Von Tünnen aus mit dem Rad um die Welt: Mathis Biermann radelt für einen guten Zweck

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Mathis Biermann aus Westtünnen befindet sich auf einer Weltreise mit dem Fahrrad.

Westtünnen - Einmal um die ganze Welt - und das mit dem Fahrrad. Der Westtünner Mathis Biermann verbindet ein Abenteuer mit einer Spendenaktion.

Er ist dann mal weg. Als wäre es die normalste Urlaubsreise der Welt, schwang sich Mathis Biermann locker auf sein Fahrrad und verließ über die Von-Thünen-Straße Westtünnen. Geplant ist eine Heimkehr erst in einem Jahr. Der 30-Jährige radelt um die Welt. Rund 13 500 Kilometer liegen vor ihm. Ganz nebenbei will er Geld für einen guten Zweck einfahren. Dass die Idee ein wenig verrückt ist, gibt der Westtünner zu. Aber irgendwie passe das zu ihm. Er sei immer unterwegs gewesen, habe immer seinen eigenen Kopf gehabt und jetzt eben „Bock auf diese Weltreise mit dem Fahrrad.“ Job bei IT-Firma in Düsseldorf gekündigt Dafür hat er seinen Job bei einer IT-Firma in Düsseldorf gekündigt, seine Wohnung ebenso. „Nach drei Jahren Arbeit im Büro ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Ich musste raus.“ Und nun ist er unterwegs. 

Die Motivation

 „In erster Linie möchte ich die Erde kennenlernen. In Mittelamerika war ich schon. Am meisten reizen mich bei dieser Tour die Kontinente Südamerika und Australien“, erklärt Biermann. Und mit der Entscheidung, sich diese Auszeit auf der Erdkugel zu nehmen, reifte auch die Überlegung, daraus eine Spendentour werden zu lassen. Sein Wunsch: Er möchte Menschen in Afrika die Lebensbedingungen verbessern. Ausführlich schildert er seine Beweggründe auf der Internetseite www.cyclingmathis.net

Das Projekt

Konkret würde er gerne den Bau einer Wasserstelle, eines Trinkwasserbrunnens in einem abgelegenen Dorf in Kamerun in Angriff nehmen. An einem solchen Projekt arbeitete er bereits zweimal aktiv bei der Organisation „Global H2O“ mit – einmal in Uganda, einmal in Kamerun. Gerne möchte er den Menschen in Afrika ein weiteres Mal helfen. Die Kosten beliefen sich zwischen 8 000 und 10 000 Euro. Daher hat er sich auch eine fünfstellige Summe Spendengelder zum Ziel gesetzt. „Also pro Kilometer einen Euro“, nennt er seine Marschroute mit dem Rad. Sollte er tatsächlich 13 5000 zusammenbekommen, so könnte er ein großes oder zwei kleine Projekte in Angriff nehmen. Die Spenden-Modalitäten sind dem Infokasten in diesem Artikel zu entnehmen. 

Auf seiner Homepage informiert Mathis Biermann über seine Tour und die Spendenaktion.

Die Strecke

Westtünnen – Madrid – Rio – Sydney – Kathmandu – Istanbul – Budapest – Westtünnen. Viele wichtige Metropolen klappert er ab. Was sich Mathis Biermann auf dem Globus angesehen und als Route schließlich geplant hat, würde kaum jemand mit dem Auto absolvieren wollen. Allein 2 000 Kilometer fährt er bereits auf dem europäischen Kontinent. Die erste Etappe am Dienstag von Westtünnen nach Haltern am See erscheint da noch ein Katzensprung. Von dort geht es weiter nach Spanien, wo eine kleine Zwischenrast einlegen wird. „In Madrid wohnt mein Bruder mit seiner Familie“, plant er einen Besuch mit zusätzlichem Hintergedanken. Denn Anfang November gastiert seine Lieblingsfußball-Mannschaft Borussia Dortmund zum Championsleague-Spiel bei Atletico Madrid. Anschließend geht es in den Flieger von Madrid nach Rio de Janeiro. Entlang der brasilianischen Küste führt es ihn durch Uruguay nach Buenos Aires in Argentinien, ehe der wohl strapaziöseste Teil der Strecke wartet: über die Anden nach Chile. Für März 2019 ist geplant, mit dem Flieger von Chile nach Brisbane in Australien zu gelangen. 4 700 Kilometer in Südamerika hat er dann hinter sich. Von Brisbane geht es über Sydney und Canberra nach Melbourne, wo für April/Mai der Flug nach Kathmandu in Nepal geplant ist. Auf 2 000 Kilometer in Australien folgen 2 200 Kilometer in Asien. Von Nepal geht es nach Südindien. Von dort geht es wieder mit dem Flugzeug nach Istanbul (voraussichtlich im Juli). Dann bleiben ihm noch ein paar Wochen, um durch Süd- und Osteuropa zurück nach Hamm zu gelangen. Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich befinden sich auf der ausgesuchten Route bis nach Westtünnen.

