Abgebranntes Bauernhaus wird wieder aufgebaut

Nach Albtraum in Freiske: Rückkehr ins Paradies rückt näher

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Es geht endlich voran. Der Wiederaufbau des vor neun Monaten abgebrannten Wohnhauses in Freiske hat Fahrt aufgenommen. Mit einem Familienfoto vor dem neuen Haus möchte die Familie Johannpeter aus emotionalen Gründen warten, bis es tatsächlich ganz fertig ist.

Freiske - Den 7. Juli 2018 wird die Familie Johannpeter wohl nie wieder vergessen. Was als schöner Sommertag begann, endete in einem Albtraum. Ihr altes Bauernhaus in Freiske brannte fast vollständig nieder. Die Johannpeters krempelten die Ärmel hoch. Der Wiederaufbau ist im vollen Gange.

„Ich möchte dort wieder hin. Ich möchte das Haus wieder aufbauen.“ Als Marie-Theres Johannpeter im Sommer vor den Trümmern ihres Hauses stand, die vielen persönlichen Dinge verkohlt im Schutt vor sich sah, hatte sie sich geschworen, nicht aufzugeben. Dieser unbändige Wille der jungen Frau motivierte die ganze Familie. „Seitdem sind wir jeden Tag hier“, sagt Vater Karl-Heinz Johannpeter. Erst zum Aufräumen in der Ruine und mittlerweile tatkräftig beim Wiederaufbau. Der versierte Hobby-Handwerker kann jede Menge selbst instandsetzen, die kniffligen Dinge übernehmen Fachfirmen.

Neun Monate nach dem verheerenden Feuer ist zwar noch kein Ende der Arbeiten in Sicht, aber in den letzten Wochen sind zumindest große Etappenziele erreicht worden. Ziele, die zwischenzeitlich in weiter Ferne lagen. „Ja, es gab immer wieder Momente, in denen wir alles hinter uns lassen wollten. Irgendwo ein kleines Häuschen und zur Ruhe kommen“, gibt Mutter Gisela Johannpeter zu.

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Und diese Gedanken ans Aufgeben kamen gar nicht unbedingt in den ersten Tagen nach dem Flammen-Inferno hoch. Damals habe der Schock zunächst viel zu tief gesessen. Fassungslosigkeit habe dazu geführt, dass man zunächst nur irgendwie funktionierte, erinnert sich Gisela Johannpeter. Was haben wir alles verloren? Was können wir retten? Wo können wir überhaupt in den nächsten Wochen leben? Elementar wichtige Fragen bestimmten die ersten Tage. Dass sie ihr idyllisch gelegenes Domizil womöglich nie wieder beziehen könnten, daran dachte die Familienmitglieder zunächst nicht. „Na klar kommen wir zurück“, hieß es.

Erster Glückfall im Unglück war das Angebot der Familie Hücking. In deren leerstehendem Haus in Berge durften sie vorübergehend wohnen. Aus dieser Übergangszeit sind bereits neun Monate geworden. „Dafür sind wir immens dankbar“, bringt Gisela Johannpeter zum Ausdruck. „Wir fühlen uns hier wohl, auch wenn es zunächst ungewohnt war, dass man Autos vorbeifahren hört“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Derartige Geräusche waren sie von ihrem Wohnort nicht gewohnt.

Dabei hatte die Familie nicht im entferntesten damit gerechnet, das Provisorium solange in Anspruch nehmen zu müssen, zumal die ersten hohen Hürden recht schnell genommen wurden.

Das Fachwerkhaus der Johannpeters brannte 2018 aus.

1. Versicherung:

Hier ergaben sich nahezu keine Probleme. Die Schadensregulierung war schnell abgewickelt. „Auch wenn die Summe natürlich nicht annähernd ausreicht, um alle Kosten zu decken“, gibt Karl-Heinz Johannpeter hinzu.

2. Baugenehmigung:

Diese war auch relativ schnell erteilt. Allerdings mit der ganz klaren Vorgabe – Wiederaufbau des 133 Jahre alten Baunernhauses. Für einen Neubau in diesem Außenbereich des Westerburgwegs hätte es keine Genehmigung gebeben.

3. Gutachten:

Dass ein Wiederaufbau möglich ist, belegte ein Gutachten, das vor allem die Statik des Fachwerkhauses beinhaltete.

Die Rückansicht des zerstörten Hauses in Freiske

Voller Tatendrang machte sich die Familie daraufhin an die heiß ersehnte Rückkehr in ihr Paradies. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Eigenarbeiten deutlicher schneller vorangingen als die großen Arbeiten. „Das war alles zwischenzeitlich schon sehr deprimierend“, gibt Karl-Heinz Johannpeter zu. „Da gab es dann die Momente, in denen wir glaubten, dafür keine Kraft mehr zu haben“, fügt die Ehefrau hinzu. Geholfen habe immer der Humor: „Wir können weiterhin viel lachen, das hilft über die vielen Situationen hinweg“, weiß sie von der großen Stärke ihrer Familie.

„Mit den Firmen hatten wir tatsächlich nicht immer Glück, mussten häufig wechseln“, erklärt der Vater. Zu wenig Personal und fehlende Zeit waren die meist gehörten Argumente, dass manche Firmen den Wiederaufbau nicht leisten könnten, schon gar nicht in der angestrebten Zeit. Denn zu gerne würden die Johannpeters im Sommer, also ein Jahr nach der Katastrophe, wieder einziehen. Das werde sicherlich nicht mehr klappen, sagt Gisela Johannpeter.

Dass sie beim Wiederaufbau Kompromisse eingehen müssen, das haben die „Bauherren wider Willen“ aber längst akzeptiert. Zuletzt sei Bewegung in die Arbeiten gekommen. Eine Holzfirma aus Norddinker sei wie ein rettender Engel in die Arbeiten eingestiegen, sagt die Mutter. „Den Arbeitern sind wir sehr dankbar.“ Sie haben die „Schaltzentrale“ des Zweifamilienhauses – so wird es demnächst eingetragen sein – endlich nutzbar gemacht. Die große Tenne, dort, wo einst das Feuer entdeckt worden war, steht mittlerweile wieder und hat ein Dach über den Kopf. Über dem Eingangstor liegt weiterhin der alte Balken mit der Inschrift der Erbauer des Hauses im Jahr 1885. Mit der Fertigstellung der Tenne konnte dort auch die Versorgungstechnik eingebaut werden.

Seitdem kommt Tempo in den Bau. Der etwa 75 Quadratmeter große Wohnbereich der Eltern ist schon fast wieder bewohnbar. Diesen Bereich hatten die Flammen einst weitgehend verschont. Löschwasserschäden und der penetrante Rußgeruch machten die Wohnung aber ebenfalls unbewohnbar. Dank der täglichen Arbeit der Familienmitglieder könnte es klappen, dass die Eltern bereits im Mai wieder einziehen. „Dann müssen wir endlich nicht mehr pendeln“, so der Vater.

Das Haus nimmt wieder Konturen an

Der größere Teil des Hauses, der Wohnbereich der Tochter, wird erst deutlich später fertig. „Hier ist noch richtig viel zu tun“, weiß Marie-Theres Johannpeter. Aber die Vorstellung, wie schön es wieder werden wird, wird einfacher. Das Haus nimmt wieder Konturen an.

Und nebenbei bastelt das Familienoberhaupt unter Anleitung seiner Frau auch wieder am kleinen Park, den sich die Familie einst geschaffen hatte. „Den Garten bringen wir parallel wieder auf Vordermann.“ Und einen besonderen Clou hat er sich auch bereits überlegt: Die besonders verkohlten Balken des alten Hauses hat er aufgewahrt. Daraus baut er ein kleines Gartenhäuschen in Form einer Ruine – „als Erinnerung an den alten Bau“, sagt er und ein Stück weit natürlich auch als Erinnerung an den 7. Juli 2018, der auch noch schlimmer hätte enden können. Das ist den Johannpeters trotz des großen Unglücks und Verlustes durchaus bewusst.

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