Zuschauermagnet

Bloß nicht reingehen: Mohnfeld „leidet“ unter neugierigen Besuchern - besser nur gucken

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Peter Markett in seinem Mohnfeld in Berge. Besucher haben mittlerweile regelrechte Trampelpfade in das Feld getreten, so dass die Blütenpracht schon gelitten hat.

Berge – Es ist in diesen Tagen der Hingucker in Berge. Das rote Mohnfeld im Kreuzungsbereich Ostdorf/Fischerstraße hat sich zu einer kleinen Touristenattraktion entwickelt. Allerdings schaut der Besitzer Peter Markett mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das bunte Treiben rund um sein Grundstück. Denn es gibt auch viele Besucher, die sehr achtlos mit der Naturschönheit umgehen.

Spätestens seit der Westfälische Anzeiger auf seinem Youtube-Kanal per Drohne die schönen Bilder als Video präsentiert, sind auch vermehrt Autos mit auswärtigen Kennzeichen am Mohnfeld in Berge zu sehen, berichtet Markett. Dagegen habe er auch nichts. „Das Video ist richtig toll geworden. Die Berger sind stolz auf die Schönheit ihres Stadtteils“, erklärt Markett.

Aber der Bekanntheitsgrad des Feldes sei gestiegen und der Foto-Tourismus habe seine Nachteile. Denn viele Menschen stapfen völlig arglos in das Feld, um dort schöne Aufnahmen zu machen. Einige kommen mit einer richtig professionellen Foto-Ausrüstung.

Trampelpfade im Feld

„Es sind mittlerweile richtige Trampelpfade entstanden“, klagt Markett. Auch das Aufstellen von Hinweisschildern habe nichts bewirkt. „Die Schilder werden zum Teil einfach umgelaufen“, kann er die Ignoranz mancher Menschen nicht verstehen. Er selbst spreche die Menschen freundlich an, sofern er sie überhaupt zu Gesicht bekommt, und versuche aufzuklären. Oft sei dann festzustellen, dass sie über die Folgen gar nicht nachdenken. „Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie meine Ernte zerstören“, so Markett.

Denn auf dem Feld hat er in erster Linie Gerste eingesät, die er natürlich gewinnbringend abernten möchte. Und da er in Zusammenarbeit mit Biobauer Franz Frölich biologischen Anbau betreibe, habe sich die Mohnpflanze dort entwickelt, beschreibt er. Es sei ein Prozess der vergangenen fünf Jahre ohne Giftspritzen. „Der Samen der Mohnpflanzen befindet sich im Boden. Der kommt dann irgendwann von alleine durch“, habe Markett gar nicht aktiv die rote Farbenpracht erzeugt. In diesem Jahr sei es eben besonders schön geworden.

Feld noch zwei Wochen Zuschauermagnet

Etwa zwei Wochen werde das Feld noch zu bewundern sein, dann würden die Blüten langsam verblühen. Und dann werde die Gerste auch schon bald abgetragen. Dann ist der Zuschauermagnet vorerst Geschichte. Ein großer Verlust für seine Ernte sei der Mohn übrigens nicht. „Natürlich würde an dieser Stelle Gerste stehen, wenn ich spritzen würde“, gibt er zu. Aber beim Säubern der Gerste lasse sich der Mohn leicht trennen. Das sei nicht störend.

Abgesehen von den platt getretenen Pflanzen nennt Markett noch einen weiteren wichtigen Grund, nicht in dieses hoch gewachsene Feld zu gehen. Er gehe davon aus, dass junge Rehkitze dort hocken. Sie werden von den Muttertieren im Schutze der Pflanzen abgesetzt. Jeden Abend sehe er einige Rehe dort, berichtet er. „Und diese Tiere sollten wir Menschen in Ruhe lassen. In den Feldern haben wir einfach nichts zu suchen“, setzt er auf die Vernunft.

Appell: Bitte auf den Wegen bleiben

Ohnehin beobachte er seit einigen Wochen, dass die Menschen vermehrt mitten durch Feld und Flur spazieren gehen, zum Teil mit unangeleinten Hunden. „Ob das auch eine Corona-Auswirkung ist?“, fragt sich der Landwirt. Die Menschen seien jedenfalls mehr in der Natur unterwegs. „Aber dann sollen sie bitte auf den Wegen bleiben.“ Auch auf den Hinweisschildern in seinem Mohnfeld weist er freundlich darauf hin: Fotos von außerhalb dürfen gerne gemacht, aber bitte nicht im Feld.

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