Raser vor der Haustür: Anwohner klagen über Rowdys auf der Heithofer Allee

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Auf der Heithofer Allee haben die Radfahrer Vorrang. Sie ist eine Fahrradstraße. Anwohner beobachten allerdings vermehrt rücksichtslose Autofahrer und Raser.

An der Heithofer Allee ist zu wenig Platz für einen Gehweg - viele Grundstücke führen direkt auf die Straße. Immerhin ist sie eine Fahrradstraße, Autofahrer sollten langsam unterwegs sein. Doch viele missachten das.

Mark – Die ersten Schritte vor der Haustür sollten wohlüberlegt sein. Das ist für einige Anwohner der Heithofer Allee weniger ein gut gemeinter Rat, als, etwas überspitzt formuliert, eine Lebensversicherung. Der Grund: Die Grundstücke auf den ersten 130 Metern ab Marker Dorfstraße führen überwiegend direkt auf die Straße. Einen Gehweg gibt es nicht. Zu wenig Platz. Dafür ist die Heithofer Allee in diesem Abschnitt eine Fahrradstraße. Auf der haben Fahrräder Vorrang.

Rennen während der Schulzeit?

Mehr als Tempo 30 ist nicht erlaubt, aber das kann einem Fußgänger schon sehr schnell vorkommen. Und dann sind da noch die „Raser“, wie ein Anwohner anmerkt. „Die fahren Rennen, auch während der Schulzeit.“ Alles in allem „sehr gefährlich“.

Er möchte namentlich nicht genannt werden. Auch im Namen seiner Nachbarn setze er sich für eine Entschärfung der Situation ein. Nach einer Prüfung erkennt die Stadtverwaltung hier aber keinen besonderen Problembereich. Dennoch sind bauliche Veränderungen zur „Erhöhung des Sicherheitsgefühls“ geplant. Auf der Heithofer Allee sorgen vor allem die LWL-Klinik und die Kettelerschule für Autofrequenz.

Sie wird vermutlich auch als Abkürzung zur Soester Straße genutzt. Der Eindruck, dass hier Autofahrer zu schnell unterwegs sind, ist bereits vor vielen Jahren thematisiert worden. Bodenschwellen, so genannte Berliner Kissen, waren mal auf der Fahrbahn aufgebracht. Eine Sperrung der Durchfahrt für Autos blieb nur eine gedankliche Option.

Hupkonzert und Drohungen

Hauptproblem seien die zu schnellen Autos, die Raser, wie der Anwohner bemerkt. Dass auch Kinder an der Heithofer Allee lebten, interessiere viele nicht, wie er meint, aus den Reaktionen von Autofahrern ablesen zu können – Reaktionen auf selbst gefertigte Schilder und gestenreiche Hinweise.

„Autofahrer fühlen sich dadurch noch provoziert“, sagt er. Sie gäben Gas, hielten Hupkonzerte oder drohten. Vor dem Hintergrund wolle er namentlich nicht genannt werden. „Die Anwohner sind verzweifelt“, sagt er. Einige davon schon seit Jahrzehnten. „Kein Wunder, wenn die Lage irgendwann eskaliert“, sagt er. Das könne auch im Bereich der Einmündung Wittmannstraße sein, wo die Rechts-vor-links-Regel dauernd ignoriert werde. Die Stadtverwaltung bestätigt „Beschwerden und Anfragen von Anwohnern der Heithofer Allee“, allerdings „erst in jüngerer Zeit“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster.

Messungen der Stadt: Kaum Verstöße

Die Straße sei aber nicht als Raserstrecke und als „besonders problematisch“ auffällig. In den vergangenen Monaten vermeldete die Polizei „nur“ zwei Unfälle, bei denen jeweils ein Radfahrer leicht verletzt wurde. Anwohner haben da eine andere Wahrnehmung und sehen das Potenzial für schwere Unfälle.

Unauffällige Verkehrserfassung

Die Stadt war vergangenes Jahr mehrfach zur Verkehrsüberwachung an der Heithofer Allee: mit dem Enforcement-Trailer, dem Blitzer-Anhänger, und zwölf Mal mit den gewöhnlichen mobilen Geräten. Das Ergebnis: „Die Verstoßquoten der Messungen liegen im unauffälligen Bereich, in der Regel zwischen 0 und einstelligen Prozentzahlen“, sagt der Stadtsprecher.

Nur bei zwei Messungen waren es 15 Prozent. Dabei ging es vorwiegend um Überschreitungen im Bereich bis zu 10 Kilometer in der Stunde. Nur ein Fahrzeug sei im Tempobereich 50 bis 55 gemessen worden. Der Nachteil der mobilen Messgeräte ist, Autofahrer können sie gegebenenfalls frühzeitig entdecken. Vor dem Hintergrund zählte die Verwaltung den Verkehr mittels eines kleinen, unauffälligen Geräts, eine Woche lang im November. „Hierbei sind tatsächlich zwei deutliche Verstöße mit mehr als 70 Kilometer in der Stunde erfasst worden“, sagt der Stadtsprecher. Für den Zeitraum einer Woche weise das aber nicht auf ein Raserproblem hin. Die Auswertung zeigt, dass 85 Prozent der gemessenen Autos nicht schneller als 43 Kilometer in der Stunde fuhren. Das ist der so genannte V85-Wert, der maßgeblich zugrunde gelegt wird. Im Falle der Heithofer Allee heißt das, dass das Ergebnis für einen Tempo-30-Bereich ein „durchaus normaler Wert ist“. Die Stadt erfasste im Durchschnitt rund 800 Fahrzeuge pro Tag auf der Straße. Das gemessene Verkehrsaufkommen sei mit der Klassifizierung als Fahrradstraße vereinbar, heißt es. Der Anwohner verweist indes auf Unterlagen, wonach Tageswerte und Geschwindigkeits-Spitzenwerte auch höher gelegen hätten.

„Sicherheitsgefühl erhöhen“

Wenn auch die Zahlen den Eindruck der Anwohner nur vereinzelt untermauern, „trotzdem wollen wir das Sicherheitsgefühl der Anwohner erhöhen“, sagt der Stadtsprecher. Die Heithofer Allee soll planmäßig in diesem Jahr eine neue Deckschicht erhalten. Danach sollen Tempo-30-Piktogramme auf die Straße aufgebracht werden. Außerdem sollen im Anschnitt zwischen der Doppel-Kurve und Marker Dorfstraße drei Sperrflächen mit Baken eingebracht werden, um eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung zu erreichen. Davon versprechen sich die Anwohner keine Verbesserung vor ihren Grundstücken. Vielmehr solle geprüft werden, ob nicht eine Verkehrsreduzierung besser wäre. Dazu könne die Heithofer Allee ab Wittmannstraße zur Einbahnstraße für Autos werden.

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