Walter Müller 42 Jahre dabei

Rekord-Avantgardist macht Schluss

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Der „ewige Gardist“ Walter Müller.

Westtünnen - Walter Müller prägte die Gruppe der jungen Schützen in Westtünnen wie kein anderer. Jetzt, nach 42 Jahren in der Avantgarde, ist Schluss.

„Wie? Der Walter ist nicht mehr unser Ehrenkommandeur? Das geht?“ Diese Situation war durch die Bank allen Mitgliedern der Avantgarde des Schützenvereins Westtünnen neu. Die meisten sind unter 30 Jahre alt und kennen als Ehrenkommandeur tatsächlich nur Walter Müller. Seit 1991 füllte er das Amt aus. Jetzt – im Alter von 62 Jahren – erklärte der Dauer-Gardist seinen Austritt aus der Avantgarde, oder zumindest beendet er seine aktive Zeit dort.

Und die jungen Gardisten waren mit ihren Eindrücken nicht alleine: Auch die Mitglieder des Hauptvorstands mit Dennis Grimm und Rene Kiese können sich nicht wirklich an einen anderen Ehrenkommandeur erinnern. Irgendwie war es immer so.

Er könnte Großvater der Jungschützen sein

Er könnte – vom Alter her – der Großvater der jungen Schützen sein. Und ja, „die Altersunterschiede waren schon zumeist recht groß“, gibt Müller zu. Doch das habe ihn jung gehalten und ihm immer viel Spaß gemacht. Dass viele der aktuellen Gardisten noch gar nicht geboren waren, als er bereits zum Ehrenkommandeur ernannt wurde, störte ihn nie. Eher lustig fand er dies. Aufgrund seines Alters war er auch das Sprachrohr der Jugendlichen gegenüber den älteren Schützenmitgliedern. Sein Wort hatte immer Gewicht im Verein.

Ein Ehrenkommandeur der Avantgarde Westtünnen nimmt eine besondere Stellung ein. Der Posten wird aktiv gestaltet. Während in anderen Vereinen der Titel womöglich „nur“ eine Ehre ist, so nimmt diese Person in Westtünnen aktiv am Schützenfest teil. Müller marschierte seit seiner Wahl zum 3. Kommandeur 1983 in der ersten Reihe der Avantgardisten mit. Und bei Arbeitseinsätzen war Müller immer zur Stelle, trieb die jungen Schützen dabei durchaus etwas an.

Allein dreimal war Müller Bierkönig

Eingetreten in diese Gruppe ist er 1976 – also vor 42 Jahren. Seitdem erlebte er so manches ereignisreiche Schützenjahr. Allein dreimal war er der Bierkönig, also der Regent der Avantgarde. Das ist bis heute noch keinem Gardisten so oft gelungen. Zweimal schaffte er dies als „normaler“ Gardist, 1995 sogar in seiner Funktion als Ehrenkommandeur.

Müller ist auch der einzige, der diesen Titel „auswärts“ erringen konnte. 1990 durfte das Schießen um den Bierkönigstitel nicht an der Vogelstange neben der Von-Thünen-Halle stattfinden, da dort Flüchtlinge untergebracht waren. Die Garde wich auf das Gelände des Schützenvereins Berge-Weetfeld-Freiske aus. „Dort fiel mir der Vogel vor die Füße“, erinnert sich Müller an seinen Triumph auf fremdem Terrain.

Erfahrungsschatz war immer Gold wert

Mit der Ernennung zum Ehrenkommandeur im Jahr darauf startete auch eine Tradition. Denn seit 1991 trifft sich die Garde am Schützenfestfreitag immer bei Walter Müller. Von den Teilnehmern der jüngsten Jahreshauptversammlung kannte dies niemand anders. Hier wird die Avantgarde nun umdenken müssen.

Ebenso wie beim Laubverteilen. Denn hier verlassen sich die aktiven Avantgardisten seit jeher auf ihren Ehrenkommandeur. Der Walter weiß halt, wo die Büsche hinkommen. „Ich bin gespannt, ob wir das in Zukunft auch wissen“, meint der Schriftführer Alexander Grimm schmunzelnd.

Auch darüber hinaus stand der „Senior der Gruppe“ stets mit Rat und Tat zur Seite. Lief ein Schützenjahr mal schlechter, machte Müller Mut. Sein großer Erfahrungsschatz war dabei immer Gold wert, sein Wort hatte Gewicht. Und davon dürfte die Garde wohl auch trotz seines Abgangs weiter profitieren, wie seine Abschlussworte durchblicken lassen: „Denkt immer dran Jungs, ich bin nicht komplett aus der Welt.“

Müllers Vita:

1976

Eintritt in die Avantgarde

1983 bis 1985

3. Kommandeur

1985 bis 1987

2. Kommandeur

1991 bis 2019

Ehrenkommandeur

1984, 1990, 1995

Bierkönig

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