ADFC beklagt Gefahr der „Kaufland-Kreuzung“

Riesenglück für Radlerin nach Unfall mit Lkw im Hammer Westen

Unfall im Hammer Westen am Donnerstagmittag.
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Unfall im Hammer Westen am Donnerstagmittag.

[Update 19.41 Uhr] Beim Zusammenstoß mit einem Sattelschlepper auf der „Kaufland“-Kreuzung im Hammer Westen ist eine Pedelec-Fahrerin verletzt worden.

Hamm - Am Donnerstag gegen 13.15 Uhr ist im Kreuzungsbereich Wilhelmstraße/Kamener Straße ein Lkw mit einer 81-jährigen Pedelec-Fahrerin zusammengestoßen. Diese wurde dabei leicht verletzt. (zunächst war vor Ort von „schweren Verletzungen“ die Rede gewesen; die Frau hatte offenbar ein Riesenglück). Nach notärztlicher Versorgung vor Ort wurde sie in ein Krankenhaus gebracht, das sie nach ambulanter Behandlung wieder verlassen konnte.

Die 81-Jährige befuhr mit ihrem Pedelec die Kamener Straße in nördlicher Richtung und beabsichtigte an der Kreuzung Wilhelmstraße weiter geradeaus zu fahren, wie die Polizei am Abend bestätigte. Ein 53-jähriger Lkw-Fahrer fuhr auf der Kamener Straße ebenfalls in nördliche Richtung und bog an der Kreuzung nach rechts auf die Wilhelmstraße ab. Mit seinem Sattelschlepper erwischte er die Pedelec-Fahrerin. Die Frau stürzte.

Radfahrerin von Lkw angefahren: ADFC hält Kreuzung für gefährlich

Zwar taucht die Kreuzung im Hammer Westen in der Unfallstatistik der Polizei nicht überdurchschnittlich oft auf, doch hält sie der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) trotzdem für eine der gefährlichsten im ganzen Stadtgebiet. Zum einen sei sie aufgrund ihrer Größe und ihrer vielen Fahrspuren in allen vier Bereichen selbst für Autofahrer sehr unübersichtlich, zum anderen müssten Radfahrer den selben Überweg nutzen wie Fußgänger. Deutlich sicherer sei - wie an mehreren anderen Kreuzungen im Stadtgebiet schon möglich -, wenn sich die Radler auf der Fahrbahn vor den Pkw und Lkw einordnen könnten, weil sie dort besser zu sehen seien. „Die Gefährlichkeit der Kreuzung haben wir schon mehrfach beklagt“, sagt ADFC-Kreisvorsitzender Klaus Peter Kappelt.

Weniger Unfälle durch Abbiegeassistent

Ein so genannter Abbiegeassistent für Lkw und Busse soll Unfälle mit Fußgängern und Fahrradfahrern vermeiden helfen. Kameras, Ultraschall, Radar- oder Infrarotsensoren werden dabei zur Erfassung von Objekten im toten Winkel des Fahrzeugs angebracht. Aktiviert wird der Abbiegeassistent, wenn der Fahrer den rechten Blinker setzt oder langsamer fährt, als im Abbiegeassistenzsystem voreingestellt ist. Eine Warnung vor Hindernissen erfolgt für den Lkw-Fahrer optisch und akustisch.

Eine EU-weite verpflichtende Einführung von Abbiegeassistenten ist allerdings erst ab Juli 2022 für neue Fahrzeugtypen und ab Juli 2024 für neue Fahrzeuge vorgesehen. Eine Pflicht zum Nachrüsten gibt es nicht.

Bundesweit steigt die Zahl der durch abbiegende Lkw getöteten Radfahrer seit einigen Jahren an, verweist der ADFC auf entsprechende Statistiken (siehe weiteren Infokasten unten). Laut Unfallforschung der Versicherer könnten durch Abbiegeassistenten 60 Prozent der schweren Unfälle durch abbiegende Lkw verhindert werden.

Für die Bergung und die Unfallaufnahme sperrte die Polizei eine Fahrspur auf der Kamener Straße für etwa eine Stunde. Von dem 53-jährigen Lkw-Fahrer nahm sie eine Sicherheisleistung.

Die Kreuzung führt mit der Wilhelmstraße, der Kamener Straße, der Radbodstraße und dem Herringer Weg vier besonders stark befahrene Straßen zusammen.

So gefährdet sind Radfahrer im Straßenverkehr

„Radfahrer gehören zu den am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmern. 2019 ereigneten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 87.253 Unfälle mit Personenschaden mit Fahrradbeteiligung. Damit waren Radfahrer nach Pkw-Fahrern am häufigsten in Unfälle involviert, bei denen Menschen zu Schaden kamen. 86.897 Radfahrer wurden verletzt, 445 getötet. Jeder vierte Verletzte und fast jeder siebte Verkehrstote im Straßenverkehr war 2019 demnach ein Radfahrer.

In den Städten hat sich das Fahrrad als Verkehrsmittel etabliert. Die Kehrseite ist: 2019 ereigneten sich 90 Prozent der Fahrradunfälle mit Personenschaden innerorts. Hier verzeichnete die Polizei 92 Prozent aller leichtverletzten, 82 Prozent aller schwerverletzen und 61 Prozent aller getöteten Radfahrer. Auf der Landstraße ereigneten sich hingegen nur zehn Prozent aller Fahrradunfälle mit Personenschaden – die Polizei registrierte hier acht Prozent der leichtverletzten, 18 Prozent der schwerverletzten und 39 Prozent der getöteten Radfahrer.

Unfälle mit Personenschaden zwischen Güterkraftfahrzeugen und einzelnen Radfahrern nahm die Polizei 2.958 Mal auf. Dabei starben 74 Radfahrer, 2.892 wurden verletzt.“

(Quelle: Runter-vom-Gas.de)

Erst Anfang März war in der Innenstadt ein Fahrradfahrer bei einem Zusammenstoß mit einem Auto so schwer verletzt worden, dass er wenige Tage später im Krankenhaus starb. Der ADFC-Kreisverband initiierte daraufhin eine Gedenkminute und eine Mahnwache und stellte ein „Geisterrad“ auf.

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