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Banden und Rasern auf der Spur - Wie sicher ist der Stadtbezirk Uentrop?

Christiane Degelmann und Thorsten Lülf sind als Bezirksbeamte immer wieder im Maxicenter im Einsatz.
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Tatort und Treffpunkt „freundlicher“ Uentroper zugleich: Die Polizeihauptkommissare Christiane Degelmann und Thorsten Lülf sind als Bezirksbeamte immer wieder im Maxicenter im Einsatz.

Auf dem Papier gibt nur relativ wenige Straftaten im Stadtbezirk Uentrop. Doch Zahlen können trügerisch sein. Wie steht es also tatsächlich um die Sicherheit im Stadtbezirk? Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel.)

Hamm - Manchmal ist es gut, ein Schlusslicht zu sein: Gemessen an der Einwohnerstärke verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr im Stadtbezirk Uentrop wieder eine der niedrigsten Zahlen an Straftaten. Nur Rhynern steht ein kleines bisschen besser da. Alles gut im Osten von Hamm? So einfach ist das nicht. Ein Opfer von Straftaten sieht die Dinge nicht statistisch, sondern als persönlich Betroffener. Wie steht es um die Sicherheit im Stadtbezirk Uentrop? Darum geht es im achten Teil unserer Serie „Was braucht Uentrop?“.

Christiane Degelmann und Thorsten Lülf sind Experten in Sachen Sicherheit im Bezirk. Die Polizeihauptkommissare sorgen sogar dafür. Die inoffizielle, aber anerkennende Bezeichnung „Dorfsheriffs“ haben sich die Bezirksbeamten durch ihren bürgernahen Einsatz erarbeitet. Die Jüngeren wachsen buchstäblich mit ihnen auf. Für Jugendliche und Erwachsene können es auch mal unangenehme Begegnungen sein. Für die Beamten gehört das zum „Job“. Der ist vielfältig.

Einbruchserie

Nirgends wurde in jüngster Zeit öfter im Stadtbezirk eingebrochen, als in den Lotto- und Tabakladen im Edeka des Maxicenters. Seit 2019 hat die Polizei sieben Einbrüche verzeichnet. In einem Fall blieb es beim Versuch. Aufgeklärt sind die Fälle nicht. Auch wenn die Polizei „nah dran“ gewesen sei, wie Degelmann sagt. Der Bezirksdienst unterstützt in solchen Fällen andere Abteilungen der Polizei. Die Täter hinterließen DNA-Spuren. Die führten allerdings bislang nicht weiter. Bei der Täterklientel handele es sich nach Polizeiangaben „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ um „reisende“ Banden aus dem südosteuropäischen Bereich.

Wenn auch die Zahl der Wohnungseinbrüche im Stadtbezirk seit Jahren auf einem niedrigen Niveau ist, gelten sie dennoch für Betroffene als sehr belastend. Neben oft reparablen Schäden hinterlassen Einbrecher Angst bei den Geschädigten. Die psychischen Folgen können heftig sein.

Raser & säumige Zahler

An Großeinsätzen wie vor drei Jahren gegen Darknet-Dealer in Werries sind die Bezirksbeamten nicht beteiligt, aber darüber gut im Bilde. Sie wissen, was in „ihrem“ Stadtbezirk passiert. Dazu gehören eine Vielzahl an laufenden Verfahren, die sie täglich beschäftigen. Denn es gibt eine Reihe von Leuten im Hammer Osten, die in Konflikt mit dem Gesetz geraten sind. Es muss nicht gleich ein Haftbefehl (bis zu einem halben Jahr) sein, den die beiden vollstrecken. So geht es oft um Raser, gerichtliche Benachrichtigungen und unbezahlte Bußgelder, wie ein beispielhafter Vormittag zeigt: Aufenthalts- und Fahrerermittlungen liegen an.

Die Adresse nahe des Kurparks gehört zu den besseren in Hamm. Degelmann und Lülf haben ein Schreiben des Bayerischen Polizeiverwaltungsamtes. Darin ein Foto einer Geschwindigkeitsüberwachungskamera. Irgendetwas macht das Gesicht der Fahrerin fast unkenntlich. 107 statt 80 Kilometer in der Stunde ist sie gefahren. Wer ist die Frau? Die Bezirksbeamten sind schon mal hier gewesen. Diesmal öffnet die Bewohnerin die Haustür. Sie wirkt nervös, weiß aber Bescheid. Die Frau verweist auf ihr „Zeugnisverweigerungsrecht“, als ihr die Beamten das Foto zeigen. Sie wählt den falschen Begriff, auch wenn Lülf sie vorher über ihr „Auskunftsverweigerungsrecht“ vorschriftsgemäß aufgeklärt hat. Das Ergebnis ist das gleiche: Die Frau muss sich nicht äußern, wenn sie sich oder einen Angehörigen in die Situation einer Verfolgung wegen einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit bringt.

Die Polizeibeamten bleiben dran. Sie haben weitere Möglichkeiten. Von mehreren Nachbarn treffen sie aber nur einen an. Der erkennt die Frau auf dem Foto nicht...

Bei der nächsten Aufenthaltsermittlung in einem Haus in Hamm-Osten öffnet wieder mal keiner. Die Fenster stehen auf kipp, aber aus den Wohnungen dringt kein Geräusch. Eine Kamera ist auf die Haustür gerichtet. Degelmann und Lülf inspizieren den Briefkasten. Er quillt fast über. Der Name des Gesuchten ist auf mehreren Schreiben zu lesen und der von weiteren Bewohnern mit gleichem Nachnamen. Interesse an ihrer Post haben sie nicht. Die Beamten werden auch diesmal ihr Schreiben des Amtsgerichts nicht los. Was drin steht, wissen sie nicht.

Beim nächsten Fall sind die beiden erfolgreicher. Ein Mann aus Ostwennemar ist einer Aufforderung zur Vernehmung nicht gefolgt. Die Kriminalpolizei hat Degelmann und Lülf mit Zusatzinfos über den Mann und zur Einschätzung der Lage mitgeteilt. Die beiden müssen allerdings nur klären, ob er dort wohnt. Das erfahren sie vor allem über die Nachbarn. Der Gesuchte ist nicht zu Hause oder macht die Tür nicht auf, wie es die Regel sei. Die Miete zahle er nicht, der Strom sei abgestellt, aber mit einem teuren Auto sei er vor Kurzem vorgefahren, berichten sie. Ausgestattet mit der Telefonnummer der Hausverwaltung setzen die Bezirksbeamten die Recherche später fort.

Jugendgruppen

Degelmann und Lülf setzen auf Konfliktvermeidung, auf das Gespräch und die Einsicht. Einen „positiven Fall“ erlebten sie während des Corona-Lockdowns. So schwierig wie die Zeit für die jungen Menschen gewesen ist, die von Passanten gemeldeten Pöbeleien durften nicht sein. „Sie waren frech und hielten sich nicht an Regeln“, sagt Lülf über die „Fahrradgang“. Aber: „Es war kein drankommen“ – bis zu einem Dienstschluss. Nahe der Bezirksverwaltungsstelle, wo die Bezirksbeamten ihr Büro haben, sprach ihn ein Jugendlicher an, ob er jetzt Feierabend habe – und die Jugendlichen freie Bahn? Lülf nutzte die Gelegenheit. „Wir kamen ins Gespräch“, sagt er. Ein Jugendlicher rief dann die anderen herbei: „Könnt kommen, der ist in Ordnung.“

Dennoch ging die Geschichte für den einen oder anderen weiter. Nach einer Beschwerde schnappte ein Polizeibeamter in zivil einen Jugendlichen und nahm seine Personalien auf. Letztlich fruchteten aber die Gespräche. „Sie haben die Gruppe zum Umdenken gebracht“, sagt Lülf. „Es geht darum, einen guten Draht zu den Leuten zu bekommen“, sagt Degelmann. „Sie sollen wissen, dass Polizei nicht nur sanktioniert.“ Über den Strafverfolgungszwang dürfen sich die Polizeibeamten nicht hinwegsetzen, „bei Ordnungswidrigkeiten haben wir aber einen gewissen Spielraum“, erklärt Lülf.

Funpark

An anderen Orten ist nicht klar, wodurch das Sicherheitsgefühl der Uentroper getrübt ist. Ist es nur ein Gerücht, dass im Funpark „Am Wellenbad“ Drogen verkauft und konsumiert werden? „Ich will nicht ausschließen, dass da was dran sein könnte“, sagt Lülf, „aber es fehlen die Beweise.“ Einmal wähnte er sich erfolgreich. Beim Blick in einen Mülleimer meinte er gut ein Dutzend Bubbles (ballförmig abgepackte Drogenportionen) gefunden zu haben. Aber es waren nur kleine, unbedeutende Tütchen. Aus polizeilicher Sicht gilt der Funpark als unauffällig. Die Polizei registrierte hier in den vergangenen Jahren nur wenige Straftaten, keine in Zusammenhang mit Drogen.

Dorfsheriffs

Das Vertrauen in die Polizei und in die Beamten des Bezirksdienstes ist groß. Ob Fahrraddiebstahl, heimlich aufgenommene und im Internet gepostete Videos von Lehrern, „die Bürger wenden sich erst an uns, weil sie uns kennen“, sagt Lülf.

Von klein auf lernen die Uentroper sie kennen: in der Kita beim Kids-Führerschein, bei der Radfahrausbildung, als Verkehrshelfer, bei den teils chaotischen Bringdiensten vor Kitas und Schulen … Kein Wunder, dass den Dorfsheriffs bei der Fahrt durch den Stadtbezirk immer wieder Kinder zuwinken oder beim Gang durch die Stadtteile Bekannte grüßen.

„Der Ostener Bürger ist freundlich und geduldig“, sagt Lülf. Und er ist hilfsbereit, wie das „Paradebeispiel“ bei der Aufenthaltsermittlung in der Mark zeige. Die Menschen kennen in der Regel einander, und wenn nicht, „ist das nicht dramatisch“, sagt Degelmann. Soziale Brennpunkte gebe es im Stadtbezirk nicht, allenfalls kleinere auffällige Bereiche.

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