Veraltete Daten genutzt

Post-Posse: Krankenkasse will tote Oma aus Rhynern als Kundin

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Der Werbebrief kam mit der Post (Symbolbild)

Rhynern - Unerwartete Post in Rhynern: Die Knappschaftskasse hat eine Frau angeschrieben, um sie als Kundin zu werben. Dabei ergab sich allerdings ein nicht unerhebliches Problem.

„Sehr geehrte Frau Sulk, welche guten Vorsätze für 2019 haben Sie?“ Mit dieser nett gemeinten Frage steigt die Knappschaftskasse mit Sitz in Bochum in ihre Werbeschreiben für eine potenzielle neue Kundin ein. Was die Krankenkasse nicht bedacht hat: Frau Sulk hat schon seit knapp 25 Jahren keine guten Vorsätze mehr für das neue Jahr. Sie ist im Mai 1994 gestorben und wäre heute weit über 100 Jahre alt.

Entsprechend verdutzt öffneten auch Kinder und Enkel den Brief, der jetzt ins Haus flatterte. Adressiert an Anna Sulk. Die Adresse stimmte, zumindest damals. Heute sind die Hausnummern der Straße neu sortiert worden, der Postbote fand trotzdem den richtigen Briefkasten.

Niemals bei der Knappschaft versichert

Aber woher stammen diese völlig veralteten Daten? Anna Sulk war niemals bei der Knappschaft versichert. Dort können Name und Adresse also eigentlich gar nicht archiviert gewesen sein.

Eine Nachfrage bei der Krankenkasse klärt zunächst schon einmal eins auf: Das Schreiben ist echt. Es stammt tatsächlich von der Knappschaft. „Das Schreiben wurde im Rahmen einer allgemeinen Werbeaktion versandt. Die Knappschaft hat von der Post Direkt GmbH als Tochterunternehmen der Deutschen Post AG – die in diesem Sinne auch mit vielen anderen Institutionen zusammen arbeitet – Adressen gemietet und für diese Werbeaktion genutzt“, erklärt der Sprecher der Knappschaft.

Die Adresse stammte aus einem Werbepool. (Symbolbild)

Wie konnte es zu dem Fehler kommen?

„Bei den verwandten Haushaltsadressen handelt es sich um große Adresspools, die sowohl von der Post Direkt GmbH als auch von anderen Anbietern geführt werden. Sie werden verschiedensten Unternehmen unter Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Belange zu Werbezwecken angeboten. Eine Weitergabe Ihrer personenbezogenen Daten an die Knappschaft erfolgte nicht“, heißt es weiter.

Eine rechtliche Absicherung liefert der Sprecher mit Verweis auf Gesetzestexte (siehe Info unten) auch mit.

Aber wie konnte es zu diesem kuriosen Fehler mit dem Schreiben an eine seit 25 Jahren tote Person kommen? Dazu der Sprecher der Knappschaft: Die Post scheint der Auffassung zu sein, dass sie dort noch lebt. Ganz aktuell sind die Daten wohl nicht immer...“

 

Übermittlung der Daten zulässig:

"Die Versendung der Schreiben geschieht auf der Grundlage von Artikel 6 Abs. 1 lit f DSGVO i. V. mit § 284 Abs. 4 SGB V, also zur Gewinnung von Mitgliedern.“ Dort heißt es unter anderem: „Zur Gewinnung von Mitgliedern dürfen die Krankenkassen Daten erheben, verarbeiten und nutzen, wenn die Daten allgemein zugänglich sind, es sei denn, dass das schutzwürdige Interesse des Betroffenen an dem Ausschluss der Verarbeitung oder Nutzung überwiegt.

Widerspricht der Betroffene bei der verantwortlichen Stelle der Nutzung oder Übermittlung seiner Daten, ist sie unzulässig.

Heißt: Wer seine Daten sperren lassen will, damit die Post diese nicht mehr für Werbezwecke nutzt, kann der Weitergabe widersprechen. Die Kontaktdaten für diese Sperrung: Deutsche Post Direkt GmbH, Junkersring 57, 53844 Troisdorf, E-Mail: datenservice@postdirekt.de, Fax: 02241/26616680.

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