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Thomas Beier hat ein Faible für rollende Ferienwohnungen

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Von: Markus Liesegang

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Mutig: Mitten in der Corona-Pandemie baute Thomas Beier aus Berge ein zweites Standbein auf. Er vermietet Wohnmobile. Und die sind voll im Trend.
Mutig: Mitten in der Corona-Pandemie baute Thomas Beier aus Berge ein zweites Standbein auf. Er vermietet Wohnmobile. Und die sind voll im Trend. © Liesegang, Markus

Trotz Corona-Krise wagte Thomas Beier aus Berge einen Neustart. Er baute einen Wohnmobil-Verleih auf. Was ist daraus geworden?

Berge – Er sei im Wohnwagen groß geworden, kommentiert Thomas Beier seine Nähe zum mobilen Reisen. „Wir sind doch am Wochenende immer nach Bad Iburg in den Teuteburger Wald, haben den 5-Meter-Hänger an die Autos drangehängt, die ihn ziehen konnten“, erzählt der 52-jährige Kfz-Meister. Das waren in den 50 Jahren der Werkstatt an der Werler Straße viele Modelle vom Saab über Simca-Talbot und Peugeot bis zum Citroën, für den der Name Beier seit 1992 steht.

Auf dem Hof stehen aktuell mehr Wohnmobile als Pkw: Beier verleiht die rollenden Ferienwohnungen seit Anfang 2020, die nächste Saison eröffnet er erst im März. „Wir selbst haben im Wohnwagen damals auch Wintercamping gemacht“, blickt er zurück. Schöne Weihnachten im Schnee in Krün bei Ruhpolding.

Anstoß gab eine Gesetzesänderung

Anstoß für den neuen Geschäftszweig, Wohnmobile Beier, gab letztlich eine gesetzliche Änderung bei der Scheinwerfereinstellung.
„Ich hätte einen Arbeitsplatz abbauen müssen, um Platz zu schaffen“, erklärt der Kfz-Meister. Er entschied sich stattdessen für eine neue Hebebühne mit automatischer Nivellierung, die auch zur gesetzeskonformen Einstellung der Beleuchtung taugte. Die Bühne hatte eine Tragkraft von fünf Tonnen, war also auch für Wohnmobile geeignet. Eins kam so zum anderen – viele Wohnmobilchassis haben Citroën-Technik unter der Haube. „Wir haben die auch vorher schon repariert, Gasprüfungen und Tüv gemacht, allerdings bei Dingen, die unter dem Fahrzeug anstanden, improvisiert. Aber nach Anschaffung der Bühne hatten wir hier im Frühjahr einen wahren Wohnmobilstau. Es wurde mit der Zeit immer mehr“, erzählt Beier. „Mein Steuerberater fragte dann, warum ich denn nicht selber eins kaufe und es verleihe.“

Auch das Zubehör zum perfekten Camping-Urlaub hat Thomas Beier.
Auch das Zubehör zum perfekten Camping-Urlaub hat Thomas Beier. © Liesegang, Markus

Er hätte dann innerhalb eines Tages gleich fünf Vans und Teilintegrierte gekauft. Modelle vom Hof des Händlers, kompakt von 6,40 bis 6,99 Meter und alle mit einem Gesamtgewicht bis zu 3,5 Tonnen. Also Wohnmobile, die Frau überall hinbewegen kann, keine Schiffe. In diesem Jahr wollte er eigentlich auf zehn Fahrzeuge erhöhen, durch wegen der extremen Nachfrage bestehende Lieferschwierigkeiten sind es nun sieben.

„Ich bin kein Hotel-Urlauber“

Wohin er fahren könnte, bekommt der Einsteiger ins mobile Reisen gleich mit auf den Weg. „Ich bin kein Hotel-Urlauber“, sagt Beier, „entweder Segelboot oder Wohnmobil, ist ja ähnlich.“ Lange Strecken meidet der Hammer wie auch Campingplätze mit Platin-Klassifizierung. „Es gibt diese App Stellplatzfinder“, rät er zu spontanen Entdeckungen. „Schön: Am Wochenende nach Feierabend bis Kassel-Wilhelmshöhe, den Abend beim Spaziergang und Italiener genießen, am nächsten Morgen weiter bis Obereisenheim am Main bei Würzburg.“

Tipps hat Beier immer. „In Frankreich gibt es zum Beispiel France Passion, kostenlose Stellplätze auf dem Bauernhof, beim Winzer. Man zahlt dafür 30 Euro im Jahr, sagt Bonjour und Au revoir, völlig unkompliziert und total nett.“

Pocket-Bikes

Daneben bietet der Verleiher auch Handfestes zum Wohnmobil. Wer will, bekommt von ihm zusätzlich zur Grundausstattung zum sofortigen Start in den Urlaub E-Roller oder auch Pocket-Bikes mit auf den Weg. „Das waren alles Anregungen von Kunden“, erklärt Beier, „auch ein Stand-up-Paddling-Board oder das aufblasbare Kanu.“ Ein Fahrradträger oder der Gasgrill dazu sind ja beinahe schon Standard beim mobilen Reisen wie ein zusätzliches Zelt für den Urlaub mit größeren Kindern. „Ich hab letztes Jahr ganz schön was eingekauft an Zubehör.“

Das Zelt mit aufblasbarem „Gestänge“ im Verkaufsraum des Autohauses Beier hat hingegen gar nichts mit den Wohnmobilen zu tun, mit mobilem Reisen aber schon. „Das Zelt ist hier im Fahrradanhänger untergebracht, darunter kann man noch Gepäck verstauen. Alles zusammen wiegt das 29 Kilogramm, nicht mehr, als wenn ich Kinder chauffiere“, erklärt Beier. „Gentletent heißt der Hersteller aus Österreich. Den hab ich auf der Caravanmesse kennengelernt, sehr gute Campinglösungen bieten die.“ Beier hat vor, die Zelt/E-Bike-Kombination, genannt B-Turtle zu vermieten. „Noch nicht ganz spruchreif ist ein One-Way-Angebot, also dass man das Bike mit Minicaravan bei einem Partner abgibt. In Österreich werden diese Reisen schon bei den Discountern Hofer und Aldi angeboten.“

Ein Westfalia im Süden

Aber bitte, den Namen Beier mit „ei, viele schreiben es falsch“, erklärt der Meister abschließend. Die Familie habe zwar bayrische Bezüge, sein Großvater war Zollbeamter auf der Zugspitze. „Aber je nachdem, wohin es die Familie verschlagen hat, wurde der Name eben angepasst.“ Den Westfalen Beier zieht es trotz alledem immer wieder in den Süden der Republik. Den Flyer des Wohnmobilverleihs ziert ein „Adria“ auf einem exklusiven Stellplatz am Spitzingsee: „Einfach. Es gibt nur Frischwasserversorgung, aber traumhaft!“, gibt er einen letzten Tipp zu einem lohnenden Ziel. „Das schönste an der Wohnmobilgeschichte ist ja, dass Reisen und Urlaub immer das Thema ist.“

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