Drohnen im Einsatz: So wird Bambi vor Mähdreschern beschützt

Mit Scheuchen, Hund un Quadcopter auf Rehkitz-Suche
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Karl Heinz Biermann (links), Helmut Neuhaus (rechts) und Ralf Wagener im Kampf gegen Rehkitz-Sterben

Rettung aus der Luft: Mithilfe eines Quadcopters werden in Hamm Rehkitze vor den tödlichen Klingen des Mähdreschers bewahrt.

Hamm – Ein Blick auf den Monitor seiner Fernbedienung reicht und Axel Möller weiß genau, wohin er seine Helfer schicken muss. „Auf der Wärmebildkamera sieht man Wärmepunkte, die man dann vor Ort kontrollieren muss“, erklärte der Naturschutzobmann der Kreisjägerschaft Hamm, als er jetzt den neuen Quadcopter vorführte, mit dem die Jäger die heimischen Landwirte unterstützen möchten – und zwar um Rehkitze vor dem Mähdrescher zu schützen.

Quadrocopter statt Hunde für den Rehkitz-Schutz

Bisher mussten die Landwirte auf andere Methoden zurückgreifen, unter anderem auf die Spürnase von Hunden. Doch gerade auf riesigen Feldern ist es schwierig, wirklich jedes Fleckchen nach Rehkitzen abzusuchen – sowohl für Mensch als auch für Tier. Mit dem nur 700 Gramm schweren Quadcopter ist das viel leichter. Dazu überfliegt Pilot Axel Möller das entsprechende Feld, in dem Rehe ihren Nachwuchs im hohen Gras in Sicherheit wähnen.

Quadcopter mit Wärmebildkamera: Manchmal trügt das Bild

Alleine bewältigen kann der ausgebildete Drohnenpilot eine solche Aktion auf großen Feldern, die durchaus 70 Hektar betragen können, aber nicht. Denn: Es braucht zusätzlich einen Helfer am Funkgerät, den Möller über die am Bildschirm entdeckten Wärmepunkte hinweist sowie zwei bis drei Läufer, die diese Punkte absuchen. „Nicht jeder Wärmepunkt ist auch ein Rehkitz“, weiß Axel Möller. Auch Steine oder Maulwurfshügel könnten so aufgeheizt sein, dass sie die Wärmebildkamera anzeigt.

Aus demselben Grund muss die Drohne früh morgens eingesetzt werden, um überhaupt einen Temperaturunterschied erkennbar zu machen. „Ab 4 Uhr früh“, erklärt Möller und fügt hinzu, dass das Feld dann möglichst innerhalb der nächsten sechs Stunden gemäht werden müsse, um nicht plötzlich neue Rehkitze vorzufinden, die der Mähdrescher dann doch erwischt. Wird unterdessen wirklich ein Rehkitz gefunden, muss dieses umgesetzt werden – allerdings darf es niemals mit bloßen Händen angefasst werden.

Für den Kauf der 8000 Euro teuren Drohne haben sich die Jäger ganz bewusst jetzt entschieden. Denn im Mai und Juni findet auf den Feldern in Hamm der Erstschnitt statt. Denn: „Beim Erstschnitt haben die Rehkitze noch keinen Fluchtreflex“, erklärt Jäger Karl Heinz Biermann. Später im Jahr sei das anders und die Kitze würden auf die Geräusche des Mähdreschers reagieren können. Wie viele Rehkitze in Hamm durch Mähdrescher ums Leben kommen, ist unterdessen unklar. „Es gibt eine Dunkelziffer“, erklärt Biermann, schließlich würden die Fälle oftmals nicht gemeldet. „Jeder Fall ist aber einer zu viel“, betont er.

Aus diesem Grund hat die Kreisjägerschaft die Drohne angeschafft. „Wir möchten die Landwirte unterstützen“, sagt Biermann und hofft, das Netz an Drohnenpiloten ausbauen zu können. Denn um das Gerät zu steuern, braucht es einen Drohnenführerschein sowie für das Gerät selbst eine Haftpflichtversicherung und eine Genehmigung. In Anspruch nehmen können diese Hilfe alle Landwirte aus Hamm. Die melden sich bei ihrem zuständigen Jäger, weil die gesamte Stadt in Jagdreviere unterteilt ist.

Übrigens: Für die Drohne, für die es auch Fördermittel gab, gibt es weitere Einsatzmöglichkeiten. „Damit können wir eine Wilderfassung machen“, erklärt der Vorsitzende Helmut Nordhaus. Auch, um vor dem Ausfahren von Gülle nach Hasen zu suchen, eigne sich die Wärmebilddrohne.

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