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Ein Fall für „Bares für Rares“? Die irre Reise des kleinen Eros aus Rhynern

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Von: Jörg Beuning

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Die neue Figur: Eine künstlerisch gestaltete Bronze-Statuette.
Die neue Figur: Eine künstlerisch gestaltete Bronze-Statuette. © Wille

Das Rätsel um die „kleine Schwester“ der Willkommensfigur in Rhynern ist gelöst. Die Skulptur namens „Eros“ war vor wenigen Tagen ebenso geheimnisvoll wieder verschwunden wie sie zuvor angekommen war.

Hamm - Die Figur ist derzeit in guten Händen und soll nach Rücksprache mit dem Eigentümer über die Werbe- und Interessengemeinschaft Rhynern (WIR) für einen guten Zweck versteigert werden (hier klicken). Damit nimmt die skurrile Geschichte, die viele Menschen zum Schmunzeln gebracht hat, sogar noch ein besonders erfreuliches Ende.

Die Berichterstattung von WA und WA.de hatte ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Denn der geheimnisvolle Aufsteller der kleinen Bronzefigur hatte sich in der Zwischenzeit beim Vorstand der WIR gemeldet. Er habe nichts Böses damit im Schilde geführt, er wollte den Standort nur um eine weitere, passende Figur ergänzen. „Das war als Gag gemeint“, schildert ein Familienmitglied. Namentlich in der Zeitung genannt werden möchten sie nicht. „Wir fanden, dass die Figuren gut zueinander passen würden“, sagt er.

Die Familie selbst war eher zufällig in den Besitz der Bronze-Statue gekommen. Beim Entrümpeln einer Immobilie sei die Figur aufgetaucht. Die Familie hatte sie zunächst in ihrem großen Garten platziert. Über Herkunft und Wert machte sich der Hausherr dabei keine Gedanken. Später landete sie auch im Keller. Und als er im Herbst 2021 diesen aufräumen wollte, fiel sie ihm wieder in die Hand. „Die würde doch perfekt zu unserer Willkommenfigur passen“, dachte er sich. Und schon lag das bronzene Kunstwerk auf dem Beifahrersitz seines Autos und er platzierte sie auf dem Sockel der Skulptur von Jockel Reisner am Ortseingang von Rhynern. Sichtlich zufrieden mit dem neuen Erscheinungsbild erledigte er anschließend gut gelaunt seine Einkäufe im gegenüberliegenden Netto.

Kleiner Eros aus Rhynern: Versteigerung für guten Zweck

Nach der Berichterstattung kontaktierte die Familie schließlich den WIR-Vorstand und klärte auf, dass alles nur eine Aktion mit Augenzwinkern sei. Die WIR selbst hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits dazu entschieden, die Figur wieder zu entfernen. „Eigentlich wollten wir sie zum Fundbüro bringen. Aber dann hatte sich der Eigentümer ja gemeldet“, erklärt Architekt Arndt Oberdorf als Mitglied der WIR.

Warum sie nicht stehen bleiben sollte? „Weil wir Sorge hatten, dass dies Nachahmer findet. Wir wollen nicht, dass der Standort der Skulptur zu einem Sammelpunkt für andere Dinge wird“, erklärt Stephan Tillmann, Geschäftsführer der WIR.

Der Eigentümer wollte die Figur nicht zurück, sondern schenkte sie der WIR. „Schaut doch, ob ihr sie für einen guten Zweck verkaufen könnt“, meinte der „Spender“. Und die wiederum lässt sie nun bei Ebay versteigern. Das Gebot lag im Verlauf des Freitags schon im deutlich dreistelligen Bereich. „Mal sehen, was da noch kommt“, meint Oberdorf, der die Versteigerung in die Hand genommen hat. Wofür das Geld dann später verwendet werden könnte, ließ er noch offen.

Kleiner Eros aus Rhynern: ein Fall für „Bares für Rares“?

Mit Blick auf die weiteren Recherchen zu dieser Statuette wäre womöglich auch die Teilnahme an einem TV-Format wie „Bares für Rares gar keine so schlechte Idee. Hier werden unter der Moderation von Horst Lichter bei einigen Sammler- und Fundstücken durchaus ansehnliche Preise aufgerufen. Die Erschafferin der Figur, die Künstlerin Loni Kreuder aus Nettetal, erklärte nämlich, dass sie keineswegs nur 100 oder 200 Euro wert sei. Zwar wollte sie den genauen Wert in der Öffentlichkeit nicht preisgeben, aber eine ordentliche vierstellige Summe würde dafür schon bezahlt, sagte sie.

„Eros“ und die Spurensuche

Die Künstlerin Loni Kreuder aus Nettetal zeigte sie sich sehr erstaunt über das plötzliche Interesse an der Skulptur. Kreuder ist eine renommierte Bildhauerin, die sich auf die Schaffung von menschlichen Skulpturen spezialisiert hat.

Den „Eros“, wie sie diese Figur nannte, hat sie in dieser Größe etwa 25 Mal entstehen lassen. Mehr Exemplare gibt es davon nicht. Und das auch der Rhyneraner „Eros“ aus ihrer Hand stammt, sei zu hundert Prozent sicher, bestätigt sie. Er müsse etwa 15 bis 20 Jahre alt sein und in einer Galerie in Deutschland verkauft worden sein, sagt sie. Wo genau, könne sie nicht sagen.

Die Skulptur aus Bronze sei 54 Zentimeter hoch und wiege rund 16,5 Kilogramm.

Dass sie auf diese Weise vom Verbleib eines ihrer Kunstwerke erfahren würde, amüsierte sie natürlich. Allerdings konnte sie kaum glauben, dass ihr durchaus wertvoller „Eros“ ohne Sicherung einfach nur so abgestellt worden ist. Und offenbar hat auch sonst niemand damit gerechnet, dass die Figur dort unbefestigt steht und eigentlich gar nicht so wirklich dort hingehörte. Denn zumindest der Wert des Materials hätte sonst vermutlich schnell das Interesse von „Sammlern“ geweckt – zumal bei einem Objekt so nahe der Autobahn und der Bundesstraße. Aber sie blieb wochenlang stehen. Vielleicht war dies auch ein Beleg dafür, dass die beiden Figuren optisch sehr gut miteinander harmonierten ...

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