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Bewohner des Kinderheims in Rhynern sitzen auf gepackten Koffern

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Von: Jörg Beuning

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Das Malteser-Kinderheim an der Reginenstraße in Rhynern zieht Ende Januar aus. Eine Nachnutzung für das Haus Helm steht noch nicht fest.
Das Malteser-Kinderheim an der Reginenstraße in Rhynern zieht Ende Januar aus. Eine Nachnutzung für das Haus Helm steht noch nicht fest. © © Andreas Rother

Die Mitglieder der Nano-Wohngruppe aus Rhynern sitzen auf gepackten Koffern. Sie werden das ehemalige Haus Helm an der Reginenstraße und damit den Ort Rhynern verlassen.

Rhynern - Für sie ist in den vergangenen Monaten ein neues Zuhause am Hülsweg in der Mark gebaut worden. Der Umzug ist für Ende Januar geplant. Wer anschließend in das einstige Gaststätten- und Hotelgebäude im Schatten der St.-Regina-Kirche ziehen wird, ist noch nicht bekannt. Die Malteser werden das Haus noch von innen renovieren und im Frühjahr verlassen.

Zwölf Jahre lang haben die Kinder gemeinsam mit ihren Betreuern für Leben in dem denkmalgeschützten Gebäude gesorgt. Zehn Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 14 Jahre bewohnten dort die Hotelzimmer von früher. Das Besondere dabei: Jeder hatte sein eigenes kleines Bad. Und auch so boten die großen Gasträume im Erdgeschoss ausreichend Platz für Spielräume, eine eigene kleine Schule sowie Büroräume für die Betreuer. Therapieräume waren zudem unweit des Hauses an der Unnaer Straße angemietet.

Es fehlte ein Garten als Spielfläche

Und trotz der vielen Vorteile des Gebäudes war es dann doch nicht das perfekte Domizil für ein Kinderheim mit Bewohnern in dieser Altersklasse. In erster Linie fehlte ein Außengelände mit Garten. Die Kinder spielten quasi auf dem Parkplatz vor der Tür oder auf dem Kirchplatz. Richtiges Toben, Ball spielen oder mit dem Fahrrad fahren war dort nicht möglich, zumal die viel befahrene Reginenstraße an dieser Stelle schlecht einzusehen ist. Und so reifte dann immer mehr die Idee, Rhynern zu verlassen und ein kindgerechteres Haus zu beziehen.

„Wir gehen auf jeden Fall mit einem lachenden und weinenden Auge. Die Zeit hier war gut“, versicherte der Regionalleiter der Abteilung Jugend und Soziales bei den Maltesern, Patrick Portmann. Denn das Haus habe trotz der genannten Nachteile seinen Charme gehabt. Und vor allem die Infrastruktur im Ort Rhynern mit Geschäften, die nur einen Steinwurf entfernt sind, und mit den Schulen, Vereinen und anderen Einrichtungen wie das Jugendzentrum hätten die Mitarbeiter und Kinder stets sehr zu schätzen gewusst. Ohnehin war das Kinderheim im Ort sehr gut integriert. Zum Weihnachtsmarkt öffnete das Haus selbst seine Türen und lud die Besucher ein. Gab es Spendenaktionen im Ort, so dachten die Initiatoren stets auch an die Kinder im „Haus Helm“. Sie waren fest im Dorfleben integriert.

Eine gute Nachbarschaft ist wichtig

So hatte es im Ort, vor allem in der direkten Nachbarschaft, selten Klagen abseits des normalen „Kinderlärms“ gegeben. „Die gute Nachbarschaft ist uns auch immer wichtig gewesen“, betont die kommissarische Einrichtungsleiterin Gabriele Ahlert. Das sei ihr auch im neuen Zuhause in der Mark sehr wichtig. Daher hatten Ahlert und Portmann jetzt auch zu einem Kennenlernen ins „Haus Helm“ geladen und dabei vor allem an die neuen Nachbarn gedacht. Die haben seit Monaten mit den Beeinträchtigungen und Belästigungen der Baustelle zu leben und beklagen die nicht vorhandene Kommunikation mit dem Bauherrn. Das sind nicht die Malteser, sie werden in die neue Immobilie als Mieter einziehen. „Aber wir werden natürlich vermitteln, damit die Probleme mit den Nachbarn sofort aus dem Weg geräumt werden“, versicherte Ahlert.

Auch in der Mark werden zehn Kinder, meistens Jungen, im Alter zwischen acht und 14 Jahren einziehen. Diese Kinder können aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihren Familien leben. Ziel der Malteser ist es, ihnen ein neues Zuhause zu geben und den Rückkehr in die Gesellschaft zu erleichtern. Sie werden in zwei Gruppen betreut.

Die Geschichte des Hauses

Der Kaufmann und Gastwirt Franz Helm hatte das Anwesen 1883 erworben. Vier Häuser wurden am Kirchplatz abgerissen, um den heute bekannten Neubau zu errichten, der 1904 eingeweiht wurde. Fortan wurde es als Gaststätte und später Hotel betrieben, ehe es einen Eigentümerwechsel und schließlich den Einzug der Jugendgruppe gab. 1990 erhielt das Gebäude den Eintrag in die Denkmalliste. Dort heißt es: „An der Erhaltung und Nutzung des Gebäudes besteht aus städtebaulichen und künstlerischen Gründen ein öffentliches Interesse. Es ist bedeutend für den Stadtteil Rhynern.“

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