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Online-Revolution aus Rhynern: Schuhe-Kauf per App

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Von: Jörg Beuning

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Markus Piebrock aus Rhynern will den Internet-Handel mit Schuhen revolutionieren. Mit Hilfe einer App, die voraussichtlich im Mai auf den Markt kommt, soll die exakte Ermittlung der Schuhgröße möglich werden. © Wiemer

Rhynern - Es klingelt, vor der Tür steht der Paketbote. Es folgt der Jubelschrei der Dame. Die heiß ersehnten, im Internet bestellten Schuhe sind da. Der bekannte Werbespot zeigt allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn spätestens beim Anprobieren folgt nicht selten die große Ernüchterung. Die Schuhe passen nicht.

Der Tag ist gelaufen. Eine aufwendige Rücksendung und eine neue Wartezeit für die neue Bestellung schließen sich an. Das soll nicht so bleiben, dachte sich der Rhyneraner Markus Piebrock und will mit einer ganz neuen Geschäftsidee auf den Markt gehen: Per Applikation, kurz App, wird die exakte Fußgröße ermittelt und so die jeweils richtige Größe für den ausgesuchten Schuh gefunden. Für dieses Verfahren hat er sich ein internationales Patent sichern lassen.

Hört sich einfach an, ist es am Ende eigentlich auch. Dennoch liegen fast zwei Jahre Vorbereitung und Tüftelei hinter dem Geschäftsmann. Nun ist er sich sicher: „Das Ergebnis stimmt zu 99,9 Prozent. Spätestens im Mai wird die App zum Herunterladen bereitstehen.“

Bis dahin muss der Geschäftsmann, den es 2002 aus Heessen nach Rhynern zog, noch die berühmten Klinken putzen.

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Mit dem Smartphone oder Tablet lässt sich die Foot-Fact-App bedienen. © pr

Denn die Hersteller- und Versandfirmen müssen mitspielen. Sie müssen ihre Daten, sprich Innenschuh-Maße, der einzelnen Modelle bereitstellen und im Internet beim Einkauf auf Piebrocks App hinweisen. „Der Kunde liest am Bildschirm über sein Smartphone einen QR-Code ein. Und schon kann es losgehen“, erklärt Piebrock das Prinzip von Foot-Fact, wie er die Firma nennt. Mit Adidas, Asics und Runtastic hat er bereits Kontakt aufgenommen. Bei den Versandriesen Zalando und Amazon hofft Piebrock, dass sie auf die App aufmerksam werden.

Fuß wird fotografiert

Erfahrungen mit Geschäften im Internet sammelte der sportbegeisterte gebürtige Heessener bereits mit der damaligen Firma jogging-point.de, wo er noch heute stiller Gesellschaft ist. Der Diplom-Betriebswirt ist zudem Gründer eines Fitness-Studios in Heessen. Dort können viele Sportler mit dem Namen Piebrock etwas anfangen, betrieben seine Eltern doch bis 2005 ein Sportgeschäft dort. Nun will er sich erstmals die stetige Weiterentwicklung bei den Smartphones zunutze machen.

Wie funktioniert die App?

„Eigentlich ist es kinderleicht. Ich war mir auch im Klaren, dass dieser Prozess nicht länger als zehn Sekunden dauern darf“, so Piebrock. Der Kunde macht schlichtweg mit seinem Smartphone oder Tablet zwei Fotos (von links und rechts) seines nackten Fußes. Ein Euro-Stück neben dem Fuß dient als Maßstab. FootFact ermittelt so die Länge und Breite des Fußes, die Innenschuhmaße. Mit diesen Werten lässt sich für jedes Modell die exakte Schuhgröße ermitteln. Programmiert wurde die App von Holger Wegstein aus Darmstadt. Eine Ermittlung des Fuß-Volumens soll folgen.

Die Idee kam Piebrock, als er sich einmal mehr ärgerte, dass seine bestellten Schuhe nicht in der gewünschten Größe kamen. „Die Schuhgrößen sind einfach nicht genormt. Das ist ein einziges Durcheinander. Jeder hat zu Hause Schuhe, die er in anderen Größenbezeichnungen gekauft hat“, weiß Piebrock. Und genau dieses Durcheinander will er nun für seine Geschäftsidee nutzen. „Denn immerhin werden deutschlandweit im Jahr etwa 40 Millionen Paar Schuhe im Internet bestellt und verschickt“, weiß er. „Und rund 50 Prozent gehen retour.“

Warum ist bislang noch niemand darauf gekommen?

Warum entwickeln die Zalandos und Amazons nicht selbst ein solches Programm?

„Das kann ich nicht genau beantworten. Aber die Umsetzung der Idee ist auch nicht so einfach“, verweist er auf die zweijährige Vorbereitungszeit. Ganz neu sei die Idee auch gar nicht. Es gibt bereits ähnliche Angebote auf dem Markt, doch haben die sich als wenig praktikabel herausgestellt. „Es gibt Programme, bei denen der Fußumriss auf ein Blatt Papier gezeichnet wird. Aber das ist nicht wirklich genau“, weiß Piebrock. „Aufgrund der Fehlerquellen hat vermutlich auch noch keiner der großen Anbieter angebissen.“

Bei Food-Fact ist er dagegen überzeugt, dass die Schuhe demnächst alle auf Anhieb passen werden. „Und das wäre eine Win-win-win-Situation“, findet er. Die Vorteile zählt er auf:

- Der Kunde freut sich, dass die Schuhe auf Anhieb passen. Das lästige Rücksenden fällt weg.

- Der Anbieter spart Geld und Arbeit wegen der vielen Retouren.

- Die Umwelt profitiert von weniger Fahrten der Paketboten.

Dass der Einzelhandel bei der Optimierung des Online-Handels weiter leiden könnte, kann Piebrock bedingt teilen. „Allerdings kann den Internethandel ohnehin niemand aufhalten – ob mit oder ohne diese App.“

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