"Traumberuf" Spielplatzprüfer: Ein Porträt

Hammer Ralf Middendorf hat die Lizenz zum Rutschen

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Natürlich klettert Spielplatzprüfer Ralf Middendorf auch auf die Rutsche und rutscht selber herunter.

Hamm - Ralf Middendorf kraxelt während der Arbeit auf Klettergerüsten herum, fährt Karussell, schaukelt und rutscht. Der sympathische 56-Jährige hat – jedenfalls aus Kindersicht – einen echten Traumjob.

Als städtischer Spielplatzprüfer kontrolliert er die Sicherheit der Spielgeräte auf den Hammer Spiel- und Bolzplätzen. Von spielenden Kindern wird seine Arbeit gerne kritisch begutachtet. „Wenn ich eine Schaukel abnehme, fragen sie: ‘Was machen Sie denn da? Wann kommt die wieder?’ “, berichtet der Mann mit der markanten Schirmmütze.

Unverzichtbar für Ralf Middendorfs Arbeit ist sein Smartphone, das immer griffbereit in der Tasche seiner dunklen Latzhose steckt. Über eine spezielle App sieht der Spielplatzprüfer auf einen Blick alle Details rund um jeden einzelnen Spiel- und Bolzplatz. Kontrollen, Schäden und Reparaturen dokumentiert er direkt vor Ort und überspielt die Daten täglich auf einen PC.

Alles im Lot – Spielplatzprüfer Rolf Middendorf hat zahlreiche Gerätschaften in seiner schwarzen Tasche, mit denen er prüft, ob die Spielgeräte sicher sind.

In Hamm gibt es, verteilt über alle Stadtbezirke, 260 Spiel- und Bolzplätze mit einer Gesamtfläche von rund 530.000 Quadratmetern. Sie alle werden von den insgesamt drei städtischen Spielplatzprüfern und sechs bis sieben speziell fortgebildeten Mitarbeitern regelmäßig unter die Lupe genommen. Wöchentlich gibt es eine Überprüfung auf sichtbare Schäden. Bei der Verschleißkontrolle, die alle vier Wochen durchgeführt wird, achten die Fachmänner besonders auf Verbindungs- und Verschleißteile sowie auf Verschraubungen. Bei der jährlichen Generalkontrolle legen sie alle Fundamente der Spielgeräte frei, um sie eingehend zu überprüfen.

Die Spiel- und Bolzplätze in seinem Bezirk kennt Ralf Middendorf wie seine Westentasche. Er weiß, worauf er achten muss. Mit geschultem Auge sieht der Spielplatzprüfer meist schon von Weitem, wenn etwas im Argen ist. „Besonders rasch nutzen sich die Glieder der Schaukelketten ab“, berichtet er. Deshalb nimmt er sie bei jeder wöchentlichen Kontrolle in Augenschein. Auf stark frequentierten Spielplätzen sind die untersten Kettenglieder schon nach vier Wochen deutlich abgescheuert. „In der Nähe von Schulen und Kindergärten ist die Abnutzung besonders groß“, beobachtet der Spielplatzprüfer immer wieder. Auf weniger bespielten Spielplätzen halten die Schaukelketten zwischen drei und vier Monaten.

Ralf Middendorf hat es schwarz auf grün: Er ist „Qualifizierter Spielplatzprüfer“.

Ralf Middendorf mag seinen abwechslungsreichen Job an der frischen Luft, bei dem er sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellen kann. Neue Spielgeräte in seinem Bezirk baut er selbst auf. „Dann weiß ich, dass das Fundament stimmt“, sagt der gelernte Maurer, der sich auch mit Holzarbeiten gut auskennt. Am liebsten prüft er Stehkarussells. Die faszinierten ihn schon als Kind. „Manchmal geben mir die Kollegen einen kräftigen Schubs für eine Extrarunde“, verrät er schmunzelnd. „Wir haben viel Spaß.“ Bei aller Freude an der Arbeit spielen Sicherheit und Sorgfalt dennoch die wichtigste Rolle.

Traumberuf Spielkind: Ralf Middendorf ist Spielplatzprüfer in Hamm

Um Unfälle zu verhüten, scheuen der Spielplatzprüfer und seine Kollegen keine Mühen. Sie klettern Klettergerüste hoch und rutschen Rutschen hinunter. Zahlreiche Kinder mögen die Kletternetze, die es auf vielen Hammer Spielplätzen gibt, besonders gerne. Wenn Ralf Middendorf deren Sicherheit überprüft, kraxelt er selbst bis ganz nach oben. Er achtet dabei auf feste Verbindungen, die richtige Seilspannung und Verschraubungen.

Bei den Spielplatzüberprüfungen hat er stets eine große schwarze Tasche dabei. Darin stecken weitere wichtige Arbeitsutensilien. Ein dickes Buch, das die DIN-Normen für Spiel- und Freizeitanlagen detailliert beschreibt sowie etliche Prüfkörper aus Aluminium. Mit ihnen lassen sich Sicherheitsabstände und Fangstellen einfach und unkompliziert überprüfen, ohne dass der Fachmann umständlich mit Zollstock oder Maßband hantieren muss.

Auch die Sicherheitsabstände zwischen den Seilen der beliebten Kletternetze testet Ralf Middendorf mit einem speziellen Prüfkörper. Der sieht aus wie ein Kochtopf, aus dessen Boden mittig ein Stiel herausragt. Passt er zwischen den Seilen hindurch, weiß der Spielplatzprüfer: Hier ist alles okay. Der Abstand ist groß genug, sodass kein Kind beim Klettern hängenbleiben kann.

Ein handwerklicher Beruf und mehrjährige Erfahrung in der Spielplatzpflege sind Voraussetzungen, um überhaupt an einem Zertifikatslehrgang zum Spielplatzprüfer teilnehmen zu dürfen. Ralf Middendorf war deutschlandweit der 27. Absolvent bei der erst 2012 eingeführten Prüfung. Insgesamt ist er schon seit 17 Jahren in Sachen Sicherheit auf Hammer Spielplätzen unterwegs.

Pro Tag schafft der Spielplatzprüfer 20 bis maximal 35 Spiel- und Bolzplätze. Wie lange die Kontrolle dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Auf Spielplätzen mit einem „hohen Spieldruck“, was auf Behördendeutsch so viel bedeutet wie „stark frequentiert“, gibt es oft etwas zu reparieren. Auch in seiner Freizeit sitzt Ralf Middendorf nur selten ruhig auf dem Sofa. Er ist gerne mit dem Motorrad unterwegs. Oder er schraubt an alten Motorrädern herum, die mindestens 30 Jahre auf dem Buckel haben. „Ein bisschen Action muss sein“, sagt er lachend.

Spielplätze in Hamm

In Hamm gibt es insgesamt 260 Spiel- und Bolzplätze mit einer Gesamtfläche von rund 530.000 Quadratmetern. Sie verteilen sich über alle Stadtbezirke:

Mitte: 44

Uentrop: 40

Rhynern: 35

Pelkum: 26

Herringen: 25

Bockum-Hövel: 56

Heessen: 34

Auf den Spielplätzen in Hamm stehen 1560 Spielgeräte, 572 Mülleimer und 1685 Ausstattungsgegenstände, zu denen beispielsweise 454 Bänke zählen. (Quelle: Stadt Hamm)

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