Rasseliste und Maulkorbpflicht im Jahr 2021

Immer mehr Hunde in Hamm - doch gefährlich sind die allerwenigsten

Eine American-Staffordshire-Terrier-Hündin mit Maulkorb.
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Eine American-Staffordshire-Terrier-Hündin mit Maulkorb. In Hamm gibt es aktuell 71 Hunde, die einen Maulkorb tragen müssen.

Kampfhunde, Listenhunde, Maulkorbpflicht: Einst war dieses Begriffepaket ein großer Aufreger, heute fällt es in Hamm selten noch medial und noch viel weniger stark in der Statistik auf. Auf der anderen Seite gibt es in Hamm immer mehr Hunde.

Hamm – Sollten Sie in Hamm schon lange keinen Hund mit Maulkorb mehr gesehen haben, dann muss das kein schlechtes Zeichen sein: Rund 20 Jahre nach Einführung einer Rasseliste ist die Zahl potenziell gefährlicher Hunde in Hamm auf ein extrem niedriges Niveau gesunken. Aktuell weiß die Stadt von 128 solchen Vierbeinern, die mit offizieller Erlaubnis gehalten werden. Für 71 von ihnen gilt eine Maulkorbpflicht; alle anderen sind offiziell davon befreit.

Zum Vergleich: Insgesamt waren in Hamm Ende 2020 rund 12.100 Hunde gemeldet! Und es werden sogar immer mehr: Ende 2019 waren es rund 11.800 und Ende 2018 rund 11.700. Statistisch besitzt also jeder 15. Hammer einen Hund – über alle Altersgrenzen hinweg gesehen.

Nach Angaben von Stadtsprecher Lukas Huster ist die ohnehin niedrige Zahl der Listenhunde in den vergangenen fünf Jahren „relativ konstant“ geblieben. Auf Vermutungen über eine Dunkelziffer in diesem Bereich – immerhin müssen Halter solcher Hunde deutlich höhere Steuern zahlen und strenge Auflagen einhalten - mag er sich nicht einlassen.

Listenhunde in Hamm: Beißvorfälle in der Vergangenheit

Die jüngsten Beißvorfälle wurden in Hamm im Herbst 2020 bekannt: Anfang September biss im Hammer Westen ein (angeleinter) Pitbull einem Passanten mehrfach in die Wade; der Halter flüchtete. Nur wenige Tage später verletzte ein Pitbull in Herringen eine unbeteiligte Frau durch Bisse schwer: Sein Herrchen hatte ihm nur kurz den Maulkorb abgenommen, um ihm Trinken zu ermöglichen. Gegen den 50-jährigen Halter leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung ein.

Die beiden Beispiele zeigen, wie sensibel das Thema ist und dass es gute Gründe für die Beibehaltung der Rasseliste gibt. Gleichwohl wurden in Hamm seit dem Jahr 2010 laut Huster „nur“ fünf weitere so genannte „Beißvorfälle mit gefährlichen Hunden“ bekannt, bei denen Menschen verletzt wurden. Wegen Verstößen gegen die Maulkorbpflicht wurden 2020 zwei Bußgeldverfahren eingeleitet; dabei dürfte es um die oben genannten Vorfälle gehen. Auch NRW-weit sinkt die Zahl von Übergriffen mit gefährlichen Hunden statistisch gesehen übrigens stetig, seit die Politik dieses Thema nachhaltig im Blick hat.

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Listenhunde in Hamm: Haltungserlaubnis ist Voraussetzung

Weitergehende Informationen für Hamm liegen auch der hiesigen Polizei nicht vor. Vielmehr kann Polizeisprecher Hendrik Heine nach Abfrage in den Hammer Wachen eher Lob als Kritik weitergeben, wenn er sagt: „Treffen unsere Einsatzkräfte in Wohnungen auf Hunde (natürlich nicht nur zwangsläufig auf Listenhunde), bitten wir die Besitzer, den Hund während unseres Einschreitens in einen anderen Raum ‚einzusperren‘. Dem wird in der Regel auch nachgekommen.“

Grundsätzlich ist die Haltung von „Listenhunden“ auch in Hamm nicht verboten. Dazu zählen die Rassen American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pittbull Terrier, Staffordshire Bullterrier, Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espano, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu. Weil sie vom Gesetzgeber als „gefährlich“ eingestuft werden, benötigen ihre Herrchen und Frauchen jedoch eine besondere Haltungserlaubnis des städtischen Ordnungsamts. Voraussetzung für diese ist unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis und amtstierärztliche Sachkundebescheinigung. Jede Aufsichtsperson, die einen solchen Hund führt, müsse „sachkundig und zuverlässig“ sein, ergänzt die Stadt.

Listenhunde in Hamm: Pflicht kann Wesenstest entfallen

Wie eingangs erwähnt, kann aber auch bei diesen Listenhunden im Einzelfall die eigentlich obligatorische Maulkorb- und Leinenpflicht wegfallen. Nämlich dann, wenn mittels einer beim Ordnungsamt zu beantragenden Verhaltensprüfung – auch „Wesenstest“ genannt – der Nachweis erbracht wird, dass vom Hund keine „Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ ausgeht. Diese Möglichkeit ist im Landeshundegesetz, das 2003 in Kraft trat, ausdrücklich hinterlegt. Anders herum können auffällig gewordene Hunde auch eine Maulkorb- und/oder Anleinpflicht auferlegt bekommen.

Übrigens: Der martialisch klingende und im allgemeinen Sprachgebrauch noch immer oft genutzte Begriff „Kampfhund“ spielt unter Hundehaltern und erst recht im rechtlichen Bereich keine Rolle (mehr): Wie der Name ausdrückt, wurden „Kampfhunde“ einst für den Kampf gezüchtet und abgerichtet. Seit dem 19. Jahrhundert sind Hundekämpfe jedoch weltweit fast überall verboten. Einzelfälle in kriminellen Bereichen können nicht ausgeschlossen werden, sind zumindest in Hamm aber nicht dokumentiert. „Kampfhunde“ fallen also im wesentlichen unter die Aufstellung der „Listenhunde“.

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