Die Vorbereitung

Die fand am PC statt, um die Strecke auszutüfteln. Training im Sattel? „Nicht wirklich. Ich fahre viel mit dem Fahrrad, vom Bahnhof in die Wohnung, ins Büro. Das war es“, erklärt Mathis Biermann mit einem Schmunzeln. „Die Fahrt bis nach Madrid ist das Training“, fügt er an. Ansonsten ist er immer sportlich gewesen, spielte ein bisschen Fußball. Und der Name seines Kegelclubs deutet darauf hin, dass er die Tour durchstehen wird: Der Club heißt „Stramme Waden“.

Das Fahrrad

Ist neu. Es ist extra für seine Bedürfnisse erstellt worden. Es hat 14 Gänge und einen Kunststoffriemen statt einer herkömmlichen Fahrradkette. Von der verspricht sich Biermann eine längere Haltbarkeit. Denn Pannen am Rad gehören zu den größten Hindernissen, die ihm begegnen können. Von Problemen will er aber nicht sprechen, dafür ist er viel zu ausgeglichen und ein Stück weit unbekümmert. „Das wird sich immer vor Ort zeigen, ob es ein Problem ist. Ersatzteile kann ich überall bestellen. Und wenn ich darauf warten muss, dann warte ich eben.“ Dass das Rad Gelb-Schwarz ist, dürfte kein Zufall sein, zumal auch ein BVB-Aufkleber auf der Mittelstange platziert wurde. Das Wappen soll um die Welt fahren.

Das Gepäck

Was der 30-Jährige mit auf seine einjährige Weltreise nimmt, würde locker in einen Koffer passen, seine Kleidungsstücke sogar in eine Damen-Handtasche. „Eigentlich habe ich nur das mit, was ich anhabe und etwas zum Schutz vor Regen und Kälte“, verrät der Beisenkamp-Abiturient, was sich in einer Gepäcktasche befindet. Die weiteren Utensilien umschreibt er mit den Oberbegriffen Elektronik, Hygiene, Kochsachen und Übernachtung. 

Die Unterkünfte

 „Ich habe ein Zelt, eine Matte und einen Schlafsack dabei. Wenn es geht, zelte ich. Wenn sich eine andere Unterkunft findet, nehme ich auch die.“ Feste Buchungen oder Ähnliches hat er nicht vorgenommen. Wie auch? Es ist ja im Grunde völlig offen, wann er wo ankommt. Bei aller Gelassenheit, so gibt er aber eins zu: „Zwischendurch eine Waschmaschine und eine Dusche wären nicht schlecht. Ich habe zwar einen Falteimer, Rei in der Tube und für mich einen Deo-Roller. Aber...“ 

Die Orientierung

Die Zeit der Faltkarten ist vorbei. Mathis Biermann benutzt eine App auf seinem Smartphone. Die sei sehr einfach zu bedienen und biete viel Komfort. Die Frage nach dem Aufladen des Akkus stellt sich nicht. Das Handy ist per Kabel mit dem Nabendynamo verbunden. Der produziert durch das Fahren ständig ausreichend Strom. J Die Kommunikation: Über sein Smartphone hält er Kontakt zu Freunden und Familie. Er bedient, so oft es geht, seinen Instagram-Account und gelegentlich seine Homepage.

Die Spendenaktion

Mathis Biermann will sein Abenteuer auf dem Fahrrad mit einem guten Zweck verbinden. Er sammelt Spenden, um diese für ein Brunnenbau-Projekt in Afrika einsetzen zu können. „Ich freue mich über Unterstützung von Firmen genau wie über fünf Euro von einer Privatperson“, sagt Biermann. Kontakt zu ihm kann über die Homepage www.cyclingmathis.net hergestellt werden. Hier ist seine E-Mail-Adresse zu finden. Die Mails ruft er während der Tour immer wieder ab. Unterwegs macht er Werbung für diese Seite, indem die Adresse als eine Art Nummernschild hinten am Rad angebracht ist. 

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