100 Handwerker- und Krämerstände

Ritter mit Rüstung und Handy: Erster Mittelaltermarkt in den Zentralhallen

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Spannende Vorführungen von Ritterduellen wie diesem kamen bei den Besuchern gut an.

Sie spielen es nicht, sondern leben es: Wenn die Fans des Mittelalters ihre historischen Gewänder und Roben anziehen, tauchen sie in eine ganz eigene Welt ein. Im 15. Jahrhundert spielte das muntere Treiben am Samstag und Sonntag bei der ersten Mittelaltermesse in den Zentralhallen.

Hamm – Rund 100 Handwerker- und Krämerstände sorgten für ein Markttreiben mit allerdings überschaubarer Besucherresonanz – zumal es eher Anhänger der Szene waren, als dass die Messe „normales“ Publikum anlockte.

Spaß hatten die Beschicker aber in jeden Fall. So wie Bruder Goswin, alias Christian Preuß. In seiner kleinen, aber authentisch und detailgetreuen Stube bot er ein Scriptorium an. Der historische Hintergrund: Hierin duplizierten die Scriptoren Texte. Dass sich diese Schreibstuben meist in Klöstern befanden, spiegelte sich auch an diesem Stand wider. Denn in der einen Hälfte seiner Bude war das Scriptorium untergebracht, in der anderen unter anderem ein Altar. „Ich biete den Besuchern eine Klosterdarstellung“, erklärte der Niedersachse. Zudem bot er an, Texte in der altdeutschen Schriftart „Fraktur“ zu schreiben, und er gab alte Weisheiten mit auf den Weg. Aber: Die Nachfrage am Samstag war gering. „Überschaubar“ nannte der Mittelalterfan den Besucherandrang.

Tierfelle und Bogenschießen

Dabei war das, was die Beschicker boten, sehr vielfältig. Neben allerlei Verkaufsständen unter anderem mit antik anmutenden Krügen, Waffen und Tierfellen sowie Kunstgewerbe gab es vor allem für Kinder viel zu entdecken. So konnten sich die Kleinen beim Bogenschießen ausprobieren oder an hölzernen Spielautomaten zocken.

Spaß hatten Kinder wie Erwachsene aber auch beim sogenannten Poi-Basteln an Stand von Widumavi, alias Silvia Heinz. Sie bastelte mit den Besucher kleine Säckchen, die sogar schon den Maori in Neuseeland als Bewegungstherapie dienten. „Auch heute noch ist es dort Tradition“, erklärte die Standbetreiberin. Schwierig war die Handhabung der Seilen schwingenden Säckchen. Je eins wurde mit jeder Hand herumgewirbelt – und zwar so, dass sie sich nicht in einander verfingen. Mit dem Besucherzuspruch war sie zufrieden. Dass der Markt in den Zentralhallen aber eher einen Messecharakter hatte, fand sie nicht ganz so schön. Aber: In einer Halle sei man dafür wetterunabhängig.

Authentizität nicht immer bis zum Schluss

Vorführungen mit Ritterduellen und Live-Musik auf der Bühne – unter anderem mit „Die letzten Ostgoten“ – rundeten das Programm ab. Dass die Mittelalterfreunde vieles davon mit dem Smartphone festhielten, war übrigens witzig anzuschauen. Denn bei aller Liebe zur Authentizität durfte das Handy doch nicht fehlen.

Das Fazit des Veranstalters fiel gemischt aus. Einerseits sei der Besucherandrang hinter den Erwartungen zurückgeblieben, andererseits sei man froh, dass in Zeiten des Coronavirus’ dennoch Besucher gekommen waren. Eine konkrete Besucherzahl wurde noch nicht genannt.

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