung nicht umsetzbar. „Wir haben alles versucht, um zwischen Verwaltung und Bürgern zu vermitteln“, sagt Pförtzsch.

Vielmehr erkennt er hier ein für Tempo-30-Bereiche typisches Problem: Die Autofahrer halten sich einfach nicht an die Vorgaben. Hinzu kommt die Annahme, dass Autofahrer die Heithofer Allee gar nicht als Fahrradstraße erkennen.

Grüne: Mehr Sicherheit auf Fahrradstraßen

Hier setzen die Grünen der Ratsfraktion an. Nach dem jüngsten Zeitungsbericht machten sie sich ein Bild von der Situation. Die als Fahrradstraße ausgewiesene Strecke von der Marker Dorfstraße bis zum Papenweg weist ihren Beobachtungen nach einen „deutlichen Optimierungsbedarf“ auf. „Ziel einer Fahrradstraße sollte sein, dass Radfahrerinnen und Radfahrer schnell, komfortabel und vor allem sicher die Route von Haus zu Haus nutzen können“, nennt Ratsfraktionsvorsitzender Reinhard Merschhaus einen für die Grünen wichtigen Aspekt der Verkehrspolitik. Im Fall der Heithofer Allee erkennen sie gerade beim Aspekt Sicherheit dringenden Handlungsbedarf. Die Fahrradstraße wird von Autofahrern nicht nur als Verbindung zur Schule und LWL-Klinik genutzt, sondern auch als Durchgangsstraße und Umfahrung.

Weder an den Einmündungen noch auf der Straße selber sei eine deutliche Kennzeichnung als Fahrradstraße erkennbar, stellen die Grünen fest. „Die verschämt aufgebrachten Piktogramme am Straßenrand und in weitem Abstand, eine fehlende Gestaltung der Einmündungen und eine unauffällige Beschilderung laden angesichts der sanierten Fahrbahn zur autogerechten Nutzung dieser – eigentlich nur für Anlieger zugelassenen – Straße ein“, kritisiert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Petra Grünendahl.

Grüne fordern Fahrradstraßen-Konzept für Hamm

Ratsfrau Anja Ribbert schlägt eine generelle Rotmarkierung und große Piktogramme der Fahrradstraße nach dem Beispiel des Münsteraner Fahrradstraßen-Konzepts vor. Als Übergangslösung würden eine deutliche Kennzeichnung der Einfahrt und zentral aufgebrachte Fahrrad-Piktogramme helfen.

„Es muss endlich etwas passieren“, sagt Merschhaus. Dabei steht für ihn die Heithofer Allee beispielhaft für die notwendige Aufwertung von Fahrradstraßen nach dem Vorbild Münsters.

Rote Fahrradstraßen auch in Hamm

Dort werden die Fahrbahnen für Fahrräder rot gekennzeichnet. „Die Stadt hat dort ein Programm aufgelegt. Das schwebt mir auch für Hamm vor“, sagt er. Die Heithofer Allee könnte der erste Ansatz sein. „Der Ball liegt auf dem Eltmeterpunkt. Man muss ihn auch schießen.“ Die Grünen schlagen eine Überarbeitung der Fahrradstraßen vor.

Merschhaus verweist auf Gelder im städtischen Haushalt, die für solche Markierungsarbeiten vorgesehen seien. Ihren Vorschlag wollen die Grünen in die Koalition einbringen und für eine konkrete Umsetzung auf der Heithofer Allee Kontakt mit der Verwaltung aufnehmen. Sie hoffen, dass sich so die Situation für die Anwohner im Bereich Heithofer Allee/Wittmannstraße entschärfen lässt.

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