Düstere Prognose

Maue Geschäfte: „Corona gibt dem Einzelhandel den Todesstoß“

BArbara Sander sitzt am Schreibtisch
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Sieht große Probleme: Die HWG-Vorsitzende Barbara Sander zur Corona-Krise und zum Internethandel.

Der Einzelhandel hat nicht erst seit dem Ausbruch des Coronavirus schwer zu kämpfen. Schon vorher machte vor allem das Internet den Geschäftsleuten vor Ort das Leben schwer. Das ist in Heessen nicht anders, wie die Vorsitzende der Heessener Werbegemeinschaft (HWG) und Inhaberin eines Reisebüros, Barbara Sander, auch am eigenen Leib zu spüren bekommt.

Heessen – Sie wagt eine düstere Prognose: „Corona gibt dem Einzelhandel den Todesstoß und für den Internethandel ist die Pandemie ein Turbo.“ Die Hauptbeschäftigung in ihrem Reisebüro, das sie seit 2004 am beziehungsweise in der Nähe des Heessener Marktplatzes betreibt, seien zurzeit vor allem Absagen und Stornierungen von Reisen. (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner179.111 (2019)

Reisen und Corona: Verbesserung erst im Oktober?

Vermutlich sei erst im Oktober mit einer Verbesserung der Situation zu rechnen, sagt sie. Die Bedingungen rund ums Testen änderten sich ständig: „Da ist es einfach unmöglich zu planen. Die Kunden sind verunsichert“, weiß Sander aus ihrer Erfahrung. Nicht zuletzt sei ein PCR-Test ein teurer Spaß. Für andere Einzelhändler seien die Probleme ebenfalls offensichtlich. „Die Lager sind voll, aber niemand kann etwas kaufen“, weiß sie von ihren Kollegen.

„Und niemand wird einen Test machen, nur um in einem Geschäft in Heessen ein T-Shirt zu kaufen“, ist sie überzeugt, dass es auch nach den Lockerungen keinen Ansturm auf die Heessener Geschäfte geben wird. Viele Menschen blieben zudem lieber zuhause, weil sie Angst vor eine Ansteckung mit Corona hätten. Dazu komme noch ein unglaublicher Berg Bürokratie. Und sei es nur, um zum Beispiel die Kurzarbeit zu beantragen und abzurechnen. „Das ist zurzeit meine Hauptbeschäftigung, und zwar ohne Einkünfte zu machen.“

Sander: „Internet ist modern, nicht unbedingt besser“

Dass sich viele aufs Internet stürzen, ist für sie fast verständlich. „Internet ist modern, nicht unbedingt besser. Aber es hat sich etabliert. Zwar vor allem noch bei jüngeren Menschen, aber mehr und mehr Ältere haben es auch schon für sich entdeckt“, weiß die HWG-Vorsitzende. Es sei einfach sehr bequem, etwas zu kaufen und – wenn es nicht zusagt oder passt – einfach wieder zurückzuschicken.

Einzelhändler vor Ort könnten sich ein Shop-System im Internet meist nicht leisten. „Dahinter steckt meist eine enorme Lagerhaltung. Schließlich muss alles, was man dort anbietet, auch vorrätig sein.“ Für einen Händler vor Ort kaum umsetzbar. „Wir haben hier vor Ort ja noch viele gute Geschäfte. Die Frage ist eigentlich nur: Wie lange noch, wenn immer mehr Menschen im Internet kaufen?“

Deutliche Aufwertung des Standorts durch Baumaßnahme?

Dennoch fehle vielen Menschen auch das Einkaufserlebnis vor Ort – vor allem zur Corona-Zeit. Das habe sie oft genug herausgehört. Herausgehört hat sie in vielen Gesprächen auch, dass Geschäftsleute wie auch Kunden große Erwartungen an den neuen Marktplatz haben. „Viele finden es schon toll, dass der Marktplatz überhaupt erneuert wird und freuen sich auf die Fertigstellung“, sagt Barbara Sander.

Die Heessener versprächen sich eine deutliche Aufwertung des Standortes und auch positive Auswirkungen für die Geschäfte am und um den Marktplatz. Ein großes Lob hat sie auch für die ausführende Baufirma. „Die Bauarbeiter haben sich sehr flexibel gezeigt. Da wurde immer darauf geachtet, nicht zu viele Parkplätze zu blockieren oder auch mal eine Absperrung weg zu nehmen, wenn es mit den Parkplätze knapp wurde“, sagt sie.

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