Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests

Radfahrerstadt Hamm nur noch Mittelmaß - Mahnwache für toten Radler

Hamm ist längst nicht mehr in der Fahrrad-Vorreiterrolle.
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Von der Lichtgestalt zum Schattendasein: Hamm ist längst nicht mehr in der Fahrrad-Vorreiterrolle. (Symbolbild)

Wären die Schulnoten, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) im gerade veröffentlichten Fahrradklima-Test für das Jahr 2020 vergeben hat, versetzungsrelevant, müsste die halbe Republik in die Nachprüfung. Da bildet auch Hamm keine Ausnahme.

Hamm – In der umfangreichen Studie erhielt die Stadt die Note 3,93 und landete damit in der Kategorie der Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern bundesweit nur noch im breiten Mittelfeld auf Platz 14. Vor zwei Jahren lag Hamm bundesweit in seiner Klasse noch auf Platz 8, zwei Jahre zuvor auf Platz 2.

Immerhin: In NRW bedeutet dieses Ergebnis trotzdem noch Rang zwei hinter Gütersloh. Eine Einstufung, die allerdings eher belegt, dass im ganzen Land noch großer Nachholbedarf in Sachen Sicherheit und Komfort für Radler besteht.

Für Klaus-Peter Kappelt kein überraschendes Ergebnis. „Hamm ist in der Bewertung von Jahr zu Jahr konsequent schlechter geworden“, sagt der Vorsitzende des 350 Mitglieder starken ADFC-Kreisverbandes. „Und das Ergebnis zeigt, dass die alte Regierung nicht darauf zu bringen war, die Fahrradfahrer zu unterstützen.“

Mahnwache für tödlich verletzten Radfahrer

Für den ADFC ist der Tod des auf der Neuen Bahnhofstraße kürzlich am helllichten Tag verunglückten 29-jährigen Radfahrersmehr als ein tragischer Zufall“. Zum Gedenken an den jungen Mann ruft der Verband am Freitag, 19. März, um 17 Uhr zu einer Mahnwache mit Gedenkminute am Unfallort Friedrichstraße/Neue Bahnhofstraße auf. Zur Mahnung und Erinnerung soll ein weißes Geisterrad aufgestellt werden.

Radfahrerstadt Hamm nur Mittelmaß: Schlechte Noten für...

518 Einwohner der Stadt haben sich an der Internet-Umfrage beteiligt (Umfragezeitraum: September bis November). Was der 2. ADFC-Vorsitzende, Rainer Wilkes, als „bemerkenswert“ empfindet. „Weil wir wenig dafür werben konnten. Unser Büro war ja wegen der Corona-Pandemie größtenteils geschlossen. Die Beurteilung ist aber ein Zeugnis dafür, dass bei uns in den vergangenen Jahren wenig passiert ist.“

Die schlechtesten Noten gaben sie der Stadt für die Fahrbahnbreite der Radwege (4,8), die Führung an Baustellen (4,7), und die Falschparkkontrolle auf Radwegen (4,7). Zudem kommt die Beschaffenheit der Oberfläche der Radwege in der Bewertung schlecht weg (4,6). „Oftmals ist in der Vergangenheit ja nur die Fahrbahn für Autos neu gemacht worden“, sagt Kappelt, der aber ein Licht am Ende des Tunnels sieht, weil im Haushalt auch der Ausbau und die Pflege der Radwege berücksichtigt worden ist. „Es ist ja zum Beispiel schon signalisiert worden, dass die Adenauer-Allee ab der Fährstraße bis nach Werries beleuchtet und asphaltiert werden soll.“

Radfahrerstadt Hamm nur Mittelmaß: Nicht alles ist schlecht

Im anonymisierten ADFC-Fragebogen gab es eine Rubrik für persönliche Bemerkungen, die einige Radfahrer nutzten. Hier eine Auswahl.

  • Um in die Innenstadt zu gelangen, muss man sehr häufig auf zweispurige Autostraßen fahren oder sehr lange Umwege in Kauf nehmen.
  • Ausgewiesene Fahrradstraßen sind für den Autoverkehr zugelassen. Die Autos kennen die Regeln nicht und überholen häufig mit 50 Kilometern pro Stunde.
  • Radfahrer sind der Politik relativ egal. Berufspendler werden extrem verkannt. Die Radstation (am Bahnhof) war in den vergangenen Monaten teils geschlossen oder so schlecht geöffnet, dass Pendler sie nicht nutzen konnten.
  • Erst ein Autofahrer sorgt für Grün.
  • Der Sicherheitsstreifen ist in der Realität ein Todesstreifen.
Der OB greift zur Flex: Zur Optimierung von Radwegen wurden im Stadtgebiet über 100 Umlaufsperren überprüft, ob sie zur Erleichterung der Durchfahrbarkeit entfallen oder durch einfache Pfosten ersetzt werden können. Der Start zum Umbau fand nun mit Marc Herter und Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch an der Ostenheide/Dieckmanns Hof in Werries statt. Dabei wurden Bügel ausgebaut und in die vorhandenen Hülsen neue, rot-weiße Sperrpfosten gesetzt, um die Durchfahrt von Kraftfahrzeugen zu verhindern.

Doch es gibt durchaus auch ein paar positive Aspekte der Studie. „Die Wegweiser für Radfahrer sind gut bewertet worden“, sagt Wilkes. „Die Ausleihmöglichkeiten für Fahrräder wurden aufgestockt. Unterm Strich hatten die Befragten mehr Spaß als Stress.“ Für eine sorgenfreie Versetzung bei der nächsten Zeugnisvergabe reichen diese Signale aber noch nicht.

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