Radwege-Benutzungspflicht besteht überwiegend weiter

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Schön neu ist der Radweg an der Marker Allee – auch wenn das Zusatzschild auf längst behobene „Straßenschäden im Radweg“ hinweist. Trotzdem sollte hier eigentlich die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben worden sein.

Hamm - Sicherer soll es für Radfahrer sein, direkt auf den Straßen statt auf separierten Radwegen zu fahren. Darum sollte die Benutzungspflicht auf rund 40 Prozent der Radwege bis zum Jahresende 2015 aufgehoben werden.

Das hatten Stadtbaurätin Ritas Schulze Böing und der Hammer Kreisverband des Allgemeine Deutsche Fahrradclubs (ADFC) im September im Rahmen einer Pressekonferenz verkündet.

Sicher ist bis jetzt aber nur, dass es bei der vollmundigen Ankündigung geblieben ist: Auf dem Großteil der zu „befreienden“ Radwege hat sich nichts getan – obwohl der ADFC entsprechende Infokarten herausgeben hat und die Stadt auf einer eigenen Homepage mit pdf-Download ausführlich jene Radwege auflistet, auf denen die Benutzungspflicht mittlerweile hätte aufgehoben sein sollen. Das blaue Gebotsschild mit einem Radfahrer-Symbol weist nach Auskunft von Polizei-Pressesprecher Ulrich Biermann ausdrücklich darauf hin, dass eine Pflicht zum Benutzen des Radweges besteht. 

Die Nordseite der Dolberger Straße in Heessen sollten Radfahrer eigentlich mit den Autofahrern teilen.

Wenn der städtische Pressesprecher Tom Herberg auf wiederholte Nachfrage behauptet, diese Beschilderung sei abgebaut, irrt er, wie Stichproben des Westfälischen Anzeigers (siehe Fotos) ergeben haben. Lediglich im Bezirk Hamm-Mitte sei man mit dem Abbauen der Schilder noch nicht so weit – womit er wiederum irrt: Auf der Südstraße beispielsweise ist die Radwege-Benutzungspflicht tatsächlich aufgehoben. 

Die sei bislang dort noch nicht umgesetzt worden, wo Ampelschaltungen noch an das niedrigere Tempo der Radfahrer angepasst, die Grünphasen also verlängert werden müssen. Um das im ersten Quartal 2016 umzusetzen, sind laut Herberg 60 000 Euro in den Hauhalt eingestellt. Betroffen sind davon beispielsweise die Werler Straße nördlich der Alleestraße und die Richard-Wagner-Straße. 

Ob die Radwege-Benutzungspflicht zu mehr Sicherheit bei allen Verkehrsteilnehmer sorgt, werden künftige Unfallstatistiken zeigen. Unsicherheit dürfte gerade dort auch entstehen, wo die Benutzungspflicht nicht durchgängig, sondern nur in Teilbereichen aufgehoben wird. 

Schilder widersprechen Infos im Internet 

An der Amtsstraße in Heessen sind gleich drei Angaben widersprüchlich: die der städtischen Homepage, des Stadtsprechers und der Schilder.

Beispiel Amtsstraße in Heessen, auf der die Benutzungspflicht laut städtischer Internetseite komplett aufgehoben sein sollte. Den „befreiten“ Bereich schränkte Herberg im WA-Gespräch allerdings ein: Im Bereich zwischen Piebrockskamp beziehungsweise Heessener Dorfstraße und Augustin-Wibbelt-Straße beziehungsweise Gartenstraße bestehe die Benutzungspflicht weiterhin – auf gerade einmal knapp 200 Metern. Denn im Bereich bis zum Ahlener Straße werden Radfahrer sowieso in einem markierten Bereich auf der Fahrbahn geführt. Und der Bereich bis zur Dolberger Straße, der laut Herberg befreit sein soll, ist weiterhin mit blauen Gebotsschildern markiert. 

Und auch die Ludwig-Teleky-Straße (rechts) sollten Autofahrer eigentlich längst direkt mit Radlern teilen.

Beispiel Marker Allee: Hier sollte die Benutzungspflicht komplett aufgehoben werden – obwohl der Radweg gerade erst neu hergestellt worden und entsprechend makellos befahrbar ist. 

Die Frage nach dem Sinn einer Befreiung stellt sich beispielsweise im Bereich Fangstraße in Herringen: Zwischen Dortmunder Straße und Neufchateaustraße ist die Benutzungspflicht aufgehoben – auf gerade einmal 250 Metern. Für den Rest der Fang-straße sind die Radwege zu nutzen.

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