Rocky Horror Show begeistert Zuschauer im Kurhaus

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Schrill, bunt, laut und abgründig präsentierte sich The Rocky Horror Show in der Inszenierung des Westfälischen Landestheaters im Kurhaus. Die Besucher lieben das 40 Jahre alte Kultstück, und machten aktiv im Zuschauerraum mit.

HAMM - Sweet Transvestite, I Can Make You a Man oder der Time Warp sind absolute Kult-Songs aus dem Musical Rocky Horror Show. Diese Hits, ein kreatives Bühnenbild, tolle Darsteller und ebenso gute Musiker begeisterten am Samstag 580 Besucher im ausverkauften Kurhaus.

n der Mitte der Bühne stand der Ausschnitt einer Filmrolle. Darin befand sich eine Doppeltür, darauf saß das Lippe-Saiten Orchester unter der Leitung von Tankred Schleinschock, und die Ränder wurden, entsprechend des Handlungsorts, farblich beleuchtet. Ergänzt durch wenige Requisiten wurde hier stets eine passende Atmosphäre erzeugt. Gelegentlich kamen besondere Kniffe zum Vorschein: Als das Raumschiff startete, wurde links auf der Bühne mit Qualm und einer marionettenartig aufgehängten Teekanne der Start simuliert und als Film auf die Doppeltür übertragen. Das kam an, und auch die Schauspieler ernteten immer wieder Zwischenapplaus und Jubel.

Die skurril frivole Hommage, die der Schauspieler und Autor Richard O‘Brien an die Horrorfilme der 50er und 60er Jahre geschrieben und 1973 in London uraufgeführt hat, wurde vom Westfälischen Landestheater sehr gut in Szene gesetzt: Julia Panzilius hob ihre Rolle als liebende außerirdische Columbia mit wunderbaren Tanzeinlagen und herrlich schrägem Gesang förmlich empor, und Sophie Schmidt gab eine Magenta, die den Wechsel vom hübschen Anhängsel zu einer Hauptprotagonistin hervorragend bewältigte. Chris Murray spielte den Riff Raff selbst in der Stunde der Rache komisch anmutend, und Léon van Leeuwenberg begann als Frank‘n Furter erst etwas ruhig, zeigte dann aber, welches enorme Können in ihm steckt.

Typisch für die Rocky Horror Show ist auch das aktive Publikum: Echte Fans wissen, dass Zwischenrufe erwünscht sind, wer mit welchen Kommentaren bedacht wird und wann vom Publikum welche Requisiten eingesetzt werden. Wenn auch nur wenige Besucher in den typischen knappen Kostümen erschienen, so flogen von Szene zu Szene der Reis, der Toast, das Klopapier oder Spielkarten, und die Knicklichter und Feuerzeuge gingen auf den Punkt genau an.

Dieses Theaterstück, in dem es bei aller Schrägheit um den alten Konflikt von Gut und Böse geht, ist ein großes Happening. So zeigte sich auch das Hammer Publikum äußerst fachkundig und genoss das Stück mit allen Sinnen. Zum Abschluss gab es stehende Ovationen und erst nachdem Darsteller und Publikum gemeinsam noch einmal zwei Lieder gesungen und getanzt hatten, endete der Show-Abend. - pk

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