Mathis Biermann aus Westtünnen sammelt unvergessliche Erlebnisse

Mit dem Fahrrad auf Spendentour rund um die ganze Welt

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Willkommen in Chile. Mathis Biermann hielt eines seiner großen Etappenziele per Selfie fest.

Westtünnen/Santiago de Chile - Vor über einem halben Jahr, Ende September 2018, startete Mathis Biermann aus Westtünnen zu seiner Weltreise mit dem Fahrrad. Auf seiner Tour sammelt er Spenden für Wasserprojekte in Afrika. Nun hat er Südamerika verlassen und den dritten Kontinent seiner Reise, Australien, erreicht.

Ein Radtour von Westtünnen nach Madrid ist bereits eine Herausforderung und verdient den größten Respekt. Für den Westtünner Mathis Biermann war diese „Europatour“ aber lediglich eine Trainingsetappe. Denn die Dimensionen Südamerikas sind mit denen Europas nicht vergleichbar. Waren es in Europa 2300 Kilometer, so legte er nun über 6 000 Kilometer auf dem fernen Kontinent zurück. Die Motivation ist noch immer groß, die Erfahrungen unbezahlbar. Und so schickt Mathis Biermann auf seinem Flug nach Australien die besten Grüße in die Heimat. 

Die Länder

Dass mittlerweile über 8 000 Kilometer im Sattel anstrengend sind, steht außer Frage, aber der 30-Jährige sieht gerade in der Wahl seines Fortbewegungsmittels den großen Effekt seiner Reise, die von Brasilien über Uruguay nach Argentinien und schließlich nach Chile führte. „Aufgrund der eher langsamen Reisegeschwindigkeit erlebt man ein Land mit dem Fahrrad sehr intensiv“, schreibt er. Und die Erfahrungen mit den Menschen seinen überwiegend positiv: Gerade außerhalb der touristischen Gegenden zeigten sich die vier Länder enorm gastfreundlich.

Tolle Landschaften prägen die Tour.


Brasilien: „Die Brasilianer stechen mit ihrer Lockerheit und ihrem Improvisationstalent vielleicht nochmal ein bisschen heraus“, findet Biermann.

Uruguay: Das Mate-Tee-verrückte Uruguay sei erstaunlich teuer und progressiv gewesen.

Argentinien: „Die Argentinier werde ich als sehr gute Gesprächspartner in Erinnerung behalten, hier war man immer schnell auf einer Wellenlänge.“

Chile: In Chile sind die Anden allgegenwärtig. Kulturell gebe es aus europäischer Sicht auch einige Gemeinsamkeiten, aber es sei spannend, nach und nach die Unterschiede wahrzunehmen

Strapazen im Sattel

Am anstrengendsten seien sicherlich die Bergetappen gewesen – insbesondere, wenn es auf Schotterpisten immer hoch und runter ging. Das war im Serra Catarinense in Brasilien der Fall und in den Sierras de Cordoba in Argentinien. „Die Anden hingegen waren angenehm zu fahren, da ich mit dem Paso Pehuenche einen Pass gewählt habe, der komplett asphaltiert und mit moderater Steigung auf 2 550 Meter führt.

Nicht alle Strecken sind asphaltiert. Am Nummernschild macht Mathis Werbung für seine Homepage und das Spendenprojekt.

Biermann plant die Tagestouren mehr oder weniger spontan, zwischen 17 und 137 Kilometer war alles dabei. Im Schnitt sind es 65 Kilometer am Tag. „Die jeweilige Distanz hängt sehr stark von dem Untergrund, der Steigung und dem Wind ab. Auch interessante Dinge können mehr Pausen hervorrufen und die Tagesstrecke verkürzen. 

Das Klima

Im Dezember und Januar war in Brasilien Hochsommer – 40 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit dabei keine Seltenheit. Ab Februar und März wurden die Temperaturen dann langsam etwas milder. Insbesondere in den Bergen wurde es dann nachts schnell mal richtig kühl.

