Fall in Rhynern zeigt: Vorsicht beim Einsatz einer Wildkamera

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Mit einer Wildkamera - hier nur ein Beispielbild - will ein Rhyneraner einem Übeltäter auf die Schliche kommen, der auf Feldern einfach Grünabfälle ablädt. 

Rhynern - Darf ich einfach eine so genannte Wildkamera anbringen? Das fragte sich ein Mann, als er jetzt in Rhynern jemanden beim Anbringen einer solchen Überwachungskamera an einem Baum beobachtete. Auf Nachfrage erklärte ihm dieser, er wolle wissen, wer auf den Feldern seine Gartenabfälle ablade. Mit den gesammelten Bildern wolle er Anzeige erstatten und sie im Internet veröffentlichen.

Beim Filmen dieser Art sollte unbedingt die rechtliche Lage betrachtet werden. Dabei gibt es einen Unterschied, ob die Filme im öffentlichen Raum aufgenommen werden oder auf privatem Grund. Der Wald etwa gehört in der Regel jemandem. Wenn ein anderer also keine Berechtigung oder keine Genehmigung vom Eigentümer eingeholt hat, darf er auf dem fremden Grundstück nichts aufhängen. "Wenn es ersichtlich ist, dass es ein Privatgrundstück ist, kann es sogar unter den Tatbestand Hausfriedensbruch fallen", sagt Polizeisprecher Christopher Grauwinkel. "Selbst ein öffentlich zugänglicher Wald hat einen Eigentümer." 

Dann kommt es auch darauf an, was gefilmt wird. Im Fall von Personen ist das zunächst einmal erlaubt, "aber die Verwendung des Bildmaterials kann strafbar sein", sagt Grauwinkel. "Bei Filmaufnahmen wird im Regelfall der Ton mit aufgezeichnet. Das Aufzeichnen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ohne Genehmigung steht ebenfalls unter Strafe, unabhängig davon, ob es auch verwendet wird."

Nur mit Erlaubnis der gefilmten Person

Im Fall des Bereichs, der gefilmt wird, müssen auch gesetzliche Vorgaben beachtet werden. Grundsätzlich darf auf dem eigenen Grundstück gefilmt werden. "Problematisch wird es, wenn das nichtöffentliche Wort einer anderen Person ohne dessen Genehmigung aufgezeichnet wird", sagt der Polizeisprecher. "Das kann eine Straftat nach Paragraf 201 Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sein." Und auch hierbei gelt dasselbe wie bei den Wildkameras: Die Bilder dürfen aufgezeichnet werden, aber ohne Erlaubnis der gefilmten Personen dürfen sie nicht veröffentlicht werden.

Polizei stellt Beweismaterial sicher

Ist so ein Einsatz mit der Wildkamera erfolgreich und ein Übeltäter abgelichtet, sollte die Verwendung des Filmmaterials wohl bedacht sein. "Wenn eine Straftat gefilmt wird, sollte man das der Polizei mitteilen", sagt Grauwinkel. "Diese stellt das Material als Beweismittel sicher." Die Justiz entscheide dann, ob es vor Gericht verwendet oder sogar veröffentlicht werde, wie etwa für Fahndungsaufrufe. 

Nicht selbst in die Hand nehmen

Konkret zum oben beschriebenen Fall in Rhynern heißt das dann: Es wäre schlau, der Betroffene wendete sich an die Stadt oder die Polizei, anstelle es selbst in die Hand zu nehmen, sagt der Polizeisprecher. 

Tiere? Ja! Menschen? Nein!

Wildkameras - und der Name sagte eigentlich schon - haben aber eigentlich einen anderen Zweck. Jäger und Förster verwenden sie. Sie dürfen die Geräte in den von ihnen betreuten Gebieten aufhängen, um den Wildwechsel zu beobachten und die Tiere zu zählen. Personenbilder würden jedoch sofort von den Kameras gelöscht, erklärt Prof. Dr. Lothar Reinken, Vorsitzender des Kreisjägerverbandes Hamm. Eine Liste, wo solche Kameras in den Wäldern hängen, gebe es hingegen nicht.

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