Dem Reitverein Heessen läuft die Zeit davon

Die Vereinskassiererin Brigitte Friggemann und der Vorsitzende Reiner König sind angesichts der vielen Unwägbarkeiten von großen Sorgen geplagt. J Fotos (2): Best

HEESSEN ▪ Die Flammen sind längst gelöscht, der Qualm hat sich verzogen, doch der Reit- und Fahrverein Heessen wird noch lange mit den Folgen des Brandes zu kämpfen haben, der in der Nacht zum 12. Juli vorsätzlich gelegt worden war.

Zwei Tiere verendeten qualvoll im Feuer, und noch immer ist nicht klar, wie hoch der finanzielle Schaden ist. Gar nicht in Zahlen fassen lässt sich die psychische Belastung der Mitglieder und der Verantwortlichen.

Reiner König, Vorsitzender des Vereins, ist vor allem froh, dass der Feuerwehrfrau, die durch eine einstürzende Mauer erfasst worden war, nichts Schlimmeres geschehen ist. Insgesamt spricht er der Feuerwehr ein ganz großes Lob aus: „Der Einsatz ist hervorragend gelaufen. Alle Wehrleute waren immer ansprechbar für uns und sie waren sehr freundlich. Außerdem konnte ich jetzt feststellen, wie wichtig auch eine Freiwillige Feuerwehr ist. Die hat die Berufsfeuerwehr sehr gut unterstützt.“

Trotz der großen Einschränkungen habe man den Reitbetrieb weitgehend aufrecht erhalten können, berichtet Kassiererin Brigitte Friggemann. Auch der Ferienspaß sei nicht ausgefallen und man habe noch ein schönes Abschlussfest feiern können. Man habe aber das Herbstturnier im Oktober absagen müssen. Für den Verein sei das ein großer finanzieller Verlust. Das Hallenturnier im Frühjahr und das Sommerturnier würden aber wieder stattfinden.

Mitglieder und Pferdeuntersteller zeigten in dieser Lage einen großen Zusammenhalt. Natürlich seien viele Tiere momentan in anderen Anlagen untergebracht. „Aber Niemand stellt sein Pferd künftig woanders unter. Da merkt man, wenn's drauf ankommt, halten alle zusammen“, sagt sie.

Große Solidarität habe der Verein auch von den umliegenden Landwirten erhalten. Sie holten Heu und Stroh von anderen Betrieben und engagierten sich auch vielfältig auf andere Weise. Das sei nicht selbstverständlich. Außerdem bekomme der Verein Spenden von Menschen, die sie gar nicht kenne. Auch ihnen sei sie sehr dankbar. Doch trotz aller Solidarität hat der Verein große Probleme.

Komplett vernichtet ist das Heu, das in der abgebrannten Halle lagerte. Es war die erste Ernte und von besonders guter Qualität. „Daher haben wir in diesem Jahr mehr eingekauft“, berichtet Friggemann. Diesen Verlust gilt es zu ersetzen. Doch die Lagermöglichkeiten werden auf nicht absehbare Zeit fehlen. Ebenso steht jetzt die Weizenstroh-ernte bevor. Auch das ist für die Pferdehaltung optimal. „Wir wissen nicht, wo wir es unterbringen sollen. Und die Zeit läuft uns weg“, sagt König. „Wir hoffen, dass wenigstens das Futterlager vor dem Winter wieder steht.“

Die weitere Planung ist aus mehren Gründen problematisch. So ist zum Beispiel die Schadensermittlung noch nicht abgeschlossen. Neben dem Gebäude und dem Heu ist auch sehr viel Inventar vernichtet worden: unter anderem eine komplette Werkstatt, der Getreidesilo und die Getreidequetsche. Den Abbruch des Gebäudes musste der Verein auf Verlangen der Versicherung nach EU-Recht ausschreiben. Vielleicht in zwei Wochen wird klar sein, wer die Arbeiten erledigt und wann es geschieht. Überprüft ist auch noch nicht die Statik des Restgebäudes. Die Boxengasse kann vorher nicht genutzt werden. Unsicher ist weiterhin, ob Heu und Stroh wieder so nah an den Stallungen gelagert werden dürfen. „Wir wissen noch nicht, ob die Versicherung oder die Stadt uns Auflagen machen“, berichtet König.

Vernichtet wurde durch den Brand das letzte Gebäude des Ursprungshofes Haus Dasbeck. Um das ganze Heu schnell herausholen zu können, musste eine Seitenwand eingerissen werden. Erst vor zwei Jahren hatte der Verein dessen Giebelwand komplett saniert. Auch die Elektrik war von einer Fachfirma komplett erneuert worden. Bereits beim ersten Brand, den der Täter nur eine Nacht zuvor absichtlich an der Reithalle gelegt hatte, war durch brennendes Stroh deren Giebelwand stark beschädigt worden. Auch diese Holzkonstruktion hatte der Verein vor zwei Jahren komplett überholen lassen. Ruiniert ist weiterhin der Reitplatz. Hierhin wurde das Heu gebracht. Auch Tage später musste die Feuerwehr immer wieder aufflackernde Glutnester löschen.

Der Schock sitzt vielen noch in den Gliedern. Sobald sie Sirenen hört, vor allem in der Nacht, läuft bei Brigitte Friggemann der Film wieder ab. Und das ist ein Horrorstreifen. Sie war eine der ersten am Brandort und hat das schrille Wiehern der Pferde noch im Ohr. Sie hat die panischen Tiere aus dem Stall geholt. „Manche rannten immer wieder in ihre Boxen zurück, weil sie sich dort bisher sicher fühlen konnten“, berichtet sie. Auch die beiden verbrannten und völlig entstellten Pferde hat Friggemann gesehen und kann diesen Anblick nicht einfach aus ihrem Gedächtnis löschen. „Der Täter hat klar in Kauf genommen, dass Menschen und Tiere zu Schaden oder zu Tode kommen. Es ist ein Wunder, dass den Helfern nicht mehr passiert ist“, sagt Friggemann. J jim

Wer dem Verein helfen will, kann sich unter Telefon 6 30 50 melden.

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