Schülerzahlen in alter Lohschule rückläufig - Falscher Standort?

+
Um ihren Schulabschluss in der ehemaligen Lohschule nachzuholen, müssen Schüler deutlich längere Fahrzeiten auf sich nehmen. Das Lernumfeld allerdings gilt als gut.

Rhynern - Zwei Schuljahre haben die VHS Hamm und das Hanse-Kolleg am Standort in Rhynern im Gebäude der ehemaligen Lohschule hinter sich gebracht. Die Entwicklung der Schülerzahlen für beide Schulen ist rückläufig. Ist der Außenbezirk Rhynern der falsche Standort für diese Schulformen?

Die jüngsten Zahlen sind jedenfalls wie Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Mehrfach hatten verschiedene Parteien darauf hingewiesen, dass sie den Standort für unglücklich halten. Immerhin kommt ein Großteil der Schüler aus dem Hammer Norden und Westen sowie aus benachbarten Städten wie Bergkamen. Mit dem Umzug von der Sorauer Straße nach Rhynern ergaben sich für viele Schüler deutlich längere Fahrzeiten. Um mit öffentlichen Verkehrsmitteln das Schulgebäude in Rhynern zu erreichen, müssen die Schüler deutlich mehr als eine halbe Stunde Fahrzeit einplanen.

Die Wählergruppe Pro Hamm hatte die Verwaltung nun um neue Zahlen gebeten. Daraus geht hervor: Bei den VHS-Angeboten, Schulabschlüssen im zweiten Anlauf zu schaffen, sind besonders die Zahlen bei der Mittleren Reife drastisch zurückgegangen. War im vergangenen Schuljahr – also im Jahr eins nach dem Umzug – die Zahl mit 50 Schülern noch im Schnitt der vergangenen Jahre geblieben, so machten in diesem Jahr nur 22 Schüler diesen Abschluss.

Bernd Lammers nennt dazu allerdings noch eine wichtige Ursache: Unterschiedlich hohe Fördergelder. „Veränderte Förderbedingungen insbesondere über den Europäischen Sozialfonds führen zu Schwankungen in der Angebotsstruktur“, erklärt Lammers. Und davon sei die VHS im vergangenen Jahr betroffen gewesen, so dass im Bildungspfad „Mittlerer Schulabschluss“ nur noch ein Kursus zustande kam und die Schülerzahl entsprechend zurückging.

Aber: Lammers will den Standortfaktor nicht außer Acht lassen. „Es spielt schon eine Rolle, dass wir räumlich weiter weg sind von unseren Schülern, die zum größten Teil eben nicht aus den südlichen Stadtbezirken kommen. „Das lässt sich nicht wegdiskutieren und ist letztlich auch ein wenig so eingetreten. Lammers ist allerdings auch der Meinung: „Wer seinen Schulabschluss unbedingt nachmachen will, der nimmt auch eine halbstündige Anfahrt in Kauf.“ Und so wirbt er auch im gleichen Atemzug mit dem Schulgebäude, was „ideal für uns ist“. Die gut ausgestattete Schule, das schöne Umfeld, alles wirke sich positiv auf das Lernverhalten aus“, meint Lammers. „Von daher hatte der Umzug viele Vorteile“, ist er sich sicher.

Auch die Standortleiterin des Hanse-Kollegs, Almut Gloger, weiß die Räumlichkeiten in Rhynern zu schätzen. Doch auch sie musste feststellen, dass die Schülerzahlen seit dem Umzug zurückgegangen sind. Schwankten von 2010 bis 2014 die Zahlen bei den Vormittagskursen mit Ziel Fachabitur in den Einstiegssemestern zwischen 55 und 73, so nahmen im Schuljahr 2015/16 nur noch 35 Schüler an den Kursen im Semester eins und zwei teil. 15 Schüler beendeten die Kurse nach dem sechsten Semester (Abitur). Das liegt dagegen im Mittel der vergangenen sechs Jahre.

Bei den Abendkursen ist der Trend nicht ganz so negativ. 29 Schüler verteilt auf die drei Jahrgänge (Semester 1–2, 3–4 und 5–6) sind nur geringfügig weniger als zu Zeiten der Sorauer Straße.

Zahlen für das neue Schuljahr können beide Schulformen noch nicht nennen. „Die trudeln immer sehr unterschiedlich bei uns ein. Wir werden aber nach jetzigem Stand nicht weniger haben als im abgelaufenen Schuljahr“, so Lammers.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare