Rosi Pieper nimmt Abschied vom Kiosk im Freibad Süd  

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Rosi Pieper öffnete am Sonntag zum letzten Mal nach 18 Jahren den Kiosk im Freibad Süd.

Berge - Ob heißer Kaffee, kalte Cola, erfrischendes Eis oder dicke Freibad-Pommes. Die Klassiker gehören zum Besuch im Südbad dazu wie der Sprung ins kühle Nass. Mit diesen Leckereien war bislang in Berge ein Name eng verbunden: Rosi Pieper. Am Sonntag öffnete Rosi Pieper ihren Freibad-Kiosk zum letzten Mal.

Mit Ende der Saison ist für sie Schluss. Die Entscheidung hat nichts mit der Besucher-Flaute in diesem Sommer zu tun. „Das war bereits vorher geplant“, erklärt Rosi Pieper. „Mein Mann ist seit dem 1. September im Ruhestand, da wollte ich auch kürzer treten“, sagt sie. Die Suche nach einer Nachfolgerin war erfolgreich, so dass sie nun nach 18 Jahren und nach der Schließung des Bades ihr Reich für die Übergabe vorbereitet. 

Das alles geschieht nach so vielen Jahren natürlich „mit einer Menge Wehmut“, wie sie zugibt. Ein solcher Job sei ja nicht nur Geld verdienen, sondern es „entstehen ja auch gute Kontakte zur Stammkundschaft“, erzählt sie. „Wenn ich morgens komme, dann sehe ich schon an den Autos auf dem Parkplatz, wer da ist“, berichtet „Rosi“, wie sie von allen nur genannt wird, von der familiären Atmosphäre im Bad. 

Gerade morgens sei es möglich, das eine oder andere Pläuschchen zu halten. Schön sei auch der Kontakt zu den Schulen und Kindergärten, sagt sie und prompt fällt ihr eine nette Geschichte ein: „Neulich war eine ältere Gruppe der benachbarten Kita Grashüpfer zum Schwimmen hier. Ich habe die Kinder dann gefragt, ob sie denn schon schwimmen können. Stolz haben sie ihre Badekleidung mit den aufgenähten Seepferdchen gezeigt. Ein Mädchen hatte den Aufnäher noch lose in der Sporttasche. Das muss Oma noch aufnähen, meine Mama kann das nicht“, erzählt „Rosi“ und muss dabei wieder über den Kindermund lachen. 

Mit ihrem Kiosk ist sie nicht nur die Anlaufstelle für Erfrischungen und Stärkungen. „Die Pflaster habe ich auch immer unter der Ladentheke, weil immer wieder mal Kinder mit kleinen Verletzungen kommen. Das gehört dazu.“ Sogar Tampons verkauft sie. „Die Mädchen kommen dann aber zu mir. Bei meinen jüngeren Aushilfen trauen sie sich nicht zu fragen.“ 

Die Aushilfen sind ein wichtiger Bestandteil ihres kleinen Unternehmens. Denn die müssen sehr flexibel sein. „Und das sind sie “, sagt die Freibad-Institution lobend. Denn je nach Wetter- und Besucherlage kann es sein, dass sie spontan durchklingelt. Wenn das Bad richtig voll ist, verkauft das Team immerhin mit sieben Leuten an vier Verkaufsstellen. Sonst wäre das gar nicht zu schaffen. Denn die Speisen werden stets frisch zubereitet. Pommes und auch Chicken Nuggets, die im Laufe der Jahre auch aufgrund der vielen muslimischen Gäste immer beliebter geworden sind, werden frisch in der Fritteuse zubereitet. „Bei einem großen Andrang muss das dann schnell gehen“, weiß die erfahrene Chefin.

Zur Vorbereitung auf die Arbeit gehört auch das tägliche Studieren des Wetterberichts dazu. „Die Wetter-App ist ständig aktiv“, sagt Pieper. Nicht nur das Personal, auch die Einkäufe müssen der Besucherzahl angepasst werden. Die Wetter-App sei sicherlich hilfreich, aber auch ein Problem. Denn die potenziellen Freibadbesucher richten sich auch nach den Prognosen, selbst wenn diese nicht stimmen. „Die Menschen schauen gar nicht mehr aus dem Fenster und entscheiden danach.“ War also die Prognose schlechter als das Wetter tatsächlich ist, kommt trotzdem niemand, hat die Kiosk-Betreiberin beobachtet. 

Und so sei diese Saison gar nichts gewesen. Die Zahlen waren schlecht, auch für Rosi Pieper, die jeden Tag selbst von morgens bis abends im Kiosk stand. „Ich habe zwar nur einige Wochen geöffnet, die Stundenzahl bei sieben Tagen in der Woche ist dann aber schon enorm“, so Pieper. Das störe sie aber nicht. Die nette Unterhaltung mit den Stammgästen habe sie ja in jedem Fall. Und die haben in diesen Tagen auch nur ein Thema: „Die Rosi geht“. Viele halten nach dem Umkleiden am Fenster an und quatschen – auch über die alten Zeiten. Darunter sind auch Gäste, die gar nicht schwimmen gehen. Der Mann geht ins Wasser, die Frau trinkt einen Kaffee bei Rosi. 

Und das galt nur noch bis zum vergangenen Sonntag. Aber. Den Kiosk-Verkauf gibt es selbstverständlich auch in der Badesaison 2018, nur ohne Rosi Pieper. „Vielleicht unterstütze ich zu Beginn auch noch ein bisschen“, lässt sich die baldige Ruheständlerin noch offen. In jedem Fall werde sie das eine oder andere Mal zum Schwimmen kommen. Das habe sie in diesem Jahr gar nicht geschafft. „Früher war ich öfter im Wasser, zum Beispiel nach der Arbeit noch rutschen“, blickt sie zurück. Das sei alles etwas anders geworden. Vermissen werde sie ihren Job ab Montag aber sehr wohl.

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