Große Sorgen, großer Dank

Ristorante Pizzeria „Lire“ kämpft sich durch die Corona-Krise

Stühle hochgestellt: Angesichts nur geringen Außer-Haus-Verkaufs geht es Papa und seinen Kollegen schlecht.
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Stühle hochgestellt: Angesichts nur geringen Außer-Haus-Verkaufs geht es Papa und seinen Kollegen schlecht.

Direkt neben der Friedenskirche in Hamm befindet sich das Ristorante Pizzeria „Lire“. Wer dort zu Gast war, wird sich an Mario Papa erinnern, der im Geschäft erster Ansprechpartner der Gäste ist.

Selmigerheide – Mario Papa ist aber nicht nur ein erfahrener Koch, sondern versteht es auch, bei jeder Gelegenheit für gute Stimmung zu sorgen. Wenn er aber an den Verlauf der Corona-Pandemie denkt, ziehen bei dem sonst fröhlichen Mann Sorgenfalten auf.

„Normalerweise sind wir ein Ristorante, bei dem wir unseren Kunden nicht nur gute Speisen, sondern ein echtes Erlebnis vermitteln“, sagt Papa. Das beginne mit typisch italienischen Speisen wie hausgemachter schwarzer Pasta, gegrillten Scampi und im Parmesanrad geschwenkten, flambierten Spaghetti für die große Runde, gehe dann über das gekonnte Anrichten der Speisen und ende im lebendigen Miteinander von Gästen und dem Personal. „Das gilt nicht nur bei uns im Restaurant, sondern auch beim Catering“, sagt Inhaber Luigi Papa.

Stolz zeigt der Koch auf seinem Smartphone-Videos, wie er mitten im Restaurant für eine große Gruppe von Gästen eine wahre Koch-Show liefert, während die Besucher begeistert zum Klassiker „Bella Ciao“ mitklatschen. „Wir sind immer für unsere Kunden da und reagieren flexibel auf deren Wünsche“, sagt Inhaber Luigi. So habe ein Unternehmer einmal gesagt, er solle sich wegen ihrer Weihnachtsfeier etwas einfallen lassen. Herumsitzen und gut speisen fänden gerade die jüngeren Mitarbeiter etwas langweilig. Also habe er mit seinem Koch Mario gesprochen. „Und kurzerhand gab es einen mehrstündigen Kochkurs mit größtem Unterhaltungswert, bei dem jeder ,seine’ Schürze und Kochmütze erhielt.“ Aus dieser Spontanidee sei zuletzt ein wahrer Renner geworden.

Erlebnisgastronomie: In Nicht-Corona-Zeiten macht Mario Papa, Koch des Ristorante Lire, gerne eine Show.

„Den weglaufenden Tieren tatenlos zuschauen“

„Wir haben uns hier in den vergangenen sechs Jahren etwas richtig Gutes aufgebaut“, sagt Luigi Papa. Doch zurzeit stelle die Situation eine echte Krise dar: „In Italien sagen wir, wenn Du einen Stall hast, musst Du die Tür schließen, bevor die Tiere wegrennen“, sagt der 47-jährige Koch, der aus dem süditalienischen Kalabrien stammt. Derzeit habe er das Gefühl, dass er gezwungen werde, den weglaufenden Tieren tatenlos zuzuschauen. Ob Miete, Strom, Personal oder Krankenkassen – überall werde Geld verlangt. Gleichzeitig bekomme er im Bezug auf die staatlichen Hilfen den Eindruck, dass man erst tot sein müsse, bevor geholfen werde.

„Die erste Soforthilfe von 9000 Euro kam wirklich schnell“, berichtet der Inhaber. Doch die solle nun zurückgezahlt werden und bei den anderen Hilfen, etwa aus November und Dezember, komme alles erst nach einem riesigen Verwaltungsaufwand und dann auch nur tröpfchenweise.

„Nun müssen alle in der Verwaltungsmühle verhungern“

„Auf Rückfrage, warum der ganze Aufwand sein müsse, erklärten uns die Beamten, dass bei der ersten Soforthilfe soviel betrogen worden sei“, berichtet der Koch, der über 30 Jahre Erfahrung verfügt. Da frage er sich, als verwaltungsmäßiger Laie, ob es denn so schwer sein könne, die entsprechenden Konten zu überprüfen. „Wir zahlen von unserem Konto seit nun sechs Jahren alle Steuern und Abgaben, da kann man doch die Bankverbindung einmal prüfen“, so Papa. Im begründeten Verdachtsfall hätte die Auszahlung dann ruhig länger dauern dürfen. Doch nun müssten alle in der Verwaltungsmühle verhungern.

Nicht nur ihm, auch den anderen Mitarbeitern gehe diese Zeit an die Nerven, berichtet der Koch. Vor einiger Zeit habe er einen Mitarbeiter getroffen und kaum erkannt: Dieser hatte plötzlich lange Haare und Bart. „Auf meine Rückfrage sagte er, dass er erst wieder zum Friseur gehe, wenn er wieder arbeiten dürfe“, so Mario Papa. Der Lieferdienst sorge bei ihnen derzeit zwar nicht wirklich für Einnahmen, doch immerhin haben er und wenige Mitarbeiter so etwas zu tun. Er wolle hoffen, dass alle diese Krise durchstehen und sich auch ganz herzlich bei allen Kunden bedanken. „Wenn die Pandemie endlich ein Ende hat, dann werden wir wieder ganz groß gemeinsam feiern“, verspricht Mario Papa.

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