Erweitern oder schließen?

Poker ums Möbelhaus: Macht Finke den Adler?

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Entlang der Baumreihe am oberen Bildrand soll das Hochregallager gebaut werden. Dort verläuft auch der Siepen. Die Quelle müsste verlegt werden.

Hamm - Ein halbes Jahr nach der Übernahme der Möbelhauskette „Finke“ durch die Höffner-/Krieger-Gruppe aus Berlin geht es jetzt ans Eingemachte.

Möbel-Krösus Kurt Krieger will mit seiner Marke Höffner am Standort Rhynern festhalten und offenbar noch einmal das Portemonnaie öffnen. 40 bis 50 Millionen Euro will der Unternehmer nach WA-Informationen im Süden Hamms investieren und 150 neue Arbeitsplätze schaffen. 

Der auf den ersten Blick verlockende Deal hat jedoch einen hohen Preis: Krieger will ein drittes, zusätzliches Gebäude auf dem Gelände im Schatten der A2 errichten. 

Dieser Neubau dürfte mindestens großen Teilen der Anwohner in Rhynern ein Dorn im Auge sein. 44 Meter hoch – und damit noch einmal höher als das benachbarte Edeka-Logistikzentrum – soll das in Rede stehende Hochregallager ausfallen. 

Das Gebäude soll 100 Meter lang und 40 Meter breit werden. Kurt Krieger drängt zudem auf eine rasche Entscheidung: Sollte aus dem politischen Raum kein positives Votum für die Erweiterungspläne erteilt werden, will er das Möbelhaus nach dem am 1. Juni beginnenden Ausverkauf erst gar nicht wieder eröffnen. 

Defizitär und nicht zeitgemäß: Das „Finke“-Möbelhaus soll umgebaut und erweitert oder geschlossen werden.

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) bestätigte diese Informationen im Wesentlichen gegenüber unserer Zeitung. „Das ist eine schwer abzuwägende Entscheidung“, sagte das Stadtoberhaupt. Kurt Krieger habe ihn am Montag bei einem Treffen in Hamm über seine Planungen informiert. 

Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Ähnlich reagierte SPD-Fraktionschef Justus Moor. „Wir werden uns das alles sehr genau anschauen und das Für und Wider abwägen“, sagte Moor. In der heutigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses will die Verwaltung ihren Kenntnisstand über die Höffner-Planungen präsentieren. 

Aus für Carré-Markt ist besiegelt

Ein Höffner-Sprecher bestätigte, dass in Rhynern zum 1. Juni ein großer Räumungsverkauf beginnen und der Carré-Markt geschlossen und zu einem Mitnahme-Lager umfunktioniert werden soll. Das Finke-Haupthaus soll demnach Ende Juli für umfangreiche Renovierungsarbeiten geschlossen und im Herbst unter dem Namen Höffner neu eröffnet werden. 

Letzteres aber offenbar nur unter der Vorgabe, dass es Grünes Licht für die Erweiterungspläne geben wird. Anders als zu „Finke“-Zeiten setzt Kurt Krieger auf die Philosophie, dass Möbelkäufer heutzutage ihre Waren sofort mitnehmen wollen. Dafür benötigt er das Hochregallager, wobei bislang unklar blieb, ob auf der Fläche nur Hammer Waren gelagert oder von dort aus auch weitere Höffner-Häuser versorgt werden sollen.

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Aus gut unterrichteten Kreisen hieß es, dass „Finke“ sowohl in 2018 als auch in 2017 allein in Hamm jeweils 4 Millionen Euro Verlust eingefahren habe. Die Warenausgabe soll nach den Planungen im heutigen Carré-Markt erfolgen. 

Bei den 150 neuen Arbeitsplätzen handelt es sich zum Großteil um Möbelmonteure, die Höffner künftig selbst beschäftigen will. Zünglein an der Waage könnte wie schon beim Finke-Baustart im Jahr 2012 der Bachlauf des Siepens sein. 

Das Hochregallager soll zumindest auf einem Teil des geschützten Gewässers im Westen des Areals gebaut werden. Dessen Quelle müsste dann verlegt werden; dem müsste auch die Bezirksregierung in Arnsberg zustimmen.

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