Planänderung

Riesiges Container-Drehkreuz? Bahn will Rangierbahnhof wiederbeleben - viele neue Arbeitsplätze

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Ein Leuchtturmprojekt für Hamm: Der Rangierbahnhof, hier mit nächtlicher Beleuchtung, soll zum Container-Umschlag werden.

Hamm – Die Deutsche Bahn will den Hammer Rangierbahnhof reaktivieren. Auf der mittlerweile in großen Teilen stillgelegten Anlage soll nach den Worten der DB-Güter-Chefin Sigrid Nikutta ein Container-Umschlag entstehen. Details will der Konzern aber noch nicht nennen, die Planungen seien noch nicht abgeschlossen.

Nikutta ist seit Jahresbeginn Vorstandsvorsitzende von DB Cargo, der Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn. In einer Diskussionsrunde mit Berliner Parlamentariern nahm sie jetzt Stellung zur möglichen Reaktivierung aufgegebener Bahnflächen. Man schaue sich die Grundstücke mit Blick auf den Güterverkehr genau an, so Nikutta. Ein Beispiel sei der Rangierbahnhof Hamm, der bisher als obsolet galt, nun aber zu einem Güter-Drehkreuz mit Terminal und Werkstatt umgebaut werde.

Eine Bahnsprecherin bestätigte Nikuttas Aussagen; zuerst hatte die Deutsche Verkehrszeitung darüber berichtet.

Rangierbahnhof: Konzeptstudie der EVG als Grundlage

Viel mehr möchte die Bahn derzeit aber nicht sagen. „Wir befinden uns in der Planungsphase und können noch keine Details nennen“, so die Unternehmenssprecherin. Die Planungen fußen nach Informationen unserer Zeitung auf einer Konzeptstudie der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die mehrere Varianten für einen Containerumschlag zwischen Straße, Schiene und Wasserstraße vorsieht. Erste Schritte ließen sich kurzfristig umsetzen.

Die Autoren der Studie, Jörg Hensel und Rainer Wilke, sehen in einer Reaktivierung des Rangierbahnhofs ökonomische und ökologische Vorteile. Die Güter sollen aus den norddeutschen und niederländischen Seehäfen sowie von Industriestandorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen kommen. Damit entstehe insbesondere im Ost-West-Verkehr eine Alternative zum Lastwagen.

Positive Umwelt-Aspekte und B63n

So würden Straßen entlastet und Schadstoffe reduziert, so Hensel und Wilke. Der Lärmpegel werde deutlich unterhalb des derzeitigen Rangierbetriebs liegen. Mehrere hundert Arbeitsplätze unterschiedlicher Qualifikation könnten entstehen. Zur Erschließung sei allerdings der Bau der Bundesstraße 63n erforderlich.

Die 60 Hektar große Fläche gehört nach wie vor der DB Netz AG. Für eine Nachnutzung war vor zwei Jahren die landeseigene Bahnflächenentwicklungsgesellschaft eingeschaltet worden; die Rede war von Gewerbegebieten und Wohnhäusern.

Detail-Pläne bis Jahresende öffentlich?

Einer weiteren Bahnnutzung würde man aber den Vorzug geben: Die Entwicklung, die sich derzeit abzeichne, sehe man als sehr positiv an, sagte Prokuristin Barbara Eickelkamp. Man gehe davon aus, dass die Bahn ihre Pläne bis zum Jahresende vorlegen werde.

Auch die Stadt zeigt sich erfreut. Natürlich seien Aspekte wie die Verkehrserschließung zu bedenken, sagte Carsten Gniot, der im Stadtplanungsamt die Verkehrsabteilung leitet. Dem Aufbau einer modernen Bahninfrastruktur stehe man aber positiv gegenüber.

Einst Europas größter Rangierbahnhof

Der Hammer Verschiebebahnhof galt einst als der größte Europas: 325 Kilometer Gleise, 1100 Weichen, 160 Signale, 20 Stellwerke. Die Bahnanlagen ziehen sich über 9,3 Kilometer durch die Stadt, bis zu 470 Meter ist der Gleiskörper breit.

Erbaut wurde die Anlage von 1912 bis 1925 hauptsächlich, um den Ost-West-Verkehr zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin zu bewältigen. Heute werden nur noch etwa zehn Prozent der ursprünglichen Fläche genutzt. 2016 hatte die Bahn angekündigt, den größten Teil des Geländes zu verkaufen; Dutzende Gleise und Weichen waren stillgelegt worden.

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