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Gänsehaut-Nacht: Wie ein WA-Redakteur einen Dieb verfolgte und was dann passierte

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Jörg Beuning nach seiner (fast) schlaflosen Nacht vor dem Vereinsheim von Westfalia Rhynern.
Jörg Beuning nach seiner (fast) schlaflosen Nacht vor dem Vereinsheim von Westfalia Rhynern. © Andreas Rother

Nächtliche Verfolgungsjagd in Rhynern: WA-Redakteur Jörg Beuning ist einem Dieb vom Westfalia-Vereinsheim in den Papenloh gefolgt. Die Gänsehaut folgte ihm später bis ins Bett. So erlebte er die aufregende Nacht.

Rhynern - Wer nicht selbst beteiligt ist, für den wirkt der kurze Bericht über die verhältnismäßig kleine Straftat, die sich im Stadtbezirk ereignet hat, mitunter harmlos. Wenn ein Dieb eine Geldkassette mit ein paar Euro aus dem Vereinsheim eines Sportvereins stiehlt, klingt das in Anbetracht der Vielzahl an Straftaten, die sich in einer Stadt wie Hamm täglich ereignen, nicht sonderlich spannend. Wie spannend so eine Nacht aber verlaufen kann, wenn man mittendrin ist, dem Täter nachts in den Wald folgt und eine Stunde später plötzlich vor dunklen Gestalten steht, die einem mit ihren Taschenlampen direkt ins Gesicht leuchten - das hat unser Redakteur Jörg Beuning im späten Dienstagabend erlebt.

Lassen wir den Kollegen einfach selbst erzählen...:

„Es ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher Dienstagabend. Zum Trainingsende ‚meiner‘ zweiten Herrenfußballmannschaft beim SV Westfalia Rhynern lasse ich mich kurz am Sportheim blicken, um ein paar organisatorische Dinge zu erledigen, vor allem aber auch um etwas mit den Spielern zu plaudern. Zwischendurch übernehme ich kurz einen Shuttle-Service zwischen dem Sportheim und der Bushaltestelle ‚Rhynern Mitte‘, damit zwei Spieler den letzten Bus erwischen.

Gefühlte drei Minuten später treffe ich wieder am Sportplatz ein. Ich steige aus und sehe eine dunkel gekleidete Person mit einer Kappe auf dem Kopf an meiner Beifahrerseite vorbeigehen. In der Dunkelheit halte ich sie für einen unserer Spieler und rufe ein kurzes ‚Tschüss‘ hinterher. Zu meiner Verwunderung wird die Verabschiedung nicht erwidert. Recht schnell bemerke ich, dass sich hier eine fremde Person auf dem Vereinsgelände herumtreibt. Meine Rufe, er solle stehen bleiben, ignoriert der Mann, eher er schnellen Schrittes im Ausgangsbereich des Sportplatzes im Wald verschwindet.

Hinterherlaufen kommt für mich nicht infrage. Dann fällt mir die kleine Kasse im Kabinentrakt für die Getränke ein. Darin befinden sich zwar immer nur die jeweiligen Tageseinnahmen unseres internen Trainingsverkaufs, trotzdem schaue ich sofort nach. Sie ist weg. Ich sehe nach den verbliebenen Spielern, die den Diebstahl nicht bemerkt haben. Ich informiere sie und setze mich ins Auto, um die Gegend abzufahren und abzuleuchten.

Schnell entdecke in den Mann wieder. Er nutzt den Waldweg parallel zur Straße ‚An der Lohschule‘ und biegt nach rechts auf den Wald-Hauptweg ab. Dort lenke ich das Auto halb in den Wald und leuchte per Fernlicht den ganzen Weg ab. Der Dieb erschrickt, lässt die Kasse fallen und läuft davon.