Materialverschleiß

Richtig schwerwiegende Radpannen gab es zum Glück nicht – aber einige Komponenten haben den extremen Bedingungen nicht standgehalten. „Meinen Nabendynamo musste ich austauschen, der Ledersattel hat die hohe Luftfeuchtigkeit nicht vertragen und mein Tretlager war auch mal fällig“, so Biermann. Ansonsten gab es vor allem Platten, Für Australien gibt’s jetzt nach 8500 Kilometern mal einen neuen Satz Reifen. 

Unterkünfte

Campen in der Wildnis.

Wann immer möglich, wird gecampt – am liebsten in freier Natur. Denn „gerade, wenn man sich etwas von der Zivilisation entfernt, kann man einen unglaublichen Sternenhimmel beobachten.“ Ansonsten hilft die Technik, das Smartphone. Eine App „Warmshowers“ zeigt Möglichkeiten, wo man bei anderen Fahrradliebhabern unterkommen kann. „Ansonsten geht’s auch mal auf Campingplätze oder in den Metropolen in ein Hostel.“

Unterhaltung

Bis kurz nach Buenos Aires begleitete ein Kumpel aus Deutschland den Westtünner. Einsamkeit komme in Südamerika aber keine auf, man lerne ständig neue Leute kennen – Einheimische oder andere Reisende.

Unvorhergesehenes

„In den Bergen Cordobas in Argentinien sprang etwa fünf Meter vor mir ein Puma auf den Weg und verschwand auf der anderen Seite in einem kleinen Waldstück. Das Ganze hat nur wenige Sekunden gedauert, aber die Eleganz und Schnelligkeit dieser Wildkatze waren sehr beeindruckend. Ein anderes Mal, in Brasilien, haben wir direkt am Fuße eines riesigen Wasserfalls gecampt.

In der Nacht waren die bewachsenen Felswände voll mit Tausenden von Leuchtkäfern, ein unvergessliches Naturschauspiel.“ Das seien zwei von vielen Erlebnissen, Biermann könnte noch viel mehr erzählen, teilt er mit. Jeden Tag passiere so viel, dass die Zeit auch schnell umgehe. Klar denke er schon mal an die Heimat, doch im Vordergrund stehen die wichtigen Fragen: „Habe ich genug Wasser?” oder „Wo schlafe ich heute Abend?”

Die Gesamtstrecke

Start: Hamm-Westtünnen

Europa: Über Holland, Belgien, Frankreich nach Madrid. Insgesamt 2300 Kilometer. Von dort mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro.

Südamerika: An der Küste Brasiliens entlang durch Uruguay nach Buenos Aires in Argentinien. Von dort weiter nach Santiago de Chile, wo der Flieger nach Brisbane in Australien ging. Insgesamt 6150 Kilometer.

Die Weltreise auf der Karte.

Australien: Dort warten rund 2 000 Kilometer auf Mathis Biermann. Brisbane-Melbourne-Sydney - Canberra. Flug nach Nepal.

Asien: Nepal und Indien (2 200 Kilometer), Flug nach Istanbul.

Europa: Türkei, Bulgarien, Serbien, Ungarn, Österreich, Deutschland 2600 Kilometer).

Ziel: Hamm im Herbst 2019.

Spenden für Wasserprojekte in Afrika

Mathis Biermann will sein Abenteuer auf dem Fahrrad mit einem guten Zweck verbinden. Er sammelt Spenden, um diese für ein Brunnenbau-Projekt in Afrika einsetzen zu können. Kontakt ist über die Homepage www.cyclingmathis.net möglich. Hier ist seine E-Mail-Adresse zu finden. Die Mails ruft er während der Tour ab. Verfolgt werden kann die Tour über den Instagram-Account „Cyclingmathis“.

Unterwegs macht er Werbung für diese Seite, indem die Adresse als Nummernschild hinten am Rad angebracht ist. Der Stand: „Ich komme meinem Ziel langsam näher.“ Knapp 4 000 Euro fehlen noch. „Von dem bisher gesammelten Geld kann ich auf jeden Fall schon einen Handpumpbrunnen finanzieren. Vielen Dank allen Spendern, ich freue mich riesig über jeden Betrag!“

Mathis Biermann aus Westtünnen startet zu einer "Weltreise" mit dem Fahrrad

Die Geschichte vor dem Start

www.cyclingmathis.net

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