Fundstücke in Rhynern aus dem 13. Jahrhundert

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Ausgrabungen finden auf dem Grundstück des ehemaligen Pfarrhauses in Rhynerns Ortszentrum statt.

Rhynern - Eine für die Zeit typische kleine ländliche Siedlung aus dem Mittelalter. Darauf deuten die Funde hin, die Archäologen in diesen Tagen auf dem Grundstück des ehemaligen Pfarrhauses im Herzen Rhynerns gemacht haben. Die ältesten Scherben, die im Erdreich entdeckt wurden, stammen aus dem 13. Jahrhundert.

Seit zwei Wochen nehmen fünf Mitarbeiter der Firma EggensteinExca aus Dortmund im Auftrag der LWL-Archäologie das vor kurzen durch den Abriss des gelben Hauses freigewordene Grundstück unter die Lupe. Die Ausgrabungen bringen zwar keine alten Mauern oder ähnliches zum Vorschein. Aber anhand der Verfärbungen des Erdbodens und den dort vergrabenen Resten wie Scherben lässt sich in groben Zügen nachvollziehen, was an dieser Stelle wann existierte: Mindestens zwei kleine Grubenhäuser, zudem vermutlich ein kleines Wohnhaus mit angrenzendem Stall.

„Damit können wir unsere Aufzeichnungen für dieses Grundstück weiter nach hinten datieren“, erklärt Dr. Eva Cichy, Wissenschaftliche Referentin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Bislang war bekannt, dass das alte Pfarrhaus an dieser Stelle um 1663 entstanden ist. Nicht unbedingt exakt das Gebäude, das jetzt abgerissen wurde, sehr wohl aber ein Vorgängerhaus entstand in dieser Zeit. „Zudem ist bekannt, dass vor 1663 ein Vikar dort ansässig war und gewohnt hat“, so Cichy. Nun könne die Geschichte dieses Platzes noch weiter zurückverfolgt werden. 

Scherben, Kiefer, Pfeifenreise: Unterschiedliche Funde aus unterschiedlichen Zeitepochen kamen in Rhynern zum Vorschein.

Die Archäologen mit dem Grabungsleiter Thies Evers werden alles mitnehmen, was sie aus ehemaligen Epochen finden, und archivieren. Das Sammelsurium an Fundstücken passt in einen Schuhkarton und stammt aus den verschiedenen Jahrhunderten vom 13. bis in die Neuzeit. Darunter befindet sich unter anderem Reste eines Pfeifenkopfs aus dem 17. Jahrhundert, aber auch der Kiefer eines Schweins. „Es ist nicht unüblich, dass in den Gruben, die wir entdecken, Tierkadaver vergraben wurden“, erklärt Evers.

Woher wissen die Archäologen, wo sie fündig werden? Bei baulichen Veränderungen an Orten, wo aufgrund der bisherigen Aufzeichnungen eine frühere Bebauung wahrscheinlich ist, kündigt sich die Archäologie an. Nach den Abtragen der obersten Erdschicht, erkennen die Fachleute anhand der Verfärbung des Bodens, wo früher Leben stattgefunden hat und wo weitere Grabungen Sucherfolge versprechen.

Leider hat es nicht gebrannt

„Am schönsten für uns ist es immer, wenn das Grundstück einst nach einem Brand aufgegeben wurde“, erklärt Cichy. Dann würden sich in den mittelalterlichen Gruben die meisten Gegenstände finden. „Im normalen Fall aber wurde vor Verlassen des Ortes lediglich der Abfall in die Gruben gekehrt, alles andere Hab und Gut wurde mitgenommen.“ 

Was stand im 13. Jahrhundert nun wo auf dem Grundstück? Ein so genanntes Grubenhaus mit einem Durchmesser von 5,5 Metern stand im Bereich nahe des Denkmals. Grubenhaus ist die Bezeichnung für Gebäude, die ganz oder teilweise in den Boden eingetieft wurden, erklärt Evers. In diesen Fällen dürften sie reine Überdachungen für Arbeitsplätze gewesen, „vermutlich standen hier Webstühle“, erklärt Cichy. Ein weiteres, etwas kleineres Grubenhaus stand an der heutigen Grundstücksgrenze zur Bäckerei Erdmann, noch davor in Richtung Reginenstraße deuten die Verfärbungen des Bodens auf einen Pfostenbau hin. „Das ist typisch für die damaligen Wohnhäuser samt Stallungen. Hier stand also eine kleine Siedlung.“ 

„Es sind nicht die Sensationsfunde, aber für unsere Aufzeichnungen sehr wertvoll“, erklärt Cichy den Aufwand der akribischen Suche. Bis Mitte der kommenden Woche werden die Grabungen noch fortgesetzt, größere Funde sind nun nicht mehr zu erwarten. Damit kann die Firma Heckmann Bau GmbH in Bälde mit der Umsetzung des Wohnbauprojektes an dieser Stelle beginnen.

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