Jörg Beuning ist beim WA Redakteur für den Stadtbezirk Rhynern.
Jörg Beuning ist beim WA Redakteur für den Stadtbezirk Rhynern. In seiner Freizeit engagiert sich als Teammanager für die zweite Herrenmannschaft der Westfalia. © Henrik Wiemer (Archiv)

Die mittlerweile informierte Polizei trifft kurze Zeit später am Waldeingang ein. Sie sichert die Kasse, die vielleicht 50 Meter von der Straße entfernt im Wald liegt. Etwas mehr als drei Euro in Münzen liegen noch drin.

Als zwei Spieler der Mannschaft zu uns kommen, nimmt der „Fall“ noch einmal Fahrt auf. Sie haben ein Fahrrad entdeckt. Habe ich den Täter so sehr überrascht, dass er sein Rad zurücklassen musste? Die Beamten fahren zum Tatort, ich hinterher. Das Rad ist als gestohlen gemeldet. Die Polizisten nehmen es mit, ein hinzugerufener Polizei-Bulli verstaut das Gefährt, das dauert ein paar Minuten. Wir – mit mir sind nur noch zwei Spieler da – schnaufen durch. Welch eine Aufregung für ein paar Euro!

Wir schließen uns noch leicht verängstigt im Vereinsheim ein, wollen bei einer Flasche Bier zur Ruhe kommen. Von wegen. Plötzlich klopft ein Mann mit der Faust vor das Kabinenfenster, schaut dabei mit finsterer Miene hinein. Wir lassen die Rollläden runter und informieren umgehend wieder die Polizei. Aus dem dunklen Vereinsheim heraus warten wir mucksmäuschenstill auf das Eintreffen der Beamten. Als wir die Lichtkegel von Taschenlampen bemerken, öffne ich erleichtert die Tür, um mich als Anrufer zu outen. Dazu kommt es nicht.

Das Licht der Taschenlampe scheint in meine Augen. Ich verstehe irgendeinen mit ernster Stimme gesprochenen Satz mit „Fahrrad“. Vor mir stehen zwei Gestalten, einer mit dunkler Kappe, ähnlich der des Täters zuvor. „Ist das gar nicht die Polizei?“, schießt es mir durch den Kopf. Gott sei dank doch. In zivil. Auch ich kann das andere Missverständnis aufklären: Ich bin nicht der Dieb. Während die drei Beamten das Waldstück mit Taschenlampen absuchen, suchen wir das Weite. Wir wollen einfach nur nach Hause, wo eine Nacht ohne Schlaf wartet.

So berichtet die Polizei

Die Hammer Polizei berichtete am frühen Mittwochmorgen gegen 4 Uhr von dem Einsatz in Rhynern. Sie titelte „Dreister Dieb entkommt nur knapp“. Klicken Sie hier, um den Eintrag im Original zu lesen.

Was hätte ich anders machen können? Was hätte anders, gar schlimmer laufen können? Und warum überhaupt klopfte die Person ans Fenster, just als die Polizei weg war? Wollte sie uns Angst einjagen? Dann schießt mir ein ganz anderer Gedanke durch den Kopf: War das vielleicht ein Komplize des Täters? Ohnehin bin ich mir trotz Dunkelheit und der kurzen Augenblicke sicher, dass der Dieb der Kasse und der Mann am Fenster nicht dieselben waren. Sollte uns das Klopfen ans Fenster etwa ablenken?

Vielleicht war es so: Der Täter hat sich längst wieder ungesehen zum Vereinsheim geschlichen, um sein Rad zu holen. Dort kann er sich ungesehen Zutritt ins Gebäude verschaffen. Dann wird er erneut von unserer Rückkehr überrascht. Er versteckt sich im Gebäude, solange die Polizei vor Ort ist. Um später ungestört fliehen zu können, klopft der Komplize nach der Abfahrt der Polizei an unser Fenster. Dafür spricht, dass eine von mir ziemlich sicher zugezogene Tür, die sich nur von innen öffnen lässt, nur noch angelehnt war. Mit Gänsehaut versuche ich einzuschlafen.“

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