Viele Vorurteile

„Rockerbraut“ für einen Tag: Unterwegs mit den Hammer Bikern

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Gewalttätige Drogendealer auf zwei Rädern – dieses Bild hat sich bei vielen zum Stichwort Rocker eingeprägt. Gegen diese Vorurteile möchte die Biker Union (BU) angehen. Denn eigentlich verbindet die Männer und Frauen in den schwarzen Lederjacken nur eines: die Liebe zum Motorrad-Fahren.

Hamm - Es gilt einem gewaltigen Vorurteil entgegenzutreten. Oder auch entgegenzufahren. WA-Redakteurin Svenja Jesse hat sich einen Sonntag lang auf den Sattel geschwungen und die Rocker der Biker-Union begleitet. Sie ist Teil der traditionellen Sonntagsausfahrt.

Wir treffen uns am Morgen bei Jahns in Herringen. Hier sitzen die Rocker bei einem Kaffee zusammen und beobachten den Himmel. Es hat zu regnen begonnen. „Laut Wetter-App ist der Schauer in einer halben Stunde vorbei“, sagt Klaus-Peter Lauterberg, genannt „Mücke“. Leichter Regen hält die Motorradfreunde nicht von ihrer Ausfahrt ab, zu nass darf die Straße allerdings nicht werden. „Sonst rutschen wir weg“, erklärt er.

Heute ist die Gruppe zu zehnt, mit acht Motorrädern. „Manchmal fahren wir nur zu zweit, manchmal sind wir auch viel mehr. Das ist immer unterschiedlich“, erklärt Mücke. Er leitet den Hammer Stammtisch.

Nicht alle Rocker hören Rockmusik

Tatsächlich lässt der Regen nach und wir machen uns auf den Weg. Ich fahre bei Biker Ulf mit. Er fährt seit 1986 Motorrad und ist stolz auf seine silberne vn1700 Voyager Cruiser von Kawasaki. Während wir auf der Landstraße in Richtung Haltern am See fahren, dreht er sein Radio auf. Anders als erwartet, läuft hier keine harte Rockmusik, sondern eine Live-Aufnahme der Bee Gees. „Ich höre alles, was alt ist“, sagt er lachend. Dass alle Rocker Rock-Musik hören, ist also schon mal so ein Vorurteil, das wir streichen können. 

„Naja, ursprünglich kommt der Begriff ja auch von der Musikrichtung. Rocker waren Leute, die Rockmusik gehört haben, und häufig sind sie auch Motorrad gefahren und waren so gekleidet“, erklärt Uli, genannt „Tarkus“, als wir an einem Biker-Treff Halt machen. Auch er fährt schon seit rund 25 Jahren Motorrad.

Wir fahren ein Stück auf seiner Maschine, einer Susuki Intruder 1400. PS haben die Motorräder einige, gerast wird bei der Ausfahrt trotzdem nicht. Mit Tempo 70 bis 100 – je nach vorgegebener Geschwindigkeitsbegrenzung – fahren wir über Landstraßen durch das Münsterland.

Unterwegs mit den Bikern

Den Spitznamen „Tarkus“ hat sich der Biker selbst gegeben. „Das ist der Titel eine Platte meiner Lieblingsband. Ich brauchte damals einen Nickname für einen Chatroom im Internet und der Name ist dann geblieben“, sagt er. Er trägt ein rot-weiß-kariertes Hemd mit einer Jeansweste. „Das sieht zwar wie ein Flanellhemd aus, ist aber eine richtige Motorradjacke mit Protektoren“, erklärt er mir. Seine Weste ist mit verschiedenen Aufnähern bedeckt. Der größte in der Mitte zeigt einen Totenkopf und dazu die Worte „Live free, ride free“

Ähnliche Aufnäher sind auch auf den Jacken und Kutten der anderen zu finden. Sie zeichnen die Biker als freie Biker aus, die nicht zu einem Motorrad-Club gehören.

Die meisten Biker tragen schwarz

Dass alle Rocker kriminell sind, ist im Gespräch schnell widerlegt. „Wie überall gibt es auch bei den Bikern schwarze Schafe“, sagt Mücke. Dass die meisten Rocker schwarz tragen, liege übrigens daran, dass es pflegeleicht ist.

„Es gibt auch helle Motorradkleidung, aber die ist schnell fleckig und sieht nicht mehr schön aus“, erklärt er. Das Lieblingsgetränk der Rocker ist übrigens Kaffee. Am Wochenende darf es auch mal Bier sein, dann bleibt das Motorrad natürlich stehen.

Was macht die Biker Union?

Die Biker Union (BU) ist die Interessenvertretung aller Biker, Rocker und Motorradfahrer in Deutschland. Sie wurde 1986 gegründet. Die Biker Union ist im Gegensatz zu anderen Motorrad-Vereinigungen kein Club sondern ein eingetragener Verein. Der Verein organisiert sich in regionalen Stammtischen.

Internetseite der Biker Union

Der Hammer Stammtisch wurde im März 2003 gegründet. Aktuell treffen sich hier rund 25 Rocker zu regelmäßigen Ausfahrten und Treffen. Neben den gemeinsamen Aktivitäten sind die BU-Mitglieder aber auch politisch aktiv. „Wir gehen in die Ministerien und sprechen dort für die Biker“, sagt Vorstandsmitglied Dieter Schnabel. In sogenannten Bitumen-Rallyes fahren die Biker die Hammer Straßen ab und dokumentieren Gefahrenpunkte wie Asphaltaufbrüche und Bodenwellen.

Sternfahrt der Biker-Union ab Hamm nach Berlin

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