Insolvenzverfahren: Bäckerei Wünsche will trotzdem weitermachen

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Der Geschäftsbetrieb der Bäckerei Wünsche – hier an der Alten Salzstraße – geht trotz der Eröffnung des Insolvenzverfahrens unverändert weiter.

Rhynern - Die Bäckerei Wünsche aus Rhynern ist in finanzielle Schieflage geraten. In der vergangenen Woche ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Der Geschäftsbetrieb geht aber unverändert weiter.

Vorrangiges Ziel ist es, das Unternehmen zu sanieren und fortzuführen, sagte Inhaber Jochen Wünsche – und das möglichst ohne Kündigungen von Mitarbeitern. Für die Kunden werde sich nichts verändern.

Fast 100 Jahre alt ist der Traditionsbetrieb, der in dritter Generation an der Alten Salzstraße geführt wird. Unter dem Namen Lippmann gegründet, übernahm Schwiegersohn Otto Wünsche die Bäckerei 1954. Fortan trug das Geschäft den Namen, 1991 übernahm Sohn Jochen Wünsche die Geschicke.

Derzeit betreibt Wünsche neben dem Hauptgeschäft in Rhynern noch zwei Filialen, eine an der Sedanstraße in Hamm, eine andere am Karl-Mecklenbrauck-Weg in der Mark. In Schwierigkeiten steckt das Unternehmen nicht erst seit der vergangenen Woche. „Das hat sich in den vergangenen Jahren so entwickelt“, erklärte Dr. Ludwig Krummel, Unternehmensberater und Jurist.

Mieten in Ladenlokalen zu hoch

Nachdem sich vor etwa anderthalb Jahren die Schulden häuften, waren zwei defizitäre Filialen, jeweils in Netto-Märkten in Rhynern und am Caldenhofer Weg, geschlossen worden. Die hohen Mieten in den Ladenlokalen hätten dazu beigetragen, dass an diesen Standorten keine schwarzen Zahlen zu erreichen waren, erklärte Krummel. Auch die Einführung des Mindestlohns habe dazu beigetragen.

Hinzu komme, dass die Supermärkte mit ihren Backstationen eine große Konkurrenz darstellen. Gerade für eine Bäckerei in dieser Größenordnung seien das im Moment nicht die besten Zeiten, so Krummel. Wünsche selbst habe mit seinem Privatvermögen viele Kosten getragen, jetzt sei dies aufgebraucht, erläuterte der Unternehmensberater.

Mitarbeiter werden Dienstag informiert

25 Mitarbeiter hat Wünsche beschäftigt, viele davon in Teilzeit. Diese werden am Dienstag in einer Betriebsversammlung von Rechtsanwalt Benjamin Heß aus Dortmund über den Stand der Dinge und das weitere Vorgehen informiert. Heß ist der vorläufige Insolvenzverwalter.

Drei Monate lang werden die Gehälter durch ein so genanntes Insolvenzausfallgeld bezahlt. In dieser Zeit werde ein Sanierungsplan erstellt. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es weitergehen wird“, so Krummel. Dafür spreche, dass die drei Geschäfte in Rhynern, Hamm und der Mark jeweils schwarze Zahlen schreiben. „Es kommen aber zunächst drei arbeitsreiche Monate auf uns zu“, so der Unternehmensberater.

In dieser Zeit und auch in der Zukunft setze Wünsche insbesondere auf die Treue seiner Stammkunden. Dabei erhofft er sich auch, dass das Parkraumkonzept der Stadt Hamm umgesetzt wird. „Viele Kunden wollen einen Parkplatz vor der Tür finden, um morgens schnell ein Brötchen zu kaufen“, beobachtet Wünsche.

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