Altersarmut

Reicht die Rente? Staatliche Hilfen vielfach nicht genutzt

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Symbolbild.

Hamm – Auf dem Papier geht es den Rentnern in Hamm gut. Das Rentenniveau liegt hier über dem Bundesschnitt, und die Lebenshaltungskosten inklusive solcher für die Miete sind geringer als vielerorts in NRW. Mehr als 35.000 Rentenbezieher leben in der Stadt – die Tendenz ist steigend. Trotz der positiven Eckdaten spricht vieles für die These, dass insbesondere Witwen in Hamm häufig zu wenig Geld zur Verfügung haben und unter die Armutsgrenze fallen. Staatliche Hilfen gäbe es für sie, doch die Angebote werden – vermutlich aus Scham oder Unwissenheit – vielfach nicht genutzt.

800 Euro: Das ist der Betrag, den die Stadtverwaltung auf WA-Anfrage als groben Richtwert benennt und der für einen Selbsttest relevant ist. Wer Rentner ist und weniger als diese 800 Euro im Monat zur Verfügung hat, sollte seine Situation nicht bloß überdenken, sondern Kontakt zur Hammer Sozialverwaltung aufnehmen. Telefonisch sollte zunächst ein Termin mit den Mitarbeitern im Sozialamt verabredet werden; die anschließende Beratung erfolge diskret und unkompliziert, versichert die Stadtverwaltung gegenüber unserer Zeitung.

Grundsicherung bei Einkünften unter 800 Euro

Die 800 Euro beziehen sich dabei nicht nur auf die Altersrente, sondern auf alle erzielten Einkünfte. Betriebsrenten, Mieteinkünfte, private Altersvorsorge: Alles muss zusammengerechnet werden. Kommt dann unterm Strich dennoch ein Betrag von weniger als 800 Euro heraus, ist man in Hamm ein Kandidat für die staatlicherseits erteilte Grundsicherung. Zu berücksichtigen sind ferner die privaten Vermögensverhältnisse.

1.344 Personen, die älter als 65 Jahre sind, bekommen in Hamm derzeit Grundsicherungszahlungen. Valide Angaben, wie viele Hammer Senioren eigentlich einen Anspruch darauf hätten, gibt es nicht. Nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung in Westfalen bezogen im Jahr 2017 (Zahlen für 2018 sind noch nicht erfasst) aber in Hamm 19.383 Frauen und 15.645 Männer Rentenzahlungen.

Männer bekommen mehr, Frauen weniger als im Bundesschnitt

Der durchschnittliche Zahlbetrag lag bei 561,68 Euro an Frauen aus Hamm und bei 1.270,37 Euro an die hier lebenden Männer. Zusatzeinkünfte sind darin nicht eingerechnet, ebenso fehlen in der Auflistung die Witwen und Witwer. Während die Männer in Hamm durchschnittlich 156 Euro mehr Rente beziehen als der Bundesschnitt, liegen die Frauen um 123 Euro darunter. Es spricht also einiges für die Annahme, dass sie vielfach nur unter schwierigen Bedingungen über die Runden kommen.

Die Grundsicherung ist nach Auskunft der Stadtverwaltung immer abhängig von Einkommen/Vermögen und vom individuellen Bedarf der einzelnen Person beziehungsweise der Bedarfsgemeinschaft (zum Beispiel dem Ehepartner). Zum Bedarf gehören auch die in jedem Einzelfall unterschiedlichen Mietkosten. Der Regelsatz für Alleinstehende beträgt in Hamm 424 Euro. Hinzu kommen noch die Miete und die Mietnebenkosten. Wohngeldzahlungen sind in diesem Kontext ebenfalls ein gängiges Mittel, werden aber nur von einem geringen Teil der Hammer Senioren in Anspruch genommen. 524 Personen über 65 Jahre sind das aktuell in der Stadt.

"Graue Wohnungsnot" auch in Hamm ein Thema

Thematisiert wurde in den Medien in der vergangenen Woche bundesweit die „graue Wohnungsnot“, also der ständig größer werdende Mangel an kleinen, barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen. Auch in Hamm ist dieses Segment stark nachgefragt und Schwerpunktthema bei der Wohnraumförderung. 668 Personen über 60 Jahre sind derzeit als wohnungssuchend gemeldet. Auch hier ist es ausdrücklich erwünscht, dass sich Senioren im Gesundheitscenter der Stadt wohnungssuchend melden. Nur so können die Bedarfe ermittelt werden.

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