Reisebüros in Turbulenzen: Keine Einnahmen und viel Bürokratie

Scheibe, Mundschutz – und viele Sorgen: Cordula Hermann vom Reisebüro Hermann bleibt dennoch positiv.
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Scheibe, Mundschutz – und viele Sorgen: Cordula Hermann vom Reisebüro Hermann bleibt dennoch positiv.

Sommer, Sonne, Strand – eigentlich das, was viele Familien für die Sommerferien geplant hatten. Bis Corona kam. Auch die Reisebüros hatten andere Pläne. Viele haben seit Monaten keine Einnahmen. Geld vom Staat komme zwar an, darf aber nicht mehr als die laufenden Betriebskosten decken. Und trotzdem gibt es viel Arbeit.

Hamm – Nord- und Ostsee, Berge, sowie die angrenzenden Länder Belgien, Österreich und Holland stehen in den Sommerferien auf dem Reiseplan der Hammer. „Aber bei Urlaub in Italien oder Urlaub in Kroatien hört es auch schon wieder auf“, erzählt Anja Rossa, Inhaberin des TUI Travel-Star Reisebüros Kubutsch in Hamm.

Auch Melanie Friedrichs, Büroleitung von DERPART Reisebüro Hamm, kann das berichten. Ihre Kunden steuern – wenn überhaupt – ebenfalls Ziele in Deutschland an. „Sofern man noch etwas findet“, sagt sie, denn viele Ferienwohnungen seien schon ausgebucht.

Gewinner und Verlierer

Auch Camping ist beliebt, sagt Rossa, allerdings schon seit etwa zwei Jahren. Durch Corona sei dies noch weiter gestiegen. Hotels vermittelt Friedrichs nur vereinzelt, Kreuzfahrten, Fern- und Flugreisen werden fast alle storniert. Reisen abwickeln, die nicht stattgefunden haben: „Das ist leider gerade unsere Hauptbeschäftigung“, erzählt sie.

Auch für den Herbst und für das nächste Jahr sind die Anfragen noch sehr verhalten. Einige haben Kreuzfahrten oder andere Reisen auf den kommenden Sommer umgebucht, neue Reservierungen seien bisher kaum getätigt worden. Cordula Hermann, Inhaberin des Reisebüros Hermann, macht dafür allerdings nicht nur Corona verantwortlich: „Viele haben noch gar keinen genehmigten Urlaub.“

Verunsicherung in Bevölkerung

Trotzdem ist es für Interessenten schwer planbar, was im nächsten Jahr sein wird, die Verunsicherung sei deutlich spürbar, so Rossa. Dafür macht sie auch Außenminister Heiko Maas verantwortlich. Mit seinen Aussagen, dass es keine zweite Rückholaktion geben werde, habe er sich in ihren Augen missverständlich ausgedrückt: Dies gelte nämlich nur für Individualreisende, „alle Pauschal-reisenden werden selbstverständlich vom Veranstalter zurückgeholt“, betont sie.

Selbst wenn Urlauber aus Corona-Risikogebieten kommen, heißt das nicht zwingend, dass sie keinen Urlaub machen dürfen. Das hat Melanie Friedrichs miterlebt. Vier ihrer Kunden kommen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf und wollten genau während der dort vermehrten Corona-Fälle wegfahren. Friedrichs kontaktierte die Hotels, und nach einem negativen Test-Ergebnis durften sich alle auf den Weg in den Urlaub machen.

Keine Einnahmen und viel Bürokratie

Seit fast vier Monaten erleben die Reisebüros diese Situation, was nicht spurlos an ihnen vorbeigeht: „Es läuft überhaupt nicht gut“, stellt Anja Rossa vom TUI Travel-Star Hamm fest. Denn seit März gibt es keine Einnahmen. Die Büros bekommen für jede durchgeführte Reise, die sie vermittelt haben, eine Provision von den Hotels – aber eben nur für jede durchgeführte Reise.

Da kaum jemand in den Urlaub fährt, bleiben genau diese Einnahmen aus. Zudem gehe das Geschäft mit Camping und Ferienwohnungen fast vollständig an ihnen vorbei, solche Reisen würden oft auf eigene Faust gebucht. Nothilfe haben zwar alle drei bekommen, allerdings ist diese nur für die laufenden Betriebskosten gedacht.

Wünsche der Betriebe

Lebensunterhalt oder Gehälter werden damit nicht abgedeckt. Und um diese zu bekommen, ist viel Büroarbeit fällig, um alle Einnahmeausfälle zu belegen. Die Hoffnung liegt nun auf der zweiten Überbrückungshilfe vom Bund. Hier wünschen sich die Betriebe eine genauere Anpassung an diese Umstände.

Trotzdem blicken alle drei Reisebüros relativ positiv in die Zukunft: „Es muss weitergehen“, sagt Hermann. Die meisten Veranstalter seien kulant, und auch die Kunden zeigten in den vergangenen Wochen viel Verständnis. „Das hilft mir, positiv zu bleiben“, sagt sie.

Neue Konzepte geplant

Durch private Unterstützung und gutes Wirtschaften in den letzten Jahren werden vermutlich alle drei Reisebüros die Krise überstehen – auch wenn es natürlich nicht leicht ist momentan.

„Wir werden mit neuen Konzepten an den Markt gehen“, ist sich Anja Rossa sicher. Beispielsweise mit Terminvergaben statt Öffnungszeiten oder Beratungsentgelten, um Beratungsklau zu verhindern. Für das Erste meint sie aber: „Wir hoffen, dass die Kunden ihre Angst vor dem Reisen verlieren und ihre Reisen wieder antreten können und wollen.“

Viele Touristen fragen sich mit Blick auf ihre bevorstehenden Reisen derzeit: Ist Urlaub in Kroatien trotz Coronavirus sicher? Die Zahlen in dem beliebten Urlaubsland steigen derzeit weiter an.